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Archiv für die 'Spezielles' Kategorie

Postnation im Poncho

Wenn Nationen ihren Besten Kleidung geben, die sie kleiner, lächerlicher, konturloser erscheinen lässt als sie sind, sagt das etwas über die Selbstachtung dieser Nation – und über ihre Angst, sich in Form zu bringen.

In der kurdischen Ikonographie – von den Frauenbrigaden der YPJ bis zu Demonstrationen in der Diaspora – ist der geflochtene Zopf zum Emblem eines widerständigen, bewaffneten Feminismus geworden. Man kann, soll und muss diese symbolische Gegenwehr ernst nehmen; aber gerade dann muss man fragen, warum das gleiche kulturelle Umfeld, das den kurdischen Zopf feiert, im eigenen Land Zöpfe oder Röcke deutscher Mädchen unter Generalverdacht stellt.

Zunge schlägt Moral

Wenn ein Konzern wie Iglo seine vegetarische Linie „Green Cuisine“ zurückfährt und die Marke „Veggie Love“ gleich ganz einstellt, ist das mehr als eine Sortimentsbereinigung; es ist ein stilles Eingeständnis: Der große Veggie-Hype der vergangenen Jahre trifft auf die Realität von Kaufkraft, Geschmack und Alltagskultur.

Die Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt, eine institutionalisierte Instanz für „Antisemitismus, Rassismus & Menschenfeindlichkeit“, erklärt in den sozialen Medien, der Begriff „Schwarzfahren“ könne Schwarze diskriminieren. Das ist kein Witz.

Damit hätte der Fall ein lehrbuchmäßiger Schlussstrich sein können: Behörden dürfen ihre Beschäftigten nicht zur Verwendung politisch umstrittener Kunstsprache zwingen. Doch genau das passiert nicht: Der Rechtsstreit geht in die nächste Runde, das BSH hat gegen die erstinstanzlichen Urteile Rechtsmittel eingelegt.

Eine Schwarze als „schönste Frau Griechenlands“? Kein Problem. Die Beschreibung sei schließlich weit genug, um alle Identitäten mit zu umfassen. Und wer das anders sieht, betreibe „künstlichen Kulturkampf“. Damit sind die Koordinaten gesetzt: Die konkrete Frage, ob es irgendeine Rolle spielt, dass eine mythisch-griechische Figur der europäischen Überlieferung durch eine nicht-europäische Körperlichkeit ersetzt wird, wird hier semantisch neutralisiert.

Joshua Kimmichs Ankündigung, sich bei der WM 2026 aus politischen Debatten herauszuhalten, schmeckt deutschen Haltungsjournalisten überhaupt nicht. Pit Gottschalk nennt die an sich für ein sportliches Event selbstverständliche Entscheidung eine „Kapitulation“.

Girards Denken ist keine Hymne auf die liberalen Institutionen der Gegenwart, sondern eine radikale Anthropologie der Gewalt, die auch in modernen Gesellschaften weiterwirkt. Seine Sündenbocktheorie erklärt nicht nur lynchende Mobs, sondern auch subtile Formen moralischer Ausgrenzung. In Girards Logik kann selbstverständlich auch eine Elite, die sich selbst als “Verteidigerin der Demokratie” inszeniert, genau jene Mechanismen […]

Große Kunst zeichnet sich gerade dadurch aus, dass sie sich politischen Eindeutigkeiten entzieht, Ambivalenzen aushält, Wirklichkeit nicht in pädagogische Botschaften auflöst. Der frühe Grimme-Preis stand in dieser Tradition, als er etwa formale Experimente, stille Sozialstudien oder mehrdeutige Fernsehspiele prämierte. Heute droht die Kategorie „Haltung“ zum ästhetischen Brecheisen zu werden. Mein neuer Ansagetext, der gern verbreitet […]

Man signalisiert Härte gegen „Rechtsextremismus“, ohne die eigentlichen Probleme – Überforderung, Migrationsdruck, fehlende Rückendeckung – anzugehen. Am Ende bleibt ein Bild von Staat und Polizei, das konservativ alarmieren muss: ein Staat, der seine Ordnungskräfte unter Generalverdacht stellt und sich das Recht nimmt, sie buchstäblich bis auf die Haut zu durchleuchten.

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