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Archiv für die 'Hochschulisch-Pädagogisches' Kategorie

Lesch sagte da sinngemäß: Wer heute noch Kernkraftwerke errichte, sei nicht bei Verstand – es sei denn, er wolle damit Material für Atomwaffen gewinnen. So ungefähr lautet die Botschaft des Professors. Sie ist weniger eine physikalische Erkenntnis als eine intellektuelle Exkommunikation.

Die Pointe dieses Vorgangs liegt darin, dass hier ausgerechnet derjenige, der einer Historikerin altklug historische Unkenntnis vorwirft, selbst einer falschen historischen Zuschreibung aufsitzt. Denn nicht Joseph Goebbels hat den Begriff „Journaille“ geprägt.

Ob eine heutige Partei verfassungsfeindliche Ziele verfolgt, lässt sich an ihren Programmen, ihrem Verhalten und rechtlich relevanten Bestrebungen untersuchen. Die Frage wird nicht dadurch beantwortet, dass in einem Landkreis vor neunzig Jahren eine andere Partei erfolgreich war.

Damit steht plötzlich weit mehr zur Debatte als die Frage, weshalb Männer durchschnittlich anders essen als Frauen; es geht darum, wie weit die Politik in die alltäglichen Entscheidungen ihrer Bürger eingreifen soll, um wissenschaftlich definierte Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

Als der Darmstädter Politikwissenschaftler Christian Stecker bei Caren Miosga in der ARD über unterschiedliche gesellschaftliche Vorstellungen von Migration sprach und neben dem multikulturellen einen ethnopluralistischen Entwurf erwähnte, verwandelte sich eine politikwissenschaftliche Beschreibung beinahe augenblicklich in einen Gesinnungsverdacht. Nicht mehr die Frage, welche Vorstellungen von kultureller Zugehörigkeit in einer Demokratie miteinander konkurrieren dürfen, stand im Mittelpunkt, sondern ob der Wissenschaftler durch die Verwendung eines belasteten Begriffs bereits eine Grenze des demokratisch Sagbaren überschritten hatte.

Ein Beamter, der Konflikte durch ein geschicktes Gespräch entschärft, leistet mehr als einer, der zwar fehlerfrei schreibt, aber jede Auseinandersetzung eskalieren lässt. Nur folgt daraus nicht, dass schriftsprachliche Kompetenz verzichtbar wäre. Die Alternative zwischen Gesprächsfähigkeit und sicherem Schriftdeutsch ist künstlich; eine professionelle Polizei braucht beides.

Normalerweise verändert der Wähler mit seiner Stimme die Politik. Hier soll die Politik die gesellschaftlichen Verhältnisse so verändern, dass der Wähler künftig anders stimmt. Krebs nennt das Konzept, das dabei helfen soll, „geplante Marktwirtschaft“.

„Nicht bestimmte historische Gegenstände sind politisch kontaminiert, sondern kontaminiert wird Wissenschaft dort, wo zuerst das politische Urteil feststeht und anschließend die Vergangenheit so angeordnet wird, dass sie es bestätigt. Und dieses methodische Gebot gilt gerade für jene, die eine “braune Spur” bereits überall gefunden zu haben meinen, bevor die konkrete Ausgrabung überhaupt begonnen hat.“
Mein Ärger über das FAZ-Elaborat „Wie die AfD uns zu Germanen machen will“.

Ein mächtiger Händler, der sich einer europäischen Kolonialmacht widersetzt, passt ideal in die postkoloniale Erzählung vom indigenen Widerstand. Ein mächtiger Sklavenhändler, der seine wirtschaftlichen und politischen Interessen verteidigt, ist ein sehr viel komplexerer Akteur und belegt moralische Schattierungen statt Schwarz-Weiß.

Der gefährlichste Zustand entsteht nicht dort, wo Wissenschaft verschiedene politische Perspektiven zulässt. Er entsteht dort, wo eine Perspektive so dominant geworden ist, dass sie ihre eigene politische Herkunft nicht mehr erkennt und sich selbst schlicht „Vernunft“, „Emanzipation“ oder „Wissenschaft“ nennt.
Dann wird der politische Gegner nicht mehr widerlegt, sondern aus dem Bereich des wissenschaftlich Legitimen herausdefiniert.

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