Geschrieben in Massenmediales, Regionales am 12. September 2026 0 Kommentare »
Die neue Erklärung lautet: Machtlosigkeit. „Wir holen uns unser Land zurück“, habe Ulrich Siegmund im Wahlkampf gesagt. Hähnig übersetzt: Wir wollen wieder mächtig werden! Daraus wiederum folge: Wir sind es derzeit nicht. Die AfD rekurriere auf ein „Gefühl des Ausgeliefertseins“. Das ist nicht ganz falsch. Aber die entscheidende Frage wird durch das Wort „Gefühl“ bereits vorentschieden.
Ein mächtiger Händler, der sich einer europäischen Kolonialmacht widersetzt, passt ideal in die postkoloniale Erzählung vom indigenen Widerstand. Ein mächtiger Sklavenhändler, der seine wirtschaftlichen und politischen Interessen verteidigt, ist ein sehr viel komplexerer Akteur und belegt moralische Schattierungen statt Schwarz-Weiß.
Geschrieben in Massenmediales, Regionales am 9. September 2026 0 Kommentare »
Dass Tee über koloniale Handelswege nach Europa gelangte, gehört zu seiner Geschichte – aber dass Ostfriesen daraus über Jahrhunderte eine spezifische Zeremonie entwickelten, gehört ebenso dazu. Wer nur die erste Geschichte moralisch auflädt und die zweite degradiert, betreibt selektive Geschichtsschreibung.
Geschrieben in Massenmediales, Regionales am 7. September 2026 0 Kommentare »
Wer zwischen einem Grünen-Wähler und einem vermummten Steinewerfer unterscheiden kann, sollte auch zwischen einem AfD-Wähler und einem Neonazi-Schläger unterscheiden können. Sonst wird politische Analyse zur Kontaktschuld.
Geschrieben in Massenmediales, Regionales am 5. September 2026 0 Kommentare »
Der Sender vergleiche beim Leistungswert den Windpark mit einem einzigen der drei geplanten Reaktoren, bei den Kosten jedoch denselben Windpark mit der Gesamtinvestition mit dem gesamten Kraftwerk, das nicht aus einem, sondern aus drei Reaktoren besteht. Die Vergleichsbasis wird also mitten in der Rechnung gewechselt.
Geschrieben in Massenmediales, Regionales am 3. September 2026 0 Kommentare »
m totalisierten politischen Konflikt wird Kultur nicht mehr danach beurteilt, was sie ist, sondern danach, woher sie kommt, wem sie möglicherweise nützt und welche Identität sie transportiert. Das mag man als Tod von Kultur interpretieren, ja als Tod von Zivilisation.
Alexander Spöri verkündet in der “Abendzeitung“ freudig die Entfernung von „Demokratiefeinden“, der bayerische FDP-Vorsitzende sieht Erklärungsbedarf wegen AfD-Kontakten, ein SPD-Politiker fordert gar den Verfassungsschutz (!) an. Damit wird aus einem banalen Hotelvertrag eine Fallstudie über den geistigen Zustand der Republik.
Die Vorstellung, Hautfarbe liefere unabhängig von Zeit und Ort eine endgültige Antwort auf Machtverhältnisse, ist keine Überwindung rassischer Kategorien, sondern sie ist deren – erstaunlich robuste – Wiederkehr.
Geschrieben in Regionales, Spezielles am 19. August 2026 0 Kommentare »
„Hoch zu Ross“ war einmal die Pose des Herrschers. Marc Aurel, August der Starke, Napoleon: Wer im Sattel saß, demonstrierte Führung. Das Pferd hatte Kraft, der Reiter gab die Richtung vor. Bei Voigt ist das Pferd aus Holz. Es bewegt sich, aber kommt keinen Zentimeter voran. Als Symbol für Politik ist das schon fast unverschämt perfekt.
Die Kontrollfunktion der Opposition wird im selben Atemzug als notwendig beschrieben, der größten gewählten nichtregierenden Partei mit realem Gewicht jedoch faktisch abgesprochen. So redet kein Demokrat, der die Spannung des Parlamentarismus aushält; so redet ein Milieu, das Opposition nur noch unter Vorbehalt zulassen will.