Schule ist der Ort, an dem eine Gesellschaft ihre gemeinsame Sprache, ihren geistigen Zusammenhang und ihre Form der Weltaneignung weitergibt. Wer meint, man könne fachliche Leistungen notfalls auch jenseits der gemeinsamen Bildungssprache „angemessen erfassen“, löst Leistung gerade aus jenem Medium heraus, in dem sie für das Gemeinwesen Bedeutung gewinnt. Meine Anmerkungen zur Düsseldorfer Schuldebatte, die […]
Statt methodischer Präzision und sprachwissenschaftlicher Differenzierung bekommt der Leser ein Sammelsurium aus Verdächtigungen, historischen Assoziationen und parteipolitischen Zuschreibungen.
Wer dieselben Mittel übernimmt, die er seinen politischen Gegnern vorwirft, verteidigt den Rechtsstaat nicht; er höhlt ihn aus. Der eigentliche Prüfstein jeder rechtsstaatlichen Theorie lautet deshalb nicht: Wie beurteilen wir die AfD? Sondern: Würden wir dieselben Maßstäbe auch dann anwenden, wenn sich die politischen Vorzeichen umkehrten?
Technik, Medizin, Forschung, Energie, Klima, Digitalisierung, Biotechnologie, Künstliche Intelligenz: All das sind keine exotischen Nischen, sondern die Felder, auf denen sich Wohlstand, Sicherheit und Handlungsfähigkeit einer Industriegesellschaft entscheiden. Dass ein eigener redaktioneller Bereich dafür offenbar als verzichtbar gilt, ist kein Betriebsunfall, sondern ein Symptom.
Kulturelle Unterschiede sind weder grundsätzlich schlecht noch grundsätzlich gut, sondern schlicht real. Wer sie ignoriert, produziert nicht Harmonie, sondern mindestens Enttäuschung, schlimmstenfalls Hass. Die Mannheimer Studie erinnert deshalb an eine banale Wahrheit: Menschen sind keine Verwaltungsobjekte. Man kann sie umsiedeln, fördern, integrieren. Man kann sie aber nicht beliebig umformen.
Der Faschismusbegriff dient heute immer seltener der historischen Erkenntnis, sondern zunehmend der affektiven Mobilisierung. Er ist nicht mehr Kategorie, sondern Alarmanlage. Nicht mehr Beschreibung, sondern Bannspruch.
Die Schule soll kein Ort politischer Bildung mehr sein, sondern ein Schutzraum gegen falsche Politik. Und „falsch“ ist inzwischen alles, was rechts der Grünen liegt.
Kein menschliches Gegenüber, das rot wird, das widerspricht, das vielleicht sogar recht hat. Keine peinliche Eskalation, kein Widerspruch, der aus dem Ruder läuft. Stattdessen: ein kalkulierbares, pädagogisch geregeltes Dialog-Setting. Das ist die alte Schulphantasie vom konfliktfreien Lernen – nur mit neuer Technik.
Laut Liya Yu sei uns „das Autoritäre” zwar eingeschrieben, „das Liberale” aber evolutionärer Zielpunkt. Damit „Rechte” nicht gewinnen, muss das Gehirn also linkstrainiert werden. Das ist orwellesk.
Der Vorschlag, das Sitzenbleiben am Gymnasium abzuschaffen, mag als Impuls verständlich sein. Aber in der vorgelegten Form ist er vor allem eins: eine symbolische Operation am Begriff des Scheiterns. Es geht dabei weniger um pädagogische Förderung, als vielmehr um kulturelle Beschwichtigung.