Aus der Einsicht, dass Bildung kein moralischer Zauberschlüssel ist, folgt gerade nicht, dass sie politisch zweitrangig wäre. Es folgt, dass wir eine andere Vorstellung von der „Krone des Geistes“ brauchen – eine neue Gelehrtenrepublik, die nicht im Dienst des Staates steht, sondern über ihm.
Berliner Gymnasiasten dürfen Klassiker „einfach“ lesen – und Niedersachsens Grundschüler brauchen nicht mehr schriftlich zu dividieren. Der Bildungsstaat verrät, was ihn einst groß machte.
Wer sagt, fast die Hälfte der Kleinkinder spreche zu Hause eine andere Sprache, sagt zugleich: Die künftige Bevölkerung dieses Landes wird mehrheitlich nicht mehr im klassischen Sinn deutschsprachig sozialisiert. Der Begriff „Umvolkung“ taucht im “Spiegel”-Artikel selbstverständlich nicht auf; aber die zugrundeliegende demographische Verschiebung markiert das einstige “Sturmgeschütz der Demokratie” erstmals unverhohlen als Normalität.
Die Stadt Hannover liefert ihren 41 städtischen Kitas „queere Bücherkisten“: jeweils 14 Titel, die „Geschlechterrollen aufbrechen“ und „queere Lebensrealitäten sichtbar machen“ sollen, wie die Stadtverwaltung der NOZ sagte. Statt Max und Moritz oder Hase und Igel stehen nun Meerjungknaben, zwei Prinzen als Hochzeitspaar, Regenbogenfamilien und identitätssuchende Kuscheltiere im Regal. Kosten: 11.000 Euro. Ziel ist erklärtermaßen nicht bloß […]
In einer Zeit, in der Deutschland international bildungspolitisch immer mehr zurückfällt, ist die Abschaffung der Zensuren ganz bestimmt kein Fortschritt, sondern ein Symptom der Kapitulation: Man schaut dem Niedergang nicht mehr ins Auge – man schreibt ihn in Schönschrift.
Gesellschaft ist ein soziologischer Befund; Literatur ist eine ästhetische Form. Wer beides verwechselt, macht aus Deutschunterricht Sozialkunde mit Buchdeckeln.
Wenn der “Spiegel” einen Beitrag mit folgender Überschrift betitelt: „Studierende würden Redefreiheit für konservative Meinungen stärker einschränken“, dann ist damit eigentlich schon fast alles gesagt. Das ehemalige Nachrichtenmagazin verweist mit dieser Schlagzeile auf neue Daten zur politischen Kultur an Hochschulen – und deutlicher kann man die Schieflage kaum benennen: Liberalität ja, aber bitte nur für die „richtige“ Seite.
Das Tragen von Kopftüchern sei eine grundgesetzlich geschützte Ausübung der Religionsfreiheit und daher „grundsätzlich zulässig“ an Schulen – und eine Antragspflicht deshalb damit unvereinbar. Die Schule kapituliert prompt: Der Brief wird korrigiert, die Schulordnung angepasst. Unterwerfung.
Eine PoC-Lehrkraft fordert im Netz, Worte mit dem Suffix „-ling” nicht mehr zu nutzen. Zwischen Flüchtling und Liebling entscheidet aber der Kontext. Sprache wirkt über Urteile, nicht bloße Listen.
In einer Zeit, in der die Bildungspolitik Deutschlands unter dem Banner von Integration & Inklusion segelt, droht ein stiller Verrat an den Grundlagen unserer Kultur und vor allem unserer Sprache. Was als wohlmeinender Akt der Gerechtigkeit beginnt – die Anpassung von Lehrmaterialien an Kinder, deren Alltagssprache nicht Deutsch ist –, mündet in eine systematische Vereinfachung, die den intellektuellen Anspruch an alle opfert.