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Archiv für die 'Regionales' Kategorie

Es geht nicht um das Einzelbeispiel wie hier den Tennisverein; es geht um die endlose Häufung solcher schleichender Anpassungen und Veränderungen, die eben eine Gesamtentwicklung beschreiben, an deren Ende dieses Land seinen abendländischen Charakter verloren haben und nicht mehr wiederzuerkennen sein wird.

Ausgerechnet jene Milieus, die permanent vor „Faschismus“ warnen, reproduzieren zunehmend selbst jene Denkformen, die sie offiziell bekämpfen: moralische Homogenisierung, Feindmarkierung, politische Entmenschlichung, institutionelle Ausschließung.

Der Begriff „gemeinwohlorientierter Journalismus“ ersetzt Methode durch Moral. Nicht mehr das “Wie” der Berichterstattung steht im Zentrum, sondern das “Wozu”. Journalismus wird nicht länger als offener, fehlbarer und kontingenter Prozess verstanden, sondern als normatives Projekt mit vorgegebenem Ziel.

Der Vorschlag, das Sitzenbleiben am Gymnasium abzuschaffen, mag als Impuls verständlich sein. Aber in der vorgelegten Form ist er vor allem eins: eine symbolische Operation am Begriff des Scheiterns. Es geht dabei weniger um pädagogische Förderung, als vielmehr um kulturelle Beschwichtigung.

Mozarts „inklusive“ Umdichtung macht aus Oper Betreuung, aus Sprache Hygiene: Warum die „Zauberflöte“ in Radebeul zum Symptom einer Kultur der Infantilisierung wird.

Leipzig feiert das Buch als Event, während das nationale Buchgedächtnis in der Fläche schwindet. Man bekommt dann eine Stadt, die „Buchstadt“ spielt, aber in der entscheidenden Bundesinstitution Schritt für Schritt Kompetenzen, Bestände und damit politische Bedeutung verliert.

Mit der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung OAZ erschien dieser Tage ein Medium, das sich ausdrücklich als Zeitung von und für Ostdeutsche versteht. Herausgeber Holger Friedrich, sonst als schillernder Verleger der Berliner Zeitung bekannt, inszeniert das Projekt als verspätete Emanzipation: Endlich spreche der Osten selbst, nicht länger als Studienobjekt westdeutscher Feuilletons, sondern als eigenständiger Akteur mit eigener Perspektive.

Der Fall Schwarzer zeigt jedoch auch eine andere Dynamik. Je stärker die Versuche werden, Stimmen auszugrenzen, desto sichtbarer werden sie. Die Lesung fand trotz Protesten statt. Das Theater begründete seine Entscheidung ausdrücklich mit der Bedeutung der Meinungsfreiheit und der Notwendigkeit, kontroverse Positionen zu diskutieren.

Tränen der Moral

Brecht wollte Menschen zum Denken bringen. Das heutige Theater möchte sie zum richtigen Fühlen bringen. Was hier geschieht, ist eigentlich eher ein Fall für die Couch – wenn nicht gar die Psychiatrie – denn für eine politologisch-soziologische Debatte.

Wenn von einer „demokratischen Opposition“ gesprochen wird, wird implizit unterstellt, dass andere Teile der Opposition – in diesem Fall die AfD – nicht demokratisch seien. Das ist kein analytischer, sondern ein normativer Begriff. Er dient weniger der Beschreibung politischer Realität als der moralischen Einordnung politischer Akteure.

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