Da hat es nun auch „mein“ Institut getroffen. Das Institut für Kommunikationswissenschaft der Dresdner TU, an dem ich seit dem Sommersemester 1998 fast ununterbrochen Fernseh- bzw. Videopublizistik lehre, muss sich mit einem Plagiatsskandal auseinandersetzen:…
Ach was muss man oft von bösen
Textern hören oder lesen
Wie zum Beispiel von all jenen
Die sich ballbegeistert wähnen
Und zur jüngsten Meisterschaft
Testeten des Wortspiels Kraft.
Zugegeben: zuerst wollte ich vom Glauben abfallen, dann musste ich es (noch) nicht in anfangs befürchteter Fallhöhe – glücklicherweise. Glauben meint hier den Glauben an deutsches Qualitätsfernsehen. Oder besser: Qualitätsfernsehen aus Deutschland, denn die innovativen Eigenformate lassen sich, wenn überhaupt, gerade noch an zwei Händen herzählen. Es geht – natürlich – um den eben verliehenen Deutschen Fernsehpreis, vor allem um die Nominierung der RTL-Show „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“.
Schon das zweite Posting hintereinander anlässlich eines Todesfalls – die Abschiede werden mehr und überwiegen die Ankünfte… Aber anders als mit Amy Winehouse‘ Musik verbinde ich mit Michael Cacoyannis viel mehr: einen der besten Filme aller Zeiten, nämlich „Alexis Sorbas“, mit einigen der besten Schauspieler aller Zeiten, eine kongeniale literarische Vorlage, eine grandiose Musik, dazu Reisen, Landschaften – und nicht zuletzt Lehrveranstaltungen. Das klingt chaotisch und will enträtselt sein.
Die politischen Funktionseliten fürchten sich vor ihren eigenen Programmen, wenn sie nur ansatzweise in eine Richtung tendieren, in die es aufzubrechen gelte, entsprechend sträflich vernachlässigen sie ihre „Kundschaft“ und enttäuschen sie. Ihre ehemaligen Anhänger sind ganz offensichtlich nicht in Scharen zum politischen Gegner übergelaufen, sie wollen nur nicht Merkel, Gabriel und Rösler für deren Profillosigkeit auch noch belohnen. Und nicht nur das – genau diese profil- und damit ahnungslosen Funktionseliten haben sich spätestens seit der großen Koalition auch auf allen Gebieten breitgemacht, in denen sie nichts zu suchen haben, sondern die ureigenstes Terrain von Leistungseliten sind. Das Resultat erleben wir täglich: eine Aushöhlung des Leistungsbegriffs. Diese gefährliche Entwicklung wurde jetzt auf absurde Weise an einer lagerfremden Kritik am Atomausstieg deutlich.
„Der Boulevard ist eine perfekt entworfene und stets bestens gewartete Hysterie- und Trivialisierungsmaschinerie der Republik. Er ist die postmoderne Heldenschmiede einer heldensüchtigen Gesellschaft in ihrer ganzen unheroischen Gleichgültigkeit“, meinte Christian Schüle zu einem Mainzer Mediendisput. Anläßlich der Vorbereitung einer Sondervorlesung (u.a. über den Zusammenhang von Regierungs-PR und Boulevard) mache ich mir Gedanken über die soziale Trivialisierung, die auch Georg Seeßlens in seinem beeindruckenden Opus „Blödmaschine“ gnadenlos seziert.
Muss man sich als promovierter Germanist, Journalist, Dozent, potentieller Wähler, Mensch und Ostdeutscher von einem westimportierten Lokalpolitiker der FDP als Versager, Dummschwätzer und Gossenjournalist verunglimpfen lassen? Ich meine nein. Dem „Nein“ folgt eine vom DJV Sachsen unterstützte Unterlassungsklage gegen Dresdens FDP-Chef Johannes Lohmeyer.
Geschrieben in Allgemeines, Massenmediales am 18. April 2011 Kommentar »
Nach diversen Artikeln und Debatten – im Gefolge von Guttenberg, Fukushima, FDP & Co. – hat jetzt Matthias Matussek auf SPON einen Artikel publiziert, dessen Überschrift fast der Science Fiction entnommen sein kann: „Der neue Mensch“; zusammengeschrieben aus Äußerungen von Dahrendorf, Weimer und Sloterdijk. Quintessenz: „Vielleicht sind einschneidende Ereignisse nötig, um zukunftsfähiges Handeln zu befördern. … Es geht um Werte wie Bedürfnisaufschub, Disziplin, Dienst, Pflicht.“ Einige Anmerkungen zwischen Mittelmaß und Genialität.
Ja, die Frage ist abgedroschen. Ja, es gibt ebenso viele Antworten wie Antworter. Und erst recht: ja, vor allem aus publizistischer Perspektive gibt es als Wertmassstab die Qualität nicht. Aber die Frage muss gestellt werden angesichts der Zunahme sogenannter „Redaktions-„ oder „Textportale“, die vor allem ein Internet-Geschäftsmodell zur Aggregation von Print-, manchmal auch Online-Inhalten darstellen. Was hier an Geschäftsgebaren aufscheint, finde ich haarsträubend.
Heute jähren sich gleich drei Premieren bedeutender deutscher Filme, die trotz zeitlicher Nähe unterschiedlicher nicht sein können. Am 29. März 1933 verbot die Filmprüfstelle Berlin nach persönlicher Intervention von Joseph Goebbels wegen „Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit“ die Erstaufführung von „Das Testament des Dr. Mabuse“. Regisseur Fritz Lang drehte das Opus nach einem Roman […]