Feeds
Artikel
Kommentare

Archiv für die 'Spezielles' Kategorie

Vom Schuldstolz

Die BRD hat auf dem Holocaust eine Zivilreligion als Elativformel gegründet: Schuldstolz als Identität, Erinnerung als Herrschaftstechnik. Das ist unreif und einseitig. Was zur „Causa Siegmund“ zu sagen ist.

Auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt, so will es die neue deutsche Sittlichkeit, bestellt man keinen Lumumba mehr. Man wünscht sich gefälligst kultursensibel „Kakao mit Schuss“ oder „Heiße Schokolade mit Rum“. Das Getränk bleibt, der Name wird exmatrikuliert.

Es gibt Momente, in denen die Gegenwart sich selbst karikiert. Die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) erklärte jetzt, sie wolle ein „klares Zeichen gegen Rechtsextremismus“ setzen – und entzieht nachträglich 14 längst verstorbenen Filmkünstlern ihre Ehrenmedaille.

Eine PoC-Lehrkraft fordert im Netz, Worte mit dem Suffix „-ling” nicht mehr zu nutzen. Zwischen Flüchtling und Liebling entscheidet aber der Kontext. Sprache wirkt über Urteile, nicht bloße Listen.

„Ich bin selbst, per Definition des Wortes, ein Mohr“, schreibt Kacem El Ghazzali Anfang November in der “Neuen Zürcher Zeitung” (NZZ). Damit zerlegt ausgerechnet ein benannter „Betroffener“ das hiesige Taburitual: Das Sprechverbot macht aus „Mohr“ ein “M-Wort” und setzt es implizit dem “N-Wort”, dem vermaledeiten „Neger“, gleich.

Jüngst feierte die Idee der „Menschheit“ als universalistische Utopie mal wieder fröhliche Urständ. Die Idee dahinter ist ahistorisch, pseudoharmonisch und kulturignorant.

Zwischen der Internetseite Ich-habe-mitgemacht.de, die der deutsch-schweizerische Journalist und “Kontrafunk”-Gründungschef Burkhard Müller-Ullrich seit 2022 betreibt, und der aktuellen bayrischen Grünen-Publikation Aus Worten werden Taten, verantwortet von Münchner Landtagsabgeordneten Toni Schuberl, spannt sich seit diesem Herbst eine Kampfzone der Zitate. Beide sammelten Sätze, beide behaupten Aufklärung – doch sie tun es in zwei entgegengesetzten Moralkategorien.

Diese Formel – „AfD-Kanzler ist gleich Judenverfolgung“ – funktioniert in Talkshows ebenso wie in Ministerien: Sie behauptet scheinbare moralische Integrität, indem sie dem Gegner ein historisches Menetekel um den Hals hängt. Beim doktrinär berieselten Bürger soll hängenbleiben, eine AfD-Regierung sei gleichbedeutend mit einer Wiederkehr des braunen Schreckens.

Der Gap schläft nie!

Kaum hat man den „Gender Pay Gap“ zu einem Leitbegriff der Republik gestempelt, glühen die Etikettiergeräte in den Institutionen und in den Medien, die plötzlich überall “Gaps” entdecken. Und nun verdanken wir “ZDFinfo” auch noch eine weitere Lücke: den „Gender Sleep Gap“: Frauen schlafen angeblich schlechter.

Framing und kein Ende

Wie reden wir über ein Thema, das das Land verändert – über Migration? Und wer bestimmt die Wörter, mit denen wir uns verständigen? Die Enthüllungen über interne Sprachkurse für ARD und ZDF, mit denen Sprachregelungen und “Wording” der Redakteure reguliert werden, zeigt eine bedrohliche Entwicklung

« Zurück - Nächste »