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Herzlich willkommen!

Als Dozent informiere ich Sie auf meiner Webpräsenz über meine Aktivitäten rings um die hochschulische Ausbildung angehender Medienmacher.

Als Mensch lasse ich Sie gern an meinen freizeitlichen Aktivitäten teilhaben, zu denen nicht zuletzt Kochen gehört ;-)

Als Bildungsbürger kommentiere/rezensiere ich außerdem vielerlei kulturelle Phänomene – vom Roman über den Musikergeburtstag bis zum Regisseurstod.

Und als (Ex-)Journalist blogge ich daneben unregelmäßig Betrachtungen zu Interessantem und Wissenswertem nicht nur aus der Welt der Medien.

Warum gerade Betrachtungen?

Ich empfinde dieses Genre – eine Meinungsdarstellungsform übrigens – als eins der zeitgemäßen schlechthin.

Eine Betrachtung soll durch Beschreibungen und Schilderungen, Vergleiche und Annäherungen bis hin zur Analyse einem Ereignis, einer Situation, einem Gegenstand oder auch einem (gesellschafts-) politischen Problem Individualität verleihen: Recherche darf in gewissem Maße substitutiert werden durch Subjektivität.

Die Betrachtung ist durchaus mit derselben eines Kunstwerks in einer Ausstellung vergleichbar: man wählt zunächst die Gesamtschau und wechselt dann zu einzelnen Aspekten.

Dabei ist dem Genre eigen, dass die Prioritäten dieser Aspekte oft im Vagen bleiben: aus der Betrachtung erwächst ein Gedanke, der das formale Ziel darstellt.

Der Gegenstand darf dabei Randerscheinung eines größeren Zusammenhangs bleiben: “die Bedeutung des Unbeachteten birgt den Kern ihrer Aussage” (Degen 2004).

Viel Spass beim Lesen – und natürlich beim Kommentieren!

„Im Meer der Überfremdung ist Deutschsein die letzte Illusion von Identität.“ (1992)

Heiner Müller (1929 – 1995) war für mich die Verkörperung des philosophisch-literarischen Dialektikers. Gemaßregelt trotz Erfolgs in dem einen System, stand der unorthodoxeste aller Brecht-Schüler dem anderen nicht minder skeptisch gegenüber. Unvergessen seine kurze Rede am 4. November 1989 auf dem Alex – der Dramatiker hatte einen seiner düsteren Orakel-Auftritte, als er, leicht angetrunken, nach vielen kämpferischen Optimisten an der Reihe war und den Hunderttausenden Sätze zuwarf wie:

„Die nächsten Jahre werden für uns kein Zuckerschlecken. Die Daumenschrauben sollen angezogen werden. Die Preise werden steigen und die Löhne kaum. Wenn Subventionen wegfallen, trifft das vor allem uns. Der Staat fordert Leistung. Bald wird er mit Entlassung drohen. Wir sollen die Karre aus dem Dreck ziehen.“

„Ich hatte das ungute Gefühl, dass da ein Theater inszeniert wird, das von der Wirklichkeit schon überholt ist, das Theater der Befreiung von einem Staat, der nicht mehr existiert“, wird Müller später über diesen Tag sagen. Während andere sich auf die neue Freiheit freuten, ahnte er, dass die Zukunft nicht nur nett werden wird. Er war nicht besonders überrascht, dass er ausgepfiffen wurde: „Als mir am Fuß der improvisierten Tribüne eine Welle von Hass entgegenschlug, wusste ich, dass ich an Blaubarts verbotene Tür geklopft hatte, die Tür zu dem Zimmer, in dem er seine Opfer aufbewahrt“, kommentierte er später die wütende Reaktion auf seinen Beitrag zur friedlichen Revolution.

Fünf Tage vor dem Mauerfall zu sagen, dass die Befreiung von der Diktatur und der Planwirtschaft auch Wende- und Modernisierungsverlierer produzieren wird, war ein Stimmungskiller in der Euphorie der Wendetage. Falsch aber war es offenkundig nicht. Müller neigte nicht dazu, die Zustände zu romantisieren, weder in der DDR noch im Westen. „Und jetzt heißt es in den reichen Ländern, mit Blick auf die wachsenden, übervölkerten und näher rückenden Armutszonen: ‚Für alle reicht es nicht.‘ Daraus folgt die Selektion“, formulierte er prompt ein paar Monate vor seinem Tod.

Müller spricht bei der Berliner Großdemonstration am 4. November 1989

Müller spricht bei der Berliner Großdemonstration am 4. November 1989

Seine Prognose heraufziehender Verteilungskämpfe wurde im Taumel der Wende ebenso oft belächelt wie zurückgewiesen. Mit dem Ausbrechen barbarisch geführter Terrorkriege und den daraus resultierenden Flüchtlingsströmen ist sie allerdings Realität geworden. Die Fragen, die sich damit stellen, lauten: Reicht es wirklich nicht für alle? Soll es überhaupt für alle reichen? Wie weit klaffen die politischen Gegebenheiten und die Hoffnung auf eine gerechte Welt auseinander? Sind Verteilungsfragen nicht Kraftquelle von linkem wie rechtem „Populismus“? Denn schon 1991 prophezeite Müller:

„Das [Horkheimers Vision der Zukunft als total verwalteter Welt und AldousHuxleys Schöne neueWelt] ist die pessimistische Variante der Hoffnung, dass die Festung Europa auf Dauer gehalten werden kann. All diese Visionen unterschlagen, dass die dritte Welt eine Macht ist; dass die, auf deren Kosten man lebt, dem nicht ewig tatenlos zusehen werden. Dazu bedarf es keiner militärisch-ökonomischen Stärke. Es reicht völlig, wenn sich Millionen Verelendeter in Bewegung setzen.“

Ein Vierteljahrhundert danach könnte es also durchaus an der Zeit sein, Heiner Müllers Texte neu zu lesen, da sie an Relevanz und Aktualität nichts verloren haben. „Zu entdecken sind prophetische Analysen, die Elend und Schrecken des triumphierenden Kapitalismus im Voraus zur Sprache bringen“ verheißt der Suhrkamp-Verlag, der der „Chance“, die Heiner Müller als Dialektiker noch in der völligen „Ratlosigkeit des Denkens“ erkannt hat, einen „Denkraum“ geben will. Der Band mit eben jenem Titel „Für alle reicht es nicht“ legt eine Auswahl bekannter und weniger bekannter Texte Müllers zum Kapitalismus vor.

Die Gliederung orientiert sich an fünf grundlegenden Aspekten der Kritik, die das Gesamtwerk durchziehen: Im Einzelnen geht es um die kapitalismuskritische Analyse der Konfrontation der Blöcke, wie sie nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind, um den Affekt des Ekels angesichts der unmenschlichen Verelendung und des kannibalischen Konsums, die der Kapitalismus erzeugt,um die kapitalistisch instrumentalisierte Sprache, um die nach wie vor virulente Frage der Religion und schließlich um die kontinuierliche Gegenwart des Krieges.

Zu den „Blöcken“ und damit den sozialen Macht – und Kräfteverhältnissen, die alles andere als harmonisch und friedlich sind, war Müller schon 1994 erstaunlich hellsichtig: „Es gab keinen Feind mehr. Wenn das Reich des Bösen weg ist, ist der Teufel plötzlich überall. Die Barbaren sind etwas Diffuses, Jugoslawien, Armenien, Georgien, überall gibt es diese kleinen Barbarenstämme. Es gibt das Problem, wie hält man die davon ab, in die Wohnstube zu kommen, in der man sich einigermaßen eingerichtet hat. Man braucht Mauern. Es dauert immer eine Zeit, bis man merkt, was nötig ist. Man kann nicht sofort wieder eine Mauer bauen. Man weiß nur, und erfährt jede Woche neu: Man braucht sie. Aber man kann sie in der Form nicht wieder bauen. Man muss sich Zeit lassen und andere Architekturformen entwickeln. Es darf nicht mehr so einfach aussehen, aber eigentlich braucht man es schon.“

Heiner Müller. Quelle: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/20-todestag-von-heiner-mueller-was-haette-er-in-dieser-zeit-geschrieben-13982555.html

Heiner Müller. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/20-todestag-von-heiner-mueller-was-haette-er-in-dieser-zeit-geschrieben-13982555.html

Stichwort Ekel: Der Zeitdiagnostiker Müller hat als genuiner Marxist vor allem in den letzten Jahren vor seinem Krebstod als gefragter Interviewpartner dem Kapitalismus unbarmherzig die Leviten gelesen. Die eigentümliche Dialektik seines Denkens begreift man erst mit Blick auf seine lebensgeschichtliche Situation mit der Allgegenwärtigkeit des Krebses: im Körper, im System, in der Zeit. Prompt gilt sein ganzer Hass der Allgegenwärtigkeit des Kapitals und dessen Verwertungsgesetzen. Wer aber sein Vertrauen auf die Rechtsordnung der liberalen Demokratie setzt, kann laut Müller auch nicht frei sein. Die Wirklichkeit: für ihn „das Unmögliche“, was mit Blick auf eine künftige klassenlose Gesellschaft abzuschaffen ist. Umgekehrt enthält sein dichterisches Werk eine lückenlose Abfolge von Gräueln und Bluttaten. Unglück ist das A und das O in der Müller’schen Welt. Von der Trümmerhalde der Geschichte liest er Begebenheiten auf, um die gewaltsame Einwirkung abstrakter Ideen auf die wehrlosen Körper der Menschen nachzuweisen. Fazit: nur wer auf die untergegangenen Hoffnungen der Toten setzt und deren Utopien mit frischer Stimmkraft belebt, besitzt eine einigermaßen begründete Aussicht auf Zukunft.

Zur Sprache: Seine Dichtung – eine der wortgewaltigsten nach 1945 – tendiert oft zur unwandelbaren Fügung. Wie behauene Blöcke ragen seine häufig in Blankvers verfassten Texte aus der Masse der politischen Gebrauchsliteratur hervor. In ihnen hält Müller Zwiesprache: „ICH HAB ZUR NACHT GEGESSEN MIT GESPENSTERN / Jetzt holt Journaille meinen Schatten heim“. Umgekehrt resultiert das deutsche Unglück laut Müller aus der Unfähigkeit, eine Revolution nach französischem Vorbild zu entfesseln. In seinen Stücken und Gedichten beklagt er die Versteinerung der Verhältnisse, an der auch der Epochenwechsel von 1990 nichts geändert habe. Die „in Rätseln redende Sphinx mit der Davidoff-Zigarre“, wie er kürzlich tituliert wurde, setzte gegen den Kapitalismus, die Bestie „mit der Blutbahn der Banken“, zwar auf die Unduldsamkeit der Unterdrückten – und hatte dennoch ein ambivalentes Verhältnis zu ihnen. Dirk Baecker brachte das 2017 auf den Punkt:

„Wir haben Revolutionen, die sich damit überraschen, dass sie in neuem Gewand Verhältnisse bestärken, die sie überwinden wollten. Und wir haben Protestbewegungen, die sich in der Illusion wiegen, selber nicht den Bedingungen zu unterliegen, gegen die sie protestieren.“

Für den desillusionierten Müller forderte die Bevölkerung ab 1989 die „Realität der Phrase“ ein, da die „Diskrepanz zwischen der Phrase und der Realität“ zu groß wurde. Und weiter: „Der versäumte Angriff auf die Intershops mündete in den Kotau vor der Ware“, komplettiert durch den jahrelangen „Versuch, die Kolonisierten durch die Suggestion einer Kollektivschuld niederzuhalten. Die Narben schreien nach Wunden, das unterdrückte Gewaltpotential bricht sich Bahn im Angriff auf die Schwächeren, Asylanten und Ausländer; keinem Immobilienhai, gleich welcher Nation, wird ein Haar gekrümmt.“ Und bereits ein Jahr später postulierte er

„Das Gute will selektieren, also Minderheiten produzieren. … Es geht um Vereinzelung und nicht um Solidarisierung. Die Tendenz des Kapitalismus ist die Vereinheitlichung, die sich auch auf der Oberfläche der Technisierung abzeichnet und zur Nivellierung führt. Es ist der allgemeine Grundirrtum, dass der Kapitalismus den Individualismus fördert. Das Gegenteil ist der Fall. Der Kommunismus vereinzelt, der Kapitalismus uniformiert.“

Grab von Heiner Müller auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin

Grab von Heiner Müller auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=612946

Religion und Krieg: In Anlehnung an Ronald Pohl (2017) kann man Müllers Haltung mit dem Satz „Solange es Herren und Sklaven gibt, sind wir aus unserem Auftrag nicht entlassen“ auf den Punkt bringen. Freiheit ohne Gleichheit auf der einen Seite, Gleichheit auf Kosten der Freiheit auf der anderen, erkannte er schon 1987. Auch hierzu trefflich Dirk Baecker: „Denn frei, gleich und brüderlich ist es nirgendwo und kann es nirgendwo sein. Die Formel versorgt sich laufend neu mit Anlässen, sie nach wie vor für berechtigt zu halten. Ihrem Blick auf die Wirklichkeit hält keine Wirklichkeit stand.“

Frappierend dabei sind die nach heutigem Verständnis „rechtsextremen“ Ansätze, die Müller bspw. zur Jugend 1992 so formulierte: „Nach der Zerstörung einer Infrastruktur, die wesentlich auf ihre Beruhigung ausgerichtet war, übergangslos in die Freiheit des Marktes entlassen, der sie mehrheitlich ausspuckt, weil er nur an Gegenwart und nicht an Zukunft interessiert sein kann, ist sie jetzt auf die Wildbahn verwiesen.“ Die „Randalierer“ von Rostock und anderen Orten sind für ihn prompt

„die Sturmabteilung der Demokratie, die radikalen Verteidiger der Festung Europa, gerade weil ihnen auf kurze oder lange Sicht nur der Dienstboteneingang offensteht. … Auf der Tagesordnung steht der Krieg um Schwimmwesten und Plätze in den Rettungsbooten, von denen niemand weiß, wo sie noch landen können, außer an kannibalischen Küsten. Mit der Frage, wie man diese Lage seinem Kind erklärt, ist jeder allein.“

Was bleibt? Es wird nie ganz reichen für alle, ganz gleich, wie viel Überfluss vorhanden ist.Das Lebensprinzip des Kapitalismus ist gerade nicht die Befriedigung der sogenannten Bedürfnisse. Es ist ihre auf Dauer gestellte Nichtbefriedigung, die allein die Dynamik der fortgesetzten Wertschöpfung gewährleisten soll. Müllers lakonische Wendungen formulieren keine frohe Botschaft, widersprechen sie doch dem Optimismus eines politisch-ökonomischen Systems, das sich selbst als emanzipatorische Fortschrittsdynamik, den Garanten individueller Freiheit, des friedlichen Tauschhandels und des allgemeinen Wohlstands beschreibt. „Aus der Geschichte lernen heißt das Nichts lernen“ wäre eine Option. Eine andere:

Politik ist das Machbare Ein Männertraum
Aus dem kein Kind schreit In allen Sprachen
Heißt die Zukunft Tod

Und eine dritte, die ich gern entkräften würde: „Es gibt keinen Dialog zwischen Kunst und Politik. Das ist ein Irrsinn, bei dem es nur zu wechselseitigen Beschädigungen kommen kann.“

Titelbild

Titelbild. Quelle: Suhrkamp.de

Herausgegeben und (schlecht) editiert wurde der Band von Helen Müller und Clemens Pornschlegel, Literaturwissenschaftler am Institut für deutsche Philologie der LMU München: manche Texte doppeln sich unkommentiert (was die Lesart “Funktionalisierung” nach sich zieht), die einleitenden Kapita lesen sich oft wie mit dem Holzhammer gezimmert, auf dass der Leser ja unbedingt die Kapitalismuskritik erkennen möge. Betreutes Lesen mag ich aber ebensowenig wie betreutes Denken.

Heiner Müller: „Für alle reicht es nicht.“ Texte zum Kapitalismus. Herausgegeben von Helen Müller, Clemens Pornschlegel und Brigitte Maria Mayer. Edition Suhrkamp 2017. 390 Seiten. 16,50 Euro.

Sänk ju, Karlheinz!

Die Duplizität der Ereignisse mit 24-Stunden-Frist ist ungewollt: einerseits bringt die AfD einen Antrag auf Verfassungsänderung in den Sächsischen Landtag ein, in dem die deutsche Sprache als Kulturgut verankert werden soll. Andererseits verleugnet VW seine Geschichte und Identität, in dem es ab 2021 Englisch als verbindliche Unternehmenssprache mit der Begründung einführen will, attraktiver für internationale Top-Manager zu werden. Warum ist das falsch und muss dringend überdacht werden?

Schlagzeilen vom 15.12.2016

Da Humor ist, wenn man trotzdem lacht, freue ich mich zunächst darüber, dass diese Ankündigung von Personalvorstand Karlheinz Blessing schon mal alle Integrationsbemühungen konterkariert, unseren vielen zugewanderten Fachkräften Deutsch beizubringen. Dann freue ich mich auf „Folk-Car“ oder „People-Wagon“. Und ich freue mich auch, dass amerikanische Ermittler dann die konzerninternen Emails nicht mal mehr übersetzen lassen müssen. Und was sagt eigentlich der Anteilseigner Niedersachsen dazu? Wird demnächst im niedersächsischen Landtag auch Englisch gesprochen?

Spass beiseite: Vorbei die Zeiten, da 2010 die Leser der Zeitschrift „Deutsche Sprachwelt“ eine Porsche AG noch zum „Sprachwahrer des Jahres“ wählten. Unternehmensberater und Angewandte Linguisten erklären ständig, dass der konsequente Einsatz des Deutschen als Unternehmenssprache aus vielen Gründen ein Erfolgsfaktor ist. Deutsch ist detailgenauer: unter ‚error‘ könnte sich Qualitätsmangel, Versehen oder Fehlplanung verbergen. Daneben benachteiligt Englisch automatisch alle, für die es nicht die Muttersprache ist. Gerade in den Entwicklungsabteilungen geht es um Vorstellungskraft, Denkschärfe und um reibungslose Verständigung: der Einfallsreichtum der Ingenieure ist in ihrer Muttersprache am größten. Der Trend zur englischen Sprache ist auch aus Imagegründen eher schädlich, denn ‚Made in Germany‘ ist nach wie vor ein Verkaufsgarant.

Quelle: http://www.absatzwirtschaft.de/wp-content/uploads/2015/10/VW-1-626x352.jpg

Quelle: http://www.absatzwirtschaft.de/wp-content/uploads/2015/10/VW-1-626x352.jpg

Und vor allem entwickelt sich in Firmen im Vergleich zum normalen Englisch meist ein sogenanntes Bad Simple English (BSE) – ein einfacheres, oft fehlerhaftes Englisch, dass die Gefahr von Missverständnissen mit fatalen Folgen birgt. Schneider warnte 2013, dass die Internationalisierung zur Infantilisierung werden könne. Für Kaehlbrandt 2015 ist die Ursache dieser Entwicklung ein Drang nach wirtschaftlicher Effizienz durch kulturelle Vereinheitlichung und Vereinfachung hin zu einer niedrigschwelligen Massengesellschaft. Und dieser Drang führt leider dazu, dass entscheidende gesellschaftliche Bereiche wie Wissenschaft, Politik und eben auch Wirtschaft aus eigener Initiative zunehmend ans Englische abgegeben werden. Die Forderung  von Alexander Graf Lambsdorff (FDP) nach Englisch als weiterer deutscher Amtssprache ist ebenso Indiz wie der Plan des Münchner TU-Präsidenten Wolfgang A. Herrmann, alle Masterstudiengänge auf Englisch umzustellen.

Hinzu tritt, dass viele deutsche Geschäftsleute und Betriebe den Internationalitätsgrad der deutschen Sprache als ausgesprochen gering veranschlagen (vgl. Ammon 2015:427). Als wesentliches Indiz sieht Ammon die – nicht nur wirtschaftskommunikativ beobachtbare – Anbiederung  an den internationalen Konsumenten als „Fremdsprachennachteil“ – eine Perspektive, die also vom prinzipiell „schwächeren“  Deutsch ausgeht, und das ist das eigentlich Tragische jener Sprache, die Goethe, Novalis oder Rilke sprachen…

„Warum in der modernen Warenwirtschaft Anbieter sich sprachlich eher an Abnehmer anpassen als umgekehrt, erklärt sich einerseits aus der Marktstruktur, aufgrund deren sich erstere um letztere mehr bemühen müssen, und andererseits aus den Mühen des Fremdsprachengebrauchs und -erlernens, die der schwächere Kommunikationspartner auf sich nehmen muss, um sie dem stärkeren zu ersparen“ (ebd.:425).

Insgesamt, bilanziert Ammon in seiner lesenswerten, faktenreichen Untersuchung, könnten Unternehmen aus 37 Staaten mit deutschen Unternehmen auf Deutsch korrespondieren (ebd.:433). Diese Zahl habe sich seit 1989 zwar um zehn erhöht, was allerdings ausschließlich auf die Entstehung neuer Staaten in Ost- und Südosteuropa zurückzuführen sei, die früher Teil der UdSSR, Jugoslawiens oder der Tschechoslowakei waren: „In Wirklichkeit ist der Anwendungsbereich von Deutsch eher geschrumpft, da Island, Israel und die Türkei weggefallen sind“ (ebd.). Allerdings rangiert Deutsch damit immer noch auf Platz drei hinter Englisch (137 Staaten) und Französisch (58 Staaten) noch vor Spanisch (28), Russisch (23) und Arabisch (17) (ebd.:438).

Quelle: https://media.holidaycheck.com/data/urlaubsbilder/images/41/1157260125.jpg

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Und diesen Schrumpfungsprozess befeuert nach Daimler, Siemens oder BASF nun auch VW. Daneben fürchte ich, dass es zu einer Trennung zwischen den oberen und unteren Unternehmensebenen kommen wird: nach und nach werden die Motivation der eigenen Mitarbeiter und in der Folge dann auch die Kunden ausbleiben. Es ist zum Haareraufen.

“Kopulieren statt masturbieren – dann klappts auch mit der Demographie”. Mein Talk mit der Vibrator-Innovatorin Julia Ryssel – übrigens eine ledige Mama, die mir am Ende etwas kleinlaut schien – und zwei eher mäßig humorvollen Moderatoren ist ab Minute 41.10 hier (unter dem Button “18.11.”) nachzuhören.

PS: ich habe noch kein Angebot bekommen, wie mir resp. der AfD die kostenlose PR für “Laviu” honoriert wird…

Link

Der Beitrag vom RTL-Nachtjournal ist hier zu finden…

Link

Ich erfuhr soeben, dass Lutz Bachmann öffentlich eine Klarstellung meiner PEGIDA-Aktivitäten forderte; die liefere ich doch gern.

1) Vom 20. Dezember 2014 bis zur Spaltung am 28. Januar 2015 habe ich für PEGIDA die schriftliche Pressearbeit geleistet. Genauer und besser: für (und mit) Katrin Oertel, die als Pressesprecherin des PEGIDA e.V. fungierte, sowie Achim Exner, damals ebenso wie ich Kreisvorstand der AfD Dresden. Dass ich die Pressemitteilungen in diesem Zeitraum verfasst habe, versichere ich gern an Eides Statt – schizophren, dafür jetzt angegriffen zu werden. Als Beispiel eine PM:

PM Bachmann

PM Bachmann

1a) Die ersten zehn PEGIDA-Forderungen waren zehn aus unserem AfD-Landtagswahlprogramm zusammengeschriebene Forderungen.

1b) Pressesprecher werden gewählt, um im Auftrag der sie gewählt Habenden (!) mit der Presse zu sprechen. Anbei drei STERN-Ausrisse, die nicht nur Zitate meiner obigen PM wiedergeben, sondern auch zeigen, dass Bachmann meine PM selbst auf Facebook geteilt hat.

2) Mir waren einige Journalisten auf der Spur, die mir anhand formaler und stilistischer Analysen unterstellten, diese Pressemitteilungen geschrieben zu haben, bzw. mich dazu drängen wollten, das zuzugeben. Ich habe diese Unterstellungen aus Gründen, die heute irrelevant sind, zurückgewiesen. Es folgt die obige PM im Vergleich zu einer meiner Landes-PM:

PM-Vergleich

2a) Ich hatte in meiner Rede am Sonntag Dieter Wonka (LVZ) zitiert, der sogar Siegmar Gabriel instrumentalisierte, um mich zu dieser Zugabe zu drängen.

2b) Wie u.a. dieser “Freie Presse”-Text zeigt, wurde die damalige Annäherung von AfD und Pegida sehr wohl wahrgenommen.

3) Der entscheidende Passus meiner gern auch nachzuhörenden Rede lautete: „Aber auch ein Herr Bachmann wird irgendwann sich klar und eindeutig zur AfD bekennen müssen, wenn er einen Platz in den sächsischen Geschichtsbüchern haben will. Das Leben bestraft nicht nur, wer zu spät kommt, sondern manchmal auch, wer zu spät geht.“

3a) Es gilt also: „Wenn ihr mich wählt, wird Pegida mit im Bundestag sitzen. Sicher nicht die Pegida, die Woche für Woche immer denselben, denselben viel zu langen und denselben redundanten Reden lauscht, dieselben Parolen skandiert und mit Spaziergängen meint, die Politik zu ändern. Nein, es sitzt dann die Pegida im Bundestag, die tatsächlich die Politik ändert, die unser Land ändert, die unser Land dieser poststalinistischen Psychopathin und ihrer durchgeknallten Pseudoelite entreißt und wieder zu unserem Land macht.“

3b) Danke allen Lesern und Followern.

Mein Auftritt auf der Aufstellungsversammlung zur Bundestagswahl des Wahlkreises DD II / BZ II ist hier nachzusehen: Bewerbungsrede als AfD-Direktkandidat zur BTW 2017

Mein Interview kann am Textende auch nachgehört werden: „Auf die Frage, wie geeint seiner Meinung nach Deutschland nach 26 Jahren nun ist, antwortete Thomas Hartung: „Das, was uns heute als Einheit verkauft wird, war ja letztendlich ein Beitritt, den die letzte DDR-Volkskammer nicht einstimmig beschlossen hat. Und genau diese Art der Aufarbeitung, die danach hätte stattfinden müssen, die von sehr vielen Intellektuellen auch angemahnt wurde, hat einfach noch nicht stattgefunden.“ Diese fehlende Aufarbeitung schlage nun zurück.“

Da war ich heute mal im Elbland stoppeln und habe gebackenen Blumenkohl gezaubert. Dem Minimalismus in Rezept und Aufwand steht ein Maximalismus an Genuß gegenüber. Den Kohl halbieren, den Strunk entfernen, die Hälften von allen Seiten sowie auch das Backblech mit Öl bepinseln, dann Salz, Pfeffer, Muskat und Zitronensaft darüber geben, je ein halbes Lorbeerblatt unter die Röschen stecken und schließlich 45 min bei 200 Grad im unteren Drittel des Ofens backen.

Blumenkohl vorher / nachher

Blumenkohl vorher / nachher

Grandioser Hauptgang, Beilagen finde ich nicht nötig. Ebenso kann man übrigens auch den Sellerie zubereiten.

Ausschnitt aus meinem Vortrag zur AfD-Bildungsprogrammatik nach dem Stuttgarter Parteitag am 18. August in Zwickau. Auch wenn über manche Beispiele gelacht werden konnte – eigentlich ist es nur noch zum Davonlaufen…

Da gerade etwas beim Server nicht funktioniert, hier nur als Link; die Einbettung folgt später!

Für alle Interessenten: das war mein Editorial aus dem ASA Nr. 20/2016 (Juni).

Wir müssen über unseren Umgang mit Pegida nachdenken. Auf einem Stammtisch in Dresden forderten jüngst 51 von 63 anwesenden Mitgliedern, dass der Kreisvorstand die Bundesvorstandsampfehlung dazu zurückweisen und den Bundesvorstand zum gemeinsamen Gespräch nach Dresden einladen soll, um sich ein Bild von Pegida und dem KV Dresden zu machen. Abgesehen von dem Fakt, dass zu unserem letzten Kreisparteitag die Anwesenden gerade mal an der „30“ kratzten: diese Zurückweisung halte ich aus folgenden Gründen für falsch.

1. Pegida starb langsam vor sich hin, HT. Tillschneider in Dresden (der damit unseren Landesvorstand und die Bundesvorsitzende gleichermaßen düpierte) und S. Däbritz in Erfurt wirkten wie ein Defibrillator. Diese Aufwertung eines heillos zerstrittenen und für mich politikunfähigen Haufens hatten wir gar nicht nötig. Selbst Werner Patzelt hat dem Orgateam in seinem jüngsten Buch fehlende politische Führungsfähigkeiten bescheinigt: die Bewegung sei „von politisch nicht sonderlich begabten Anführern in eine Sackgasse geführt worden“. Wir marschierten also von Anbeginn getrennt, aber in der Hauptsache vereint. Warum sollten wir das ohne Not anderthalb Jahre vor der Bundestagswahl ändern? Es sei denn, man lebt in einer Parallelwelt, in der als veritable Politik gilt, monatelang einmal wöchentlich mehr oder weniger gehaltvolle Reden zu halten und durch eine Stadt zu spazieren ‐ übrigens monatelang auch ich; die Beweggründe sind hier unter dem Datum „17. Dezember 2014“ nachzulesen.

2. Politik ist selten eindimensional. Im Falle von Pegida gehören die Ebenen von Sach‐, Personal‐ und Parteipolitik dazu. Laut BuVo‐Beschluss sollen AfD-Mitglieder weder als Redner noch mit Parteisymbolen bei PEGIDA‐Veranstaltungen auftreten. Wer in diesen Satz ein Demoverbot von AfD‐Mitgliedern, gar eine inhaltliche Distanzierung von den PEGIDA‐Forderungen hinein interpretiert, will das interpretieren – es steht aber nicht da! Zur Erinnerung: nicht nur aufgrund der Mitgliedschaft des Dresdner Kreisvorstands Achim Exner waren PEGIDA‐Forderungen immer und von Anbeginn AfD‐Forderungen. Die zuletzt 19 Pegida‐Forderungen, wie im „Offenen Brief“ der Dresdner beklagt, standen nie zur Debatte. Es geht also nicht um Sachpolitik, sondern um Personalpolitik, denn was teilweise Festerling oder gar „der Franzose“ in verschiedenen Reden äußerten, zumal gegen die AfD, war mehr als grenzwertig. Von der Gegenkandidatur zu Stefan Vogel sowie den Phantastereien einer eigenen Partei, die die AfD „kontrollieren“ (!) wollte und jetzt gegründet werden soll, schweige ich; und Bachmanns Ego nebst seiner Zerstrittenheit mit seinen Vereinsmitgliedern und seinem Umgang mit Spenden ist auch kein Grund, aktiv den Kontakt mit einer Trümmertruppe zu suchen. Es sei denn, man lebt in einer Parallelwelt, in der ein kurzzeitiger Besitzer eines Balles wichtiger ist als Mannschaft, Spiel und Stadion.

3. Zur Personalpolitik gehört andererseits klar zu machen: die AfD ist eine Partei, bestehend aus 16 Landesverbänden. Die haben alle partikulare Interessen, klar, erst recht die einzelnen Landesfürsten, aber die politische Richtung muss stimmen. Und unsere heißt jetzt vor allem: Bundestagseinzug vorbereiten; das sah übrigens auch der Landesvorstand diese Woche so. Die Wahlen nächstes Jahr werden aber weder in Dresden noch Sachsen noch Mitteldeutschland entschieden. Also muss A. Poggenburg (der übrigens vom Ausflug seines Abgeordneten und Landesvorstands gar nichts wusste) und B. Höcke klar gemacht werden: es gibt neben euch noch 14 andere Landesverbände, also lasst eure Alleingänge. Es sei denn, man lebt in einer Parallelwelt, in der Teile des KV Dresden gemeinsam mit den Landesverbänden TH und SA die AfD bilden.

4. An dieser Stelle der Personal‐ spielt auch erstmals die Parteipolitik hinein. Bundestagseinzug sichern heißt Nichtwähler gewinnen und Wähler anderer Parteien umstimmen. Und hier brauchen wir nicht die Ränder, die uns sowieso wählen (Pegida zähle ich dazu), sondern die viel größere Gruppe der Unentschlossenen, die aufgrund fehlender und/oder Desinformation Pegida skeptisch gegenüberstehen – und die sich vor allem in den alten Ländern finden. Um die nicht zu verprellen, gehört ein bestimmtes Maß an Symbolpolitik dazu – der Beschluss ist ebenda einzuordnen. Übrigens genauso wie Marcus Pretzells Ausruf „Wir sind Pegida‐Partei“ in Essen. Dass Symbolpolitik ein Instrument der Konsensparteien in der Mediengesellschaft ist: geschenkt, wir leben alle in derselben Gesellschaft. Dass man damit einer bestimmten Zahl an Dresdner/sächsischen Mitgliedern gelinde geschrieben „vor den Koffer scheißt“, halte ich für völlig normal: allen Menschen recht getan ist eine Kunst, die niemand kann. Diesen politischen Weitblick unterstelle ich unserem Dresdner Kreisverband, und ich hoffe nicht, einem Trugschluss zu unterliegen. Die Wahlen werden im Westen gewonnen! Allein in NRW gibt es mit 13,8 Mio. mehr Wahlberechtigte als in den fünf NBL zusammen (11 Mio.). Eine Wahlbeteiligung von 100% unterstellt: Geben uns in Sachsen 10 % ihre Stimme, haben wir 340 000; tun das ebenso viele in NRW, haben wir 1.380 000. Selbst wenn uns in allen NBL 10 % wählen, sind das immer noch weniger als allein in NRW! Es sei denn, man lebt in einer Parallelwelt, in der in Sachsen 13,8 Mio. Wahlberechtigte leben und in NRW 3,4 Mio.

5. Zur Parteipolitik gehört aber neben der politischen auch die strukturelle Geschlossenheit (siehe Landesverbände). Basisdemokratie hat für mich nichts mit Anarchie zu tun. Wenn jetzt aber ein Kreisverband aufgrund minderheitlich empfundener basisdemokratischer Defizite des Bundes im Umgang mit Pegida Sonderparteitage, Resolutionen und ähnliche Dinge gegen Berlin ins Spiel bringt, können wir einpacken. Das schwächt nicht nur unsere Landesvorsitzende, ja zerstört sie auf Bundesebene (wenn die Dresdner Basisdemokraten ein wie auch immer geartetes „Zeichen“ wofür oder wogegen auch immer setzen wollten: das war der „Offene Brief“ in jedem Fall), sondern sendet Spaltungssignale und erfreut die Medien. Und das kann nicht das Ziel des größten sächsischen Kreisverbandes sein. Es sei denn, man lebt in einer Parallelwelt, in der Höcke und Poggenburg die sächsischen bzw. Bundesvorsitzenden sind und HT. Tillschneider Fraktionsmitglied in Sachsen.

Aber vielleicht lebe ja ich in der Parallelwelt?

Mein Resümee zu meinem Kurztrip nach Breslau, das ich seit 12 Jahren mal wieder besuchte und wo ich das Angenehme sowohl mit dem Nützlichen als auch dem Politischen verband:

- es wird gefühlt doppelt so viel gebaut wie in Dresden. Dabei setzt die Stadt konsequent auf Tunnellösungen für Fußgänger/Radfahrer an großen Kreuzungen (was Dresden vor Jahrzehnten auch mal machte). Verkehrssicherheit und Verkehrsentlastung sind spürbar.

- die Anzugsordnung für Frauen bis 30 lautet: schwarze Strumpfhosen/Leggings, darüber einen schwarzen/pinken/roten/violetten Minirock. Diese Anzugsordnung gilt im öffentlichen Verkehr unabhängig von Alter und Beruf der Trägerin (als Staatsbahn-Angestellte ebenso wie als Studentin) und erst recht unabhängig vom Aussehen der Frau und/oder ihrer Beine, was ebenso ergötzliche wie schockierende Anblicke nach sich zieht.

- Polizei und Sicherheitskräfte sind präsent; in jeder Etage eines Einkaufszentrums („Galeria“) streift mindestens ein Wachmann. Andersfarbige Ausländer sind außer an den Hochschulen nicht wahrnehmbar. Es ist schizophren, dass ich mich in einem fremden Land sicherer fühle als im eignen.

- der gegrillte Karpaten-Quietschkäse schmeckt immer noch genial, ebenso wie Pirogen, Rote-Beete-Suppe und Krautwickel.

- An der Uni gibt es in jedem (!) Gebäude neben dem obligaten Pförtner eine kostenlose Garderobe mit Garderobenfrau! Die barocke Aula Leopoldina, erst recht die altehrwürdigen Seminarräume (teilw. 1638) lassen genau jenen Geist der „Sieben Freien Künste“ atmen, die viele heutige „Professoren“ gar nicht mehr kennen. Und die Germanistik hat dort mehr mit Linguistik zu tun als viele pseudolinguistischen Subjektivisten, die von ihrer Forschungsfacette zu keiner Gesamtschau mehr gelangen.

Aula Leopoldina

- Die „Galerianki“, die ich zu den Cottbusser „Tagen des Osteuropäischen Films“ in einem traurig-schockierenden Streifen vor Jahren kennen lernte, gibts es noch immer. Das sind teilweise minderjährige Mädchen, die sich von (älteren) Männern zum Shopping einladen lassen und dafür dann mit Sex bezahlen. Liebe als Ware, während die wahre Liebe verliert und selbstverschuldet stirbt – das Szenario ist nachvollziehbar. Dabei erscheinen sächsische Galerien wie der „Elbepark“ als Baby, die Breslauer „Galerie Dominikańska“ als KiTa-Kind und die Berliner „Alexa“ als Teenager gegenüber den Galerien bspw. in Dubai. Dabei schockierte mich anfangs und ärgerte mich später, dass diese Einkaufszentren bis auf den Namen der Supermärkte sich kaum bis gar nicht von deutschen unterscheiden: von Mister Minute über C&A bis Saturn  ist alles zu finden, was ich sowieso schon kenne. Das empfinde ich als beleidigend, gleichmacherisch, seelenlos. Welch ein Glück, daneben noch kleine Piekarnias oder Kioske zu finden, in denen man ohne Ärger sich individuell bedient und als Person und nicht als Kunde ernstgenommen fühlen kann.

- die Stadt ist nicht nur sehr sauber, sie ist auch jung, und die Menschen sind dabei werthaltiger.
+ Studenten kommen in den Zug, grüßen und fragen, ob sie sich setzen dürfen. Und dann holen sie tatsächlich Schnellhefter mit handschriftlichen Aufzeichnungen heraus und fragen sich ab.
+ Es gibt viel Grün und viele Spiel/Sportplätze. Viele Kinder darauf, die bolzen, sich balgen, Roller fahren, schaukeln, Basketball probieren… und nicht eins hat ein Handy in der Hand (es scheint mir eine internationale Regel zu sein, dass einsetzende Pubertät und Handynutzung hoch korrelieren, zumal bei Mädchen).

- der Bürokratieauswuchs ist in Polen immer noch spürbar: für die „grenzüberschreitende“ Fahrt zwischen Görlitz und Zgorzelec wird eine Null-Cent-Fahrkarte mit Kontrollabschnitt verteilt – als „Spezialangebot“.

Spezialangebot

- Das heutige Niederschlesische Woiwodschaftsamt befindet sich im von Feliks Bräuler entworfenen, 1945 provisorisch eingeweihten Gebäude von Gauleiter Karl Hanke – man stelle sich diese „Geschichtsvergessenheit“ sächsisch vor… Überhaupt: Geschichte – die ist sehr präsent, nicht nur die deutsche, auch die von Solidarnosc und dem bürgerlichen Widerstand. Der Gründer der Kukis-Partei (der sogar eine eigene Zeitung herausgibt) hält in seiner Kneipe (www.konspira.org/) dieses Andenken hoch.

- Neben Apotheken finden sich auffallend häufig Bestattungsinsitute… (überdies mit so klangvollen Namen wie „Gloria“).

- Sowohl das sächsich-schlesische Verbindungsbüro als auch die deutsche evangelische Gemeinde mit einem sehr royalistischen Pastor ;-) berichten von Wanderungsbewegungen privater UND unternehmerischer Art aus Sachsen hin nach Schlesien. Eine der Begründungen ist die Sicherheitslage.

- Der Bahnhofsgong vor den Ansagen bescherte mir ein Dejavu: es war der „Sanostol“-Dreiklang.

- die Polinnen sind wunderschöne Frauen, die ihre Augen oft und wetterunabhängig hinter pseudostylischen Sonnenbrillen verbergen.

- Polen lebt in wesentlichen Teilen analog. Zwar sieht es auf den Dörfern entlang der Bahnstrecke teilweise so aus wie in der DDR 1988. Aber man hat das Gefühl, wieder im ständigen Improvisationsmodus zu sein, der ebenso herausfordert wie Lust auf ein Ankommen in einer besseren Zukunft weckt. In Deutschland empfinde ich das Gegenteil: ein unperfektes Angekommensein, von dem aus es nur noch abwärts geht.

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