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Archiv für die 'Spezielles' Kategorie

Der Literatur der beiden deutschen Staaten war oft eine politische Dimension eigenen, manche Texte ohne sie kaum verständlich, das betraf etwa die frühe DDR-Science Fiction (del Antonio, Weise…) ebenso wie die Agit-Prop-Szene der BRD (Kittner, Süverkrüp…). Von Anbeginn steht dabei der Begriff „Tendenzdichtung“ im Raum: solche Texte seien nicht mit den Ansprüchen autonomer Kunst zu vereinbaren, denn die affirmative Rhetorik von „Parteilichkeit“ lässt immer die Instrumentalisierung unterschiedlicher Macht- und Interessengruppen durchblicken. So sei Dichtung kein angemessenes Medium für Politik, Politik kein angemessener Inhalt für Dichtung. Die Tage kurz vor der Bundestagswahl zeigen anhand zweier Jugendbücher, dass diese Vorwürfe durchaus gerechtfertigt sind, befassen sie sich doch mehr oder weniger explizit mit der AfD und verfolgen ganz eindeutig eine politische Mission: vor dieser Partei zu warnen.

Ungeheuerliches ist geschehen. Bereits zwei AfD-Bundesvorstände haben zugegeben, dass sie Döner lieben. DÖNER! Wo kämen wir denn da hin, wenn die Spitze einer ach so homophoben Partei eine Muselspeise mag? Die mediale Aufregung war eine maßlose.

Je kürzer, desto besser

Der Psychoanalytiker Karl Abraham hat schon vor 100 Jahren behauptet, dass der Name oft zum Schicksal seiner Patienten passt. Da könnte was dran sein.

Wir sollten mal wieder über Literatur, genauer: über „Konkrete Poesie“ nachdenken. Das ist eine lyrische Form, bei der es weniger um den Inhalt von Sprache geht und mehr darum, Wörter anschaulich aneinanderzureihen. Der Dichter Eugen Gomringer, einer der bedeutendsten Autoren der deutschen Gegenwartsliteratur seit den Fünfzigerjahren, gilt als ihr Initiator und gewann u.a. 2011 den Poetik-Preis der Berliner Alice Salomon Hochschule in Berlin-Hellersdorf, an der mehr als 2500 Studenten Bachelor- sowie Masterstudiengänge für Soziale Arbeit, den Gesundheitsbereich sowie Erziehung und Bildung belegen. Der heute 92jährige gab eines seiner berühmtesten (vor rund 70 Jahren in Spanisch geschriebenen) Gedichte für die Südfassade der Hochschule her, in schwarzen Lettern ragt es dort in den Himmel. Der Inhalt: Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer. Dieses Gedicht soll jetzt, nennen wir es: modifiziert werden – wegen Sexismus-Vorwürfen.

Es gibt weltweit etwa 2,5 Milliarden Menschen, die derzeit keinen Zugang zu Toiletten haben. Deutschland dagegen, wo 1860 auf Schloss Ehrenburg in Coburg die erste, heute selbstverständliche Toilette mit Wasserspülung in Betrieb ging, leistet sich Luxusprobleme, die ob ihrer Dekadenz in der Regel nur grünen Hirnen entspringen konnten.

ASA-Editorial 27-2017

Wir sollten über die Kulturgeschichte der Toilette nachdenken. Auf den Gemeinschaftsklos im alten Rom hat man im doppelten Wortsinn große Geschäfte gemacht: es wurde nicht nur gekotet, sondern auch gehandelt. Auf Kaiser Vespasians Latrinensteuer geht die Redewendung „Pecunia non olet“ (Geld stinkt nicht) zurück. Sicher nahm Sachsens Grünen-Fraktion diese Tradition zum Anlass, im August in einem Schreiben an die Landtagsverwaltung ihre Wünsche hinsichtlich des steuerzahlerfinanzierten Umbaus des Plenargebäudes 2018 zu äußern. Sie wünscht sich in den Toiletten: Aktenablagen.

Wir sollten nochmal über Hamburg und den G 20 Gipfel nachdenken. Waren es nun 5.000 oder mehr militante autonome Linke, die durch die zweitgrößte Stadt Deutschland zogen? Die genaue Zahl ist einerlei, taten sie doch exakt das, was die Polizei befürchtet hat: sie steckten Autos in Brand, auch von normalen Familien und alten Frauen, zertrümmerten Scheiben und griffen gezielt Polizisten an. 476 Beamte waren verletzt worden bei diesem dreitägigen Chaos-Event, das den Steuerzahler laut „FR“ mindestens 130 Millionen Euro kostete.

Wir sollten über Kunst nachdenken. Oder besser: das, was uns die „Dokumenta 14“ in Athen und Kassel als solche verkaufen will. Ich habe zwei Tage meines Urlaubs dafür geopfert und übertreibe nicht, wenn ich schreibe: selbst die Kunstausstellungen der DDR waren unpolitischer. Ich übergehe die Ursachen, warum das so werden konnte, wie es ist, und nehme eine Bestandsaufnahme vor. Die wird auch noch schlimm genug.

„Wir hoffen, dass die Documenta 14 einer von vielen Schritten sein wird auf dem Weg in eine Welt, in die wir leben wollen“, schreibt der Kurator Adam Szymczyk über die in Athen und Kassel stattfindende Schau. Diese Kunsterfahrung solle „der Versuch einer ganz neuen Existenzweise“ werden. Cathrin Lorch meint prompt eine sanfte Utopie zu erkennen, einen exterritorialen Ort, „an dem die Künste und die Künstler miteinander arbeiten, ausstellen und feiern“ und an dem „weder Kunststile noch Gattungen von Belang“ seien. Das sehe ich komplett anders: es ist allein die gutmenschliche Aussage, die zählt – richtige Inhalte statt stimmige Formen. Eine persönliche Rückschau auf 2 Tage Kunst.

Wir sollten über das Netzwerkdurchsetzungsgesetz NetzDG nachdenken. Heiko Maas hat es tatsächlich auf der letzten Sitzung der Legislaturperiode durch den Bundestag gepeitscht. Eine Zählung per TV-Bildschirm zeigte gerade 32 Abgeordnete von Union und SPD, plus sechs von den Grünen und rund ebenso vielen Linke-Abgeordneten. Das heißt: Nicht einmal zehn Prozent aller Bundestagsabgeordneten fanden es nötig, zur Abstimmung zu bleiben – während die „Ehe für alle“ gerade eine Stunde vorher noch 339 Ja-Stimmen fand.

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