Geschrieben in Allgemeines, Massenmediales am 10. November 2014 9 Kommentare »
Sehr geehrter Herr Pörksen,
in einer „Widerrede aus gegebenem Anlass“ widmeten Sie sich in der ZEIT 44/2014 (und zeitversetzt im Internet) unter dem – von Iljoma Mangolds Rezension zu Akif Pirinçci – plagiierten Titel „Volle Ladung Hass“ dem Phänomen der Medienverdrossenheit. Sie konstatierten eine milieuunabhängige Bewegung des „bösen Blicks“ auf Journalisten wie Medien gleichermaßen. Diese Bewegung sei „weltanschaulich pluralistisch“, „nicht eindeutig rechts oder links“ und formuliere „großformatige Verfalls- und Verwahrlosungsthesen“. Thesen, die Sie für falsch halten „und in ihrer Wucht gefährlich, weil sie das Vertrauen in den Journalismus untergraben und den bösen Blick seltsam starr werden lassen.“ Diese Widerrede hat mich zu einer ebensolchen in Form eines „Offenen Briefes“ herausgefordert.
Wolfgang Herrmann, Präsident der TU München, will bis 2020 alle Master-Studiengänge an der TU auf die Standard-Unterrichtssprache Englisch umstellen. Da muss ich wieder mal fragen: Geht’s noch?
Da ist wieder mal eine Studie erschienen, deren publizistische Verwertung durch den SPIEGEL an manipulativer Scheinheiligkeit nicht zu überbieten ist. Der Fakt: Kienbaum hat unsere Ex-Bundestagsabgeordneten nach ihrer „Anschlussverwendung“ befragt, 47 antworteten. Wesentliches Ergebnis: Knapp 15 Prozent waren fünf Monate nach der Bundestagswahl 2013 noch arbeitslos. Die Tendenz ist mehr als deutlich.
„Fack ju Göhte“ ist ein „routiniert gebauter Schwachsinn“ (v. Uslar), für den die Schauspieler nichts können. Mit einem Kommentator: „Ein proletarisches Fusselhirn allererster Güte und eine an ihr pädagogischen Ethos gebundene Heulboje auf Liebesentzug schweißen eine Klasse asozialer Arschlochkinder zusammen und erkennen dabei, was wirklich zählt im Leben.“ Das Problem für mich ist der Umgang mit der deutschen Sprache, damit der Kultur – Sprachkultur, Schulkultur, Schülerkultur… – der hier in einer Weise ad absurdum geführt wird, die jedem halbwegs kulturvollen Zeitgenossen erst die Schames- und dann die Zornesröte ins Gesicht treiben muss.
Geschrieben in Allgemeines, Massenmediales, Spezielles am 4. November 2013 Kommentare deaktiviert für Wer sich ziert, wird sanktioniert
Nach diversen Zeitungsessays zu jenem pseudoreligiösen Event namens „Halloween“ und eigenen Erlebnissen am Donnerstag muss ich mal wieder Frustabbau betreiben. Der Frust richtet sich nur sekundär gegen die amerikanisierte Säkularisierung eines anfangs heidnischen, später theologisch eminent aufgeladenen Datums. Er richtet sich auch nur sekundär gegen das Konsumspektakel. Primär aber richtet er sich gegen die moralische Unsäglichkeit, mit der Kindern anlässlich dieses „Festes“ neoliberales Denken aufoktroyiert wird.
Am 2. Oktober hat Horst Pöttker unter der Überschrift „Schluss mit der Selbstzensur“ in der „ZEIT“ gefordert, die Richtlinie 12.1 des Pressekodex zu ändern. Ihm geht es um folgenden Passus: „In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte.“ Er war damit nicht der erste. Eine Betrachtung.
Dieser Tage ist die neue, von Ketchum Pleon kreierte Imagekampagne Sachsens unter dem Slogan „So geht sächsisch“ gestartet. Nicht zuletzt auch in sozialen Netzwerken hatte sich schon im Mai eine mehr oder weniger sachliche Diskussion mit negativem Grundtenor zum Teil um mehr als nur um Sinn und Unsinn des Slogans entsponnen. Der war sogar der „taz“ ein – nennen wir es mal – Themenfeature wert, in dem auch kritische Stimmen aus der Dresdner Koalition zitiert wurden. Die folgende linguistische Analyse prüft, worin diese Negativität begründet ist.
„Ja, Realität scheint zerfasert, Reflexion mühsam, Probleme sind komplex, Sachverhalte vieldeutig. Boulevard bedient die Sehnsucht nach Einfachheit und Einheit, und die ist mit personalisierten Emotionen sehr leicht herstellbar. Die Unterschiede zwischen „Fluthelfer-Plakat sorgt für Ärger” (SZ-Online) oder „Panne beim Flut-Plakat“ (BILD) halte ich für marginal.“ Ein Interview mit mir von PR-Frau Sylvie Weidlich über Medien und Medienmachen.
Direktor Uwe Kammann hat auf der Internetpräsenz seines Instituts die Nominierung des DC versucht zu verteidigen. Halbherzig, wie ich finde, mit teilweise hanebüchenen Argumenten. Aus diesem Grund habe ich ihm geantwortet – in Form eines offenen Briefs.
Geschrieben in Allgemeines, Massenmediales am 29. Januar 2013 Kommentar »
Das Dschungelcamp (wenn auch die Folge des letzten Jahres, mit Dirk Bach) ist tatsächlich für den Grimmepreis nominiert. Ein Preis, mit dem Fernsehsendungen und -leistungen ausgezeichnet werden, die für die Programmpraxis nach Inhalt und Methode vorbildlich und modellhaft sind und der als institutionalisierte Fernsehkritik gilt. Gehts noch?