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Archiv für die 'Allgemeines' Kategorie

Das wollte ich doch immer schon mal hören. Ok, manchmal schon gemunkelt wurde es, aber jetzt scheint es statistisch bewiesen: in einer Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. „Jährlich gingen 150.000 junge Menschen ohne abgeschlossene Ausbildung ins Berufsleben“, heißt es da. „Wenn es nicht gelingt, diese Zahl zu halbieren, entstehen für die öffentlichen Haushalte Belastungen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro pro Altersjahrgang“. Gibt es eine Lösung?

Es ist schon seltsam: da lasse ich mich gelegentlich Guttenberg über die Generation der Bübchenkultur aus, gelegentlich Fukushima über Halbwertszeiten, gelegentlich Texthonorare über Ethik… und plötzlich geht „welt.de“ die Offensive und fragt: „Ist die Welt nicht völlig durchgedreht?“ Die Liberalen überholen die Linken, die Christdemokraten die Grünen… alles tauscht mit allem die Plätze. Aber Platzhalter gibts nicht mehr…

In dieser Woche beginnt das Sommersemester, was leicht an der Zunahme des Radverkehrs erkennbar ist. Zu dieser Vokabel fallen exzessiven Radlern wie mir sofort diverse Dinge ein, die in Dresden im Argen liegen: zuvörderst der Zustand der Nord-Süd-Route „Albertplatz – Carolabrücke – Pirnaischer Platz – Bahnhof – Uni“. Gerade die Carolabrücke ist an der Synagoge ein Nadelöhr: aus dem kombinierten Rad-/Fußweg wird ein Fußweg. Das barsche Schild „Radfahrer absteigen“ kann eigentlich ignoriert werden – zumal das Verkehrsrisiko einer Fussgängerkollision minimal ist. Aber Polizisten streifen um die Synagoge und behandeln widerspenstige Ignorierer wie Staatsfeinde. Und das zum Semesterstart, und das dann, wenn viele Studenten und Dozenten unterwegs sind. Zufall?

Ja, die Frage ist abgedroschen. Ja, es gibt ebenso viele Antworten wie Antworter. Und erst recht: ja, vor allem aus publizistischer Perspektive gibt es als Wertmassstab die Qualität nicht. Aber die Frage muss gestellt werden angesichts der Zunahme sogenannter „Redaktions-„ oder „Textportale“, die vor allem ein Internet-Geschäftsmodell zur Aggregation von Print-, manchmal auch Online-Inhalten darstellen. Was hier an Geschäftsgebaren aufscheint, finde ich haarsträubend.

Fundstück

Ein Käufer von Kafkas 1915 als Buch erschienener Erzählung „Die Verwandlung“ gab dem Autor buchstäblich „Kredit“. Getreu dem lateinischen „credo“ glaubte er, mit dem Buch das Leben seiner Cousine zu bereichern. Was er indes mehrte, war lediglich der Vorrat an Ungewissheit bzw. Ratlosigkeit im Kreis der Familie, den er eigentlich mit Wortkunst mindern wollte. Promp forderte er – promovierter Journalist (!) den Autor auf, die Ungewissheit höchstselbst zu beseitigen. Ein „Leserbrief“ besonderer Art.

Eigentlich wollte ich mich nicht explizit zu Fukushima äußern. Die politischen Wirkungen in Deutschland liegen offen, über andere will ich derzeit nicht nachdenken. Aber da fielen mir während einer langen Bahnfahrt zwei dystopische Textes ein. Beide bewegten mich nicht so sehr bewegten wegen des Schreckens, sondern der Art des geradezu weihevollen Umgangs damit: Don deLillos warenfetischistischer Roman „Underworld“ (1997, dt. Köln 1998) und Gert Prokops „Muddies“, radioaktive Müllwüsten inmitten der „Nolands“, die in mehreren seiner grandiosen SF-Geschichten um den Privatdetektiv Timothy Truckle (1977, 1983) eine Rolle spielen. Das Weihevolle daran: beide gelten als Sehenswürdigkeit und erfreuen sich touristischen Zuspruchs. Wie ist das möglich?

Wo Welten walten…

Vor 100 Jahren (und ein paar Tagen mehr; 11.01.1911, „Der Demokrat“, Berlin) wurde Jacob van Hoddis‘ „Weltende“ erstmals publiziert – bis heute das „expressionistische Manifest“. Mich hat der Text seit meinem Studium nicht mehr losgelassen – und zu einer Neufassung inspiriert.

Medial bestens präsent ist er ja schon seit Tagen und auch Nächten (vom Samstag zum Sonntag war „Niedecken-Nacht“ auf WDR 3), obwohl er erst heute 60 wird: Wolfgang Niedecken. Der Mann ist sozial engagiert, malerisch begabt, musikalischer Globetrotter (von Konzerten mit Bruce Springsteen bis zur Beteiligung am preisgekrönten „Rilke-Projekt“) – einfach ein guter Musiker; auch wenn man sich in seinen Regiolekt erst einhören muss… Ich verbinde mit ihm, oder besser ihm und BAP, zwei wesentliche Erinnerungen aus den Anfangsachtzigern, als ich gerade in Magdeburg zu studieren begann.

Heute jähren sich gleich drei Premieren bedeutender deutscher Filme, die trotz zeitlicher Nähe unterschiedlicher nicht sein können. Am 29. März 1933 verbot die Filmprüfstelle Berlin nach persönlicher Intervention von Joseph Goebbels wegen „Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit“ die Erstaufführung von „Das Testament des Dr. Mabuse“. Regisseur Fritz Lang drehte das Opus nach einem Roman […]

Ich muss gestehen: derzeit lese ich keinen Roman; mein letzter (den ich gattungstheoretisch gar nicht als solchen angesehen hätte) war Christa Wolfs „Stadt der Engel“. Aufgeschlagen liegt auf dem Nachttisch gerade Peter Hacks‘ „Die Maßgaben der Kunst“: seine gesammelten Ansichten zur Poetik, die Suhrkamp vor ein paar Wochen in einer zugegebenermaßen etwas unhandlichen Edition von […]

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