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Herzlich willkommen!

Als Dozent informiere ich Sie auf meiner Webpräsenz über meine Aktivitäten rings um die hochschulische Ausbildung angehender Medienmacher.

Als Mensch lasse ich Sie gern an meinen freizeitlichen Aktivitäten teilhaben, zu denen nicht zuletzt Kochen gehört ;-)

Als Bildungsbürger kommentiere/rezensiere ich außerdem vielerlei kulturelle Phänomene – vom Roman über den Musikergeburtstag bis zum Regisseurstod.

Und als (Ex-)Journalist blogge ich daneben unregelmäßig Betrachtungen zu Interessantem und Wissenswertem nicht nur aus der Welt der Medien.

Warum gerade Betrachtungen?

Ich empfinde dieses Genre – eine Meinungsdarstellungsform übrigens – als eins der zeitgemäßen schlechthin.

Eine Betrachtung soll durch Beschreibungen und Schilderungen, Vergleiche und Annäherungen bis hin zur Analyse einem Ereignis, einer Situation, einem Gegenstand oder auch einem (gesellschafts-) politischen Problem Individualität verleihen: Recherche darf in gewissem Maße substitutiert werden durch Subjektivität.

Die Betrachtung ist durchaus mit derselben eines Kunstwerks in einer Ausstellung vergleichbar: man wählt zunächst die Gesamtschau und wechselt dann zu einzelnen Aspekten.

Dabei ist dem Genre eigen, dass die Prioritäten dieser Aspekte oft im Vagen bleiben: aus der Betrachtung erwächst ein Gedanke, der das formale Ziel darstellt.

Der Gegenstand darf dabei Randerscheinung eines größeren Zusammenhangs bleiben: “die Bedeutung des Unbeachteten birgt den Kern ihrer Aussage” (Degen 2004).

Viel Spass beim Lesen – und natürlich beim Kommentieren!

Wie Dildo-DUlitg

“Kopulieren statt masturbieren – dann klappts auch mit der Demographie”. Mein Talk mit der Vibrator-Innovatorin Julia Ryssel – übrigens eine ledige Mama, die mir am Ende etwas kleinlaut schien – und zwei eher mäßig humorvollen Moderatoren ist ab Minute 41.10 hier (unter dem Button “18.11.”) nachzuhören.

PS: ich habe noch kein Angebot bekommen, wie mir resp. der AfD die kostenlose PR für “Laviu” honoriert wird…

Link

Der Beitrag vom RTL-Nachtjournal ist hier zu finden…

Link

Ich erfuhr soeben, dass Lutz Bachmann öffentlich eine Klarstellung meiner PEGIDA-Aktivitäten forderte; die liefere ich doch gern.

1) Vom 20. Dezember 2014 bis zur Spaltung am 28. Januar 2015 habe ich für PEGIDA die schriftliche Pressearbeit geleistet. Genauer und besser: für (und mit) Katrin Oertel, die als Pressesprecherin des PEGIDA e.V. fungierte, sowie Achim Exner, damals ebenso wie ich Kreisvorstand der AfD Dresden. Dass ich die Pressemitteilungen in diesem Zeitraum verfasst habe, versichere ich gern an Eides Statt – schizophren, dafür jetzt angegriffen zu werden. Als Beispiel eine PM:

PM Bachmann

PM Bachmann

1a) Die ersten zehn PEGIDA-Forderungen waren zehn aus unserem AfD-Landtagswahlprogramm zusammengeschriebene Forderungen.

1b) Pressesprecher werden gewählt, um im Auftrag der sie gewählt Habenden (!) mit der Presse zu sprechen. Anbei drei STERN-Ausrisse, die nicht nur Zitate meiner obigen PM wiedergeben, sondern auch zeigen, dass Bachmann meine PM selbst auf Facebook geteilt hat.

2) Mir waren einige Journalisten auf der Spur, die mir anhand formaler und stilistischer Analysen unterstellten, diese Pressemitteilungen geschrieben zu haben, bzw. mich dazu drängen wollten, das zuzugeben. Ich habe diese Unterstellungen aus Gründen, die heute irrelevant sind, zurückgewiesen. Es folgt die obige PM im Vergleich zu einer meiner Landes-PM:

PM-Vergleich

2a) Ich hatte in meiner Rede am Sonntag Dieter Wonka (LVZ) zitiert, der sogar Siegmar Gabriel instrumentalisierte, um mich zu dieser Zugabe zu drängen.

2b) Wie u.a. dieser “Freie Presse”-Text zeigt, wurde die damalige Annäherung von AfD und Pegida sehr wohl wahrgenommen.

3) Der entscheidende Passus meiner gern auch nachzuhörenden Rede lautete: „Aber auch ein Herr Bachmann wird irgendwann sich klar und eindeutig zur AfD bekennen müssen, wenn er einen Platz in den sächsischen Geschichtsbüchern haben will. Das Leben bestraft nicht nur, wer zu spät kommt, sondern manchmal auch, wer zu spät geht.“

3a) Es gilt also: „Wenn ihr mich wählt, wird Pegida mit im Bundestag sitzen. Sicher nicht die Pegida, die Woche für Woche immer denselben, denselben viel zu langen und denselben redundanten Reden lauscht, dieselben Parolen skandiert und mit Spaziergängen meint, die Politik zu ändern. Nein, es sitzt dann die Pegida im Bundestag, die tatsächlich die Politik ändert, die unser Land ändert, die unser Land dieser poststalinistischen Psychopathin und ihrer durchgeknallten Pseudoelite entreißt und wieder zu unserem Land macht.“

3b) Danke allen Lesern und Followern.

Mein Auftritt auf der Aufstellungsversammlung zur Bundestagswahl des Wahlkreises DD II / BZ II ist hier nachzusehen: Bewerbungsrede als AfD-Direktkandidat zur BTW 2017

Mein Interview kann am Textende auch nachgehört werden: „Auf die Frage, wie geeint seiner Meinung nach Deutschland nach 26 Jahren nun ist, antwortete Thomas Hartung: „Das, was uns heute als Einheit verkauft wird, war ja letztendlich ein Beitritt, den die letzte DDR-Volkskammer nicht einstimmig beschlossen hat. Und genau diese Art der Aufarbeitung, die danach hätte stattfinden müssen, die von sehr vielen Intellektuellen auch angemahnt wurde, hat einfach noch nicht stattgefunden.“ Diese fehlende Aufarbeitung schlage nun zurück.“

Da war ich heute mal im Elbland stoppeln und habe gebackenen Blumenkohl gezaubert. Dem Minimalismus in Rezept und Aufwand steht ein Maximalismus an Genuß gegenüber. Den Kohl halbieren, den Strunk entfernen, die Hälften von allen Seiten sowie auch das Backblech mit Öl bepinseln, dann Salz, Pfeffer, Muskat und Zitronensaft darüber geben, je ein halbes Lorbeerblatt unter die Röschen stecken und schließlich 45 min bei 200 Grad im unteren Drittel des Ofens backen.

Blumenkohl vorher / nachher

Blumenkohl vorher / nachher

Grandioser Hauptgang, Beilagen finde ich nicht nötig. Ebenso kann man übrigens auch den Sellerie zubereiten.

Ausschnitt aus meinem Vortrag zur AfD-Bildungsprogrammatik nach dem Stuttgarter Parteitag am 18. August in Zwickau. Auch wenn über manche Beispiele gelacht werden konnte – eigentlich ist es nur noch zum Davonlaufen…

Da gerade etwas beim Server nicht funktioniert, hier nur als Link; die Einbettung folgt später!

Für alle Interessenten: das war mein Editorial aus dem ASA Nr. 20/2016 (Juni).

Wir müssen über unseren Umgang mit Pegida nachdenken. Auf einem Stammtisch in Dresden forderten jüngst 51 von 63 anwesenden Mitgliedern, dass der Kreisvorstand die Bundesvorstandsampfehlung dazu zurückweisen und den Bundesvorstand zum gemeinsamen Gespräch nach Dresden einladen soll, um sich ein Bild von Pegida und dem KV Dresden zu machen. Abgesehen von dem Fakt, dass zu unserem letzten Kreisparteitag die Anwesenden gerade mal an der „30“ kratzten: diese Zurückweisung halte ich aus folgenden Gründen für falsch.

1. Pegida starb langsam vor sich hin, HT. Tillschneider in Dresden (der damit unseren Landesvorstand und die Bundesvorsitzende gleichermaßen düpierte) und S. Däbritz in Erfurt wirkten wie ein Defibrillator. Diese Aufwertung eines heillos zerstrittenen und für mich politikunfähigen Haufens hatten wir gar nicht nötig. Selbst Werner Patzelt hat dem Orgateam in seinem jüngsten Buch fehlende politische Führungsfähigkeiten bescheinigt: die Bewegung sei „von politisch nicht sonderlich begabten Anführern in eine Sackgasse geführt worden“. Wir marschierten also von Anbeginn getrennt, aber in der Hauptsache vereint. Warum sollten wir das ohne Not anderthalb Jahre vor der Bundestagswahl ändern? Es sei denn, man lebt in einer Parallelwelt, in der als veritable Politik gilt, monatelang einmal wöchentlich mehr oder weniger gehaltvolle Reden zu halten und durch eine Stadt zu spazieren ‐ übrigens monatelang auch ich; die Beweggründe sind hier unter dem Datum „17. Dezember 2014“ nachzulesen.

2. Politik ist selten eindimensional. Im Falle von Pegida gehören die Ebenen von Sach‐, Personal‐ und Parteipolitik dazu. Laut BuVo‐Beschluss sollen AfD-Mitglieder weder als Redner noch mit Parteisymbolen bei PEGIDA‐Veranstaltungen auftreten. Wer in diesen Satz ein Demoverbot von AfD‐Mitgliedern, gar eine inhaltliche Distanzierung von den PEGIDA‐Forderungen hinein interpretiert, will das interpretieren – es steht aber nicht da! Zur Erinnerung: nicht nur aufgrund der Mitgliedschaft des Dresdner Kreisvorstands Achim Exner waren PEGIDA‐Forderungen immer und von Anbeginn AfD‐Forderungen. Die zuletzt 19 Pegida‐Forderungen, wie im „Offenen Brief“ der Dresdner beklagt, standen nie zur Debatte. Es geht also nicht um Sachpolitik, sondern um Personalpolitik, denn was teilweise Festerling oder gar „der Franzose“ in verschiedenen Reden äußerten, zumal gegen die AfD, war mehr als grenzwertig. Von der Gegenkandidatur zu Stefan Vogel sowie den Phantastereien einer eigenen Partei, die die AfD „kontrollieren“ (!) wollte und jetzt gegründet werden soll, schweige ich; und Bachmanns Ego nebst seiner Zerstrittenheit mit seinen Vereinsmitgliedern und seinem Umgang mit Spenden ist auch kein Grund, aktiv den Kontakt mit einer Trümmertruppe zu suchen. Es sei denn, man lebt in einer Parallelwelt, in der ein kurzzeitiger Besitzer eines Balles wichtiger ist als Mannschaft, Spiel und Stadion.

3. Zur Personalpolitik gehört andererseits klar zu machen: die AfD ist eine Partei, bestehend aus 16 Landesverbänden. Die haben alle partikulare Interessen, klar, erst recht die einzelnen Landesfürsten, aber die politische Richtung muss stimmen. Und unsere heißt jetzt vor allem: Bundestagseinzug vorbereiten; das sah übrigens auch der Landesvorstand diese Woche so. Die Wahlen nächstes Jahr werden aber weder in Dresden noch Sachsen noch Mitteldeutschland entschieden. Also muss A. Poggenburg (der übrigens vom Ausflug seines Abgeordneten und Landesvorstands gar nichts wusste) und B. Höcke klar gemacht werden: es gibt neben euch noch 14 andere Landesverbände, also lasst eure Alleingänge. Es sei denn, man lebt in einer Parallelwelt, in der Teile des KV Dresden gemeinsam mit den Landesverbänden TH und SA die AfD bilden.

4. An dieser Stelle der Personal‐ spielt auch erstmals die Parteipolitik hinein. Bundestagseinzug sichern heißt Nichtwähler gewinnen und Wähler anderer Parteien umstimmen. Und hier brauchen wir nicht die Ränder, die uns sowieso wählen (Pegida zähle ich dazu), sondern die viel größere Gruppe der Unentschlossenen, die aufgrund fehlender und/oder Desinformation Pegida skeptisch gegenüberstehen – und die sich vor allem in den alten Ländern finden. Um die nicht zu verprellen, gehört ein bestimmtes Maß an Symbolpolitik dazu – der Beschluss ist ebenda einzuordnen. Übrigens genauso wie Marcus Pretzells Ausruf „Wir sind Pegida‐Partei“ in Essen. Dass Symbolpolitik ein Instrument der Konsensparteien in der Mediengesellschaft ist: geschenkt, wir leben alle in derselben Gesellschaft. Dass man damit einer bestimmten Zahl an Dresdner/sächsischen Mitgliedern gelinde geschrieben „vor den Koffer scheißt“, halte ich für völlig normal: allen Menschen recht getan ist eine Kunst, die niemand kann. Diesen politischen Weitblick unterstelle ich unserem Dresdner Kreisverband, und ich hoffe nicht, einem Trugschluss zu unterliegen. Die Wahlen werden im Westen gewonnen! Allein in NRW gibt es mit 13,8 Mio. mehr Wahlberechtigte als in den fünf NBL zusammen (11 Mio.). Eine Wahlbeteiligung von 100% unterstellt: Geben uns in Sachsen 10 % ihre Stimme, haben wir 340 000; tun das ebenso viele in NRW, haben wir 1.380 000. Selbst wenn uns in allen NBL 10 % wählen, sind das immer noch weniger als allein in NRW! Es sei denn, man lebt in einer Parallelwelt, in der in Sachsen 13,8 Mio. Wahlberechtigte leben und in NRW 3,4 Mio.

5. Zur Parteipolitik gehört aber neben der politischen auch die strukturelle Geschlossenheit (siehe Landesverbände). Basisdemokratie hat für mich nichts mit Anarchie zu tun. Wenn jetzt aber ein Kreisverband aufgrund minderheitlich empfundener basisdemokratischer Defizite des Bundes im Umgang mit Pegida Sonderparteitage, Resolutionen und ähnliche Dinge gegen Berlin ins Spiel bringt, können wir einpacken. Das schwächt nicht nur unsere Landesvorsitzende, ja zerstört sie auf Bundesebene (wenn die Dresdner Basisdemokraten ein wie auch immer geartetes „Zeichen“ wofür oder wogegen auch immer setzen wollten: das war der „Offene Brief“ in jedem Fall), sondern sendet Spaltungssignale und erfreut die Medien. Und das kann nicht das Ziel des größten sächsischen Kreisverbandes sein. Es sei denn, man lebt in einer Parallelwelt, in der Höcke und Poggenburg die sächsischen bzw. Bundesvorsitzenden sind und HT. Tillschneider Fraktionsmitglied in Sachsen.

Aber vielleicht lebe ja ich in der Parallelwelt?

Mein Resümee zu meinem Kurztrip nach Breslau, das ich seit 12 Jahren mal wieder besuchte und wo ich das Angenehme sowohl mit dem Nützlichen als auch dem Politischen verband:

- es wird gefühlt doppelt so viel gebaut wie in Dresden. Dabei setzt die Stadt konsequent auf Tunnellösungen für Fußgänger/Radfahrer an großen Kreuzungen (was Dresden vor Jahrzehnten auch mal machte). Verkehrssicherheit und Verkehrsentlastung sind spürbar.

- die Anzugsordnung für Frauen bis 30 lautet: schwarze Strumpfhosen/Leggings, darüber einen schwarzen/pinken/roten/violetten Minirock. Diese Anzugsordnung gilt im öffentlichen Verkehr unabhängig von Alter und Beruf der Trägerin (als Staatsbahn-Angestellte ebenso wie als Studentin) und erst recht unabhängig vom Aussehen der Frau und/oder ihrer Beine, was ebenso ergötzliche wie schockierende Anblicke nach sich zieht.

- Polizei und Sicherheitskräfte sind präsent; in jeder Etage eines Einkaufszentrums („Galeria“) streift mindestens ein Wachmann. Andersfarbige Ausländer sind außer an den Hochschulen nicht wahrnehmbar. Es ist schizophren, dass ich mich in einem fremden Land sicherer fühle als im eignen.

- der gegrillte Karpaten-Quietschkäse schmeckt immer noch genial, ebenso wie Pirogen, Rote-Beete-Suppe und Krautwickel.

- An der Uni gibt es in jedem (!) Gebäude neben dem obligaten Pförtner eine kostenlose Garderobe mit Garderobenfrau! Die barocke Aula Leopoldina, erst recht die altehrwürdigen Seminarräume (teilw. 1638) lassen genau jenen Geist der „Sieben Freien Künste“ atmen, die viele heutige „Professoren“ gar nicht mehr kennen. Und die Germanistik hat dort mehr mit Linguistik zu tun als viele pseudolinguistischen Subjektivisten, die von ihrer Forschungsfacette zu keiner Gesamtschau mehr gelangen.

Aula Leopoldina

- Die „Galerianki“, die ich zu den Cottbusser „Tagen des Osteuropäischen Films“ in einem traurig-schockierenden Streifen vor Jahren kennen lernte, gibts es noch immer. Das sind teilweise minderjährige Mädchen, die sich von (älteren) Männern zum Shopping einladen lassen und dafür dann mit Sex bezahlen. Liebe als Ware, während die wahre Liebe verliert und selbstverschuldet stirbt – das Szenario ist nachvollziehbar. Dabei erscheinen sächsische Galerien wie der „Elbepark“ als Baby, die Breslauer „Galerie Dominikańska“ als KiTa-Kind und die Berliner „Alexa“ als Teenager gegenüber den Galerien bspw. in Dubai. Dabei schockierte mich anfangs und ärgerte mich später, dass diese Einkaufszentren bis auf den Namen der Supermärkte sich kaum bis gar nicht von deutschen unterscheiden: von Mister Minute über C&A bis Saturn  ist alles zu finden, was ich sowieso schon kenne. Das empfinde ich als beleidigend, gleichmacherisch, seelenlos. Welch ein Glück, daneben noch kleine Piekarnias oder Kioske zu finden, in denen man ohne Ärger sich individuell bedient und als Person und nicht als Kunde ernstgenommen fühlen kann.

- die Stadt ist nicht nur sehr sauber, sie ist auch jung, und die Menschen sind dabei werthaltiger.
+ Studenten kommen in den Zug, grüßen und fragen, ob sie sich setzen dürfen. Und dann holen sie tatsächlich Schnellhefter mit handschriftlichen Aufzeichnungen heraus und fragen sich ab.
+ Es gibt viel Grün und viele Spiel/Sportplätze. Viele Kinder darauf, die bolzen, sich balgen, Roller fahren, schaukeln, Basketball probieren… und nicht eins hat ein Handy in der Hand (es scheint mir eine internationale Regel zu sein, dass einsetzende Pubertät und Handynutzung hoch korrelieren, zumal bei Mädchen).

- der Bürokratieauswuchs ist in Polen immer noch spürbar: für die „grenzüberschreitende“ Fahrt zwischen Görlitz und Zgorzelec wird eine Null-Cent-Fahrkarte mit Kontrollabschnitt verteilt – als „Spezialangebot“.

Spezialangebot

- Das heutige Niederschlesische Woiwodschaftsamt befindet sich im von Feliks Bräuler entworfenen, 1945 provisorisch eingeweihten Gebäude von Gauleiter Karl Hanke – man stelle sich diese „Geschichtsvergessenheit“ sächsisch vor… Überhaupt: Geschichte – die ist sehr präsent, nicht nur die deutsche, auch die von Solidarnosc und dem bürgerlichen Widerstand. Der Gründer der Kukis-Partei (der sogar eine eigene Zeitung herausgibt) hält in seiner Kneipe (www.konspira.org/) dieses Andenken hoch.

- Neben Apotheken finden sich auffallend häufig Bestattungsinsitute… (überdies mit so klangvollen Namen wie „Gloria“).

- Sowohl das sächsich-schlesische Verbindungsbüro als auch die deutsche evangelische Gemeinde mit einem sehr royalistischen Pastor ;-) berichten von Wanderungsbewegungen privater UND unternehmerischer Art aus Sachsen hin nach Schlesien. Eine der Begründungen ist die Sicherheitslage.

- Der Bahnhofsgong vor den Ansagen bescherte mir ein Dejavu: es war der „Sanostol“-Dreiklang.

- die Polinnen sind wunderschöne Frauen, die ihre Augen oft und wetterunabhängig hinter pseudostylischen Sonnenbrillen verbergen.

- Polen lebt in wesentlichen Teilen analog. Zwar sieht es auf den Dörfern entlang der Bahnstrecke teilweise so aus wie in der DDR 1988. Aber man hat das Gefühl, wieder im ständigen Improvisationsmodus zu sein, der ebenso herausfordert wie Lust auf ein Ankommen in einer besseren Zukunft weckt. In Deutschland empfinde ich das Gegenteil: ein unperfektes Angekommensein, von dem aus es nur noch abwärts geht.

„Nun, Fräulein Rösler, das ist alles lange her. Und es interessiert keinen mehr. Ich bin ein alter Mann, und meine Welt ist längst versunken. Das ist vorbei, mein Fräulein. Vergangenheit. Abgeschlossenes Präteritum. Das war in der anderen Zeit. Verlassen Sie sich nicht auf die Erinnerungen alter Männer. Mit unseren Erinnerungen versuchen wir ein missglücktes Leben zu korrigieren, nur darum erinnern wir uns. Es sind die Erinnerungen, mit denen wir uns gegen Ende des Lebens beruhigen. Es sind diese fatalen Erinnerungen, die es uns schließlich erlauben, Frieden mit uns selbst zu schließen.“

Wie kann man leben, wenn einen mehrfach der Tod verfolgt? Der Tod nicht nur der Frau, des Kindes, die ja als Fremde ins eigene Leben traten; der Tod fremder Arbeiter, fremder Soldaten…; sondern vor allem der Tod des Vaters – der ja das eigene Leben verschuldete? Verschuldete? Schuld – ein Wort, dessen familiale Semantik gerade in politisch-ideologischen Zusammenhängen eine völlig neue Bedeutung erhält. Eine Bedeutung, die weit über das hinausweist, was als „Last vergangener Generationen“ schon in vielen Väterromanen bewältigt wurde.

Christoph Hein hat keinen Väterroman wie Härtling oder Meckel geschrieben – glücklicherweise. Er schrieb stattdessen den Roman des Sohnes: dass „authentische Vorkommnisse“ zugrunde liegen, die Figuren „nicht frei erfunden“ sind, teilt er vorab mit. Er schrieb einen Zwitter aus Autobiographie und Chronik, in dem es nach DDR riecht und nach BRD mieft; ein nicht nur kalkuliert-konstruiertes, sondern teilerlebtes Jahrhundertpanorama vom Weltkriegsende bis zum Nachwendeherbst, das mit jedwedem Schuldkult gnadenlos abrechnet; ein janusköpfiges Epos, in dem ständig Hoffnung und Lethargie konkurrieren; einen unbeirrbaren 500-Seiten-Text aus subjektivistischer Perspektive, ebenso grandios wie gnadenlos, dessen positivste Wirkung traurige Melancholie ist.

Uff. Ich bin seit 30 Jahren bekennender Heinist, seit “Weiskern” erst recht, aber das musste jetzt raus. Denn nie zuvor las ich so dezidiert, wie der Wunsch auf ein selbstbestimmtes Leben unerfüllt bleibt, sich als Trugschluss, als Fantasie erweist – bei aller Tapferkeit, bei allem Ehrgeiz werden Lebenswege oft in ungewollte Richtungen gelenkt, die zu beeinflussen man ohnmächtig ist. Die Bilanz des Protagonisten als Rentner lautet: eine Emanzipation von der allgemeinen und der persönlichen Geschichte ist zum Scheitern verurteilt, die Verkettung von Vergangenheit und Gegenwart lässt aus dem „Glückskind“ der Mutter („Du warst mein Glückskind, Junge, denn da ich mit dir hochschwanger war, wagte der russische Offizier nicht, mich abführen zu lassen”) ein “Unglückskind” werden. Gerade dadurch vereint Heins Held die unterschiedlichen historischen Gegebenheiten Deutschlands politisch, sozial und privatim. Vielleicht erschrak Hein vor diesem Unheil so, dass er drei Anfänge brauchte, um in den Stoff und seinen Helden einzusteigen, und damit das Risiko in Kauf nahm, potentielle Leser zu verschrecken – einer der wenigen Minuspunkte, die ich verteile.

Christoph Hein 2012 in Chemnitz. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:ChristophHein_2012.jpg

Konstantin Boggosch, pensionierter Lehrer in einer anhaltinischen Kleinstadt, scheint mit seiner Frau ein ruhiges, zurückgezogenes Leben zu führen, bis er eines Tages vom Kirchensteueramt als Konstantin Müller angeschrieben wird – und seine sorgsam gehütete Familiengeschichte vor seiner zweiten Frau auffliegt: er ist der Sohn eines Industriellen und SS-Führers, der in den letzten Kriegstagen von einem polnischen Standgericht hingerichtet wurde. Diese Vergangenheit lebt in Gegenwart und Zukunft fort: Konstantin wird zeitlebens in Sippenhaft genommen für seinen Vater, den er nie kennengelernt hat.

Jahrzehntelang versucht er, aus dessen Schatten zu treten: er verlässt die Mutter und entzweit sich mit dem Bruder, er flüchtet nach der Schule aus der DDR in den Westen, er arbeitet in Marseille, wo er ursprünglich Fremdenlegionär werden wollte, und kehrt pünktlich zur Sperrstunde deutscher Geschichte zurück, am Tag des Mauerbaus… Nichts davon bringt die erhoffte Befreiung: die Herkunft lässt sich nicht ablegen wie der Name. Es ist der Geburtsname der Mutter, den sie annahm im Glauben, damit die Vergangenheit verschwinden zu lassen. Aber aus dem „Glückskind ohne Vater“ wird prompt ein „Unglückskind mit Vater“: die Sportler-Karriere, das Abitur, das Studium an der Filmhochschule, ja die berufliche Beförderung werden dem Sohn immer verweigert, denn der Schatten des Vaters, eingebrannt in seiner Kaderakte, ist immer schneller. Ein Sohnesleben im steten Emanzipations-, ja Fluchtmodus: psychisch, physisch, beruflich, geographisch, selbst sexuell in seiner zweiten Ehe:

„Ich weiß, ich bekomme diesen Vater, dieses Erbe nicht los. Ich kann mich nicht frei machen, ich bin nicht frei. Seinetwegen. Seinetwegen habe ich keine Kinder, ich will es nicht. Ich hatte Angst, dass sich etwas fortsetzt. Ich wollte keine Kinder, weil ich Angst vor dem Bösen habe, vor den Geistern meines Vaters.“

Ein Sohnesleben, das einen Vatermord bräuchte, um sich zu befreien. Christoph Hein erzählt ein Leben in der DDR, in dem das Private nie privat bleiben durfte, sondern der Staat und dessen einzig richtige Ideologie ins Private eindringt, ja zum eigentlichen Gestalter des Lebens wird, indem er den Spielraum des einzelnen mehr und mehr verengt. In einer politischen Binnenwelt aus Bürokratie, Opportunismus und Rachsucht muss sich einer behaupten, der eigentlich nur sein Leben in Ruhe leben will und immer wieder die Rote Karte gezeigt bekommt. Die „WELT“ las einen „Roman in Sepia, eine Dystopie des Politischen und des Privaten“. Kann man, trotz widrigster Voraussetzungen, die Hoheit über das eigene Leben erlangen? Die „BZ“ erkennt richtig: „Der Weg aus dem Unheil  führt durch es hindurch. Es ist diese Erkenntnis, die Konstantin annehmen muss. Die Hoheit über die persönliche geht nicht mit der Hoheit über die gesellschaftliche Gegenwart einher. Die haben andere, weniger bedenkenvolle Gestalten.“

Dann: die Wende, und Boggosch wird – jetzt demokratisch von der Lehrerschaft gewählt – Schuldirektor. Zeitweise, denn hier geht’s ans Eingemachte. Ebenso wie Hein zeigt, dass eine mehr als oberflächliche NS-Aufarbeitung  in beiden deutschen Staaten nie stattfand, zeigt er nun die nochmal nicht oberflächliche Aufarbeitung der DDR im wieder vereinigten Deutschland: der Rektor wird zugunsten eines Westimports wieder „entfernt“, und der DDR-angepasste Bruder erhält das millionenschwere Erbe des SS-Vaters zurück, das Konstantin ausschlug. Vielleicht hat Suhrkamp mit dem Lob der „geschichtsdiagnostischen Kompetenz“ seines Autors diesen Modus gemeint. Ein Modus, den Sigrid Löffler mit den Worten beschrieb, dass sich Hein schon in der DDR nicht wohlfühlte, es ihm hier aber auch nicht besser ginge.

Cover. Quelle: http://www.suhrkamp.de/buecher/glueckskind_mit_vater-christoph_hein_42517.html

Ein Modus, der neben dem lakonischen, anrührenden, unsentimentalen Ton vor allem die beispiellos-beispielhaften Figuren und Wendungen, ja Brüche meint, die der dramatisch geübte Hein einbaut. Bei ersteren verteile ich weitere Minuspunkte: neben durchaus gelungenen Chargen wie Reichsbahnhucker Bruno oder dem moralisch verkommenen Münchner Westonkel, den zu entblößen die Beschreibung seiner Frühstückssitten reicht, gestaltet Hein gleich zweimal Antiquare als handlungswichtige Personen, was für mich etwas einfallslos wirkt (Gebildetheit und intellektuelles Milieu kann man auch anders zeichnen) – und ein Pauker als Held ist auch nicht unbedingt das literarische Nonplusultra, denn manches bleibt an ihm, wie auch an anderen Figuren, schablonenhaft, typisiert. Tragisch ist die Figur der Mutter, die im „Souterrain“ einer Villa wohnt, „so schön wie noch nie“, wie sie am Ende aus reinem Selbstschutz behauptet: es ist ein Keller im prächtigen, wiedererlangten Haus des nach dem Vater geratenen Sohnes Gunthardt, in dem die alte Frau verschrumpelt wie die Kartoffeln; die sich kleinmacht, bis sie stirbt „am Herzversagen der anderen“. Aus bildungsbürgerlichem  Haushalt stammend, studierte sie Sprachen, um schließlich vom schneidigen Unternehmertum ihres Mannes auf Lebenszeit als Putzfrau herabgewürdigt zu sein: lehren durfte sie in der DDR nie.

Bei den Wendungen bleibt vor allem der Tod von Boggoschs erster Frau und seiner neugeborenen Tochter haften: weiß die Laken über den zarten Körpern, das kleine Köpfchen über dem Saum: „Die beiden Engel meines Lebens waren bereits kalt.“ Am Ende erkennt er: „Man zerstört Träume, wenn man sie verwirklicht“. Trotz dieser dramatischen Ereignisse bleibt der Roman immer leise, behutsam, atmosphärisch dicht und lebt fast nur von der lakonischen Innenschau des Ich-Erzählers. Dass der immer wieder aufsteht und von vorn beginnt, mit immer weniger Träumen, ist mehr als anrührend.

„Die Welt ist groß genug, dass wir uns alle in ihr irren können, aber unser Leben ist nicht so lang, dass wir alles vergessen könnten.“

Was mich an dem Buch daneben frappierte, beschrieb die „BZ“ so: „Jeder Leser hat die Orte, die er nicht erreichte, und die er nicht erreichen wollte – jeder hat sein Magdeburg.“ In dieser Stadt, in der auch ich fast 11 Jahre meines Lebens verbrachte und an die ich sehr ambivalente Erinnerungen habe, spielt ca. ein Drittel der Handlung, inklusive dem Tod von Konstantins Familie. Insofern ist Hein mit diesem Buch ein Deutschlandroman gelungen, der sich über Partien als jeweils eigenes Lebensbuch lesen lässt: jeder Ostdeutsche, der 1989 älter als 20 Jahre war, wird in diesem Buch Konstellationen seiner eigenen Biografie finden; aber jeder Westdeutsche auch, denn die Muster des Mitmachens sind identisch.

Aus Anlass seines 70. Geburtstags schrieb unter der dussligen Überschrift „Epik für prekäre Leser“ vor einem Jahr die FAZ: „Was bleibt von der Lakonie eines Albert Camus, wenn man die algerische Sonne weglässt? Der vom pathetischen Schwarz in eine Palette von Grautönen überführte Existentialismus Christoph Heins. „Ich habe keine Botschaft, keine Zukunftsvisionen. Alles was ich mache, ist mitleidslos genau aufzuschreiben, was ich gesehen, erlebt, erfahren habe.“ Da ist viel Wahres dran. Dieser jüngste Roman, dem ich dringend die Aufnahme in den Oberstufenlehrplan sowohl in Literatur als auch Geschichte empfehle, ist lebensklug und zurückhaltend, deutlich und still, traurig und aufwühlend. Hein ist und bleibt der Meister der unaufgeregten Aufklärung, und wie ein guter Wein wird er umso besser, je älter er wird. Man kann sich an ihm berauschen, manchmal auch in ihm ertrinken. Ich habe die Geschichte an einem Tag verschlungen.

Christoph Hein: „Glückskind mit Vater”. Frankfurt (Suhrkamp) 2016. 527 Seiten, 22,95 €.

Langsam schälen sich nicht nur die Argumentationsmuster deutlich heraus, mit denen uns der ebenso undifferenzierte wie grundgesetzwidrige Flüchtlingszustrom verdaulich gemacht werden soll, sondern auch die Vorwürfe, die an die Kritiker desselben gerichtet werden. Und hier zeigt sich spätestens seit Köln: die beiden unterschiedlichen Wahrnehmungs- und Verarbeitungsmuster des Menschen für Informationen dürfen nicht mehr koexistieren.

Nein, das eine Muster wird gar als falsch verdammt und das andere als einzig richtiges verabsolutiert. Dumm nur, dass gerade die Staaten, die das „falsche“ als handlungsleitend favorisieren, gegenwärtig das Asylchaos am erfolgreichsten bewältigen – die Ostdeutschen gehörten dazu, hätten sie in der Krise etwas zu bestellen. Und dumm erst recht, dass eben jetzt auch Westdeutsche und darunter vor allem Frauen zu ahnen beginnen, was für Psychoexperimente da jahrzehntlang mit ihnen veranstaltet wurden, um ihnen den gesunden Menschenverstand auszutreiben.

Worum geht es? Die Psychologie kennt zwei Muster der Informationsverarbeitung: Bottom-Up und Top-Down. Beim ersten, eher wahrnehmungspsychologischen Ansatz wird die Informationsaufnahme und –verarbeitung als „reizgesteuert“ bezeichnet: als von außen (exogen) initiiert und determiniert; d.h. es sind rein stimulusgetriebene Prozesse. Ich sehe ein gelb-schwarz gestreiftes, fliegendes summendes Insekt, das mir gefällt und nach dem ich – weil ich noch kein anderes Insekt dieser Art kenne – greife. Resultat: ich lerne – natürlich in Verbindung mit anderen kognitiven Prozessen – dass es sich um eine Biene (oder Wespe oder Hummel oder Hornisse…) handelt, die mir die schmerzhafte Lektion erteilt, sie in Ruhe fliegen zu lassen.

Beim zweiten, eher kognitionspsychologischen Ansatz wird die Informationsaufnahme und –verarbeitung als „wissensgesteuert“ bezeichnet: als von innen (endogen) initiiert und willensdeterminiert. Ich sehe ein Rudel schwarzgelber Insekten, etwa einen Wespenschwarm, und suche eingedenk meiner schmerzhaft erlernten Erfahrung das Weite. Die kommunikations- und auch werbepsychologische Entsprechung ist der Primacy-Recency-Effekt als psychologisches Gedächtnisphänomen, das dazu führt, dass entweder die früher erfasste Information gegenüber der späteren (Primäreffekt) oder umgekehrt die später erfasste Information gegenüber der früher eingegangenen (Rezenzeffekt) bevorteilt wird. Die Effekte sind für unterschiedliche Beurteilungsobjekte in unterschiedlicher Intensität nachgewiesen.

Den erstgenannten Ansatz nenne ich subjektivistisch: jeder Mensch macht seine spezifischen Erfahrungen und sieht Phänomene der Realität anders: als Einzelfälle. Im Normalfall schält sich mit dem Lebensalter und den erworbenen (angelesenen, anerlebten, eben gemachten) Erfahrungen ein Weltbild heraus, ein System, in das man die Phänomene der Realität, diese „Einzelfälle“ einordnet. Dabei kommt es zu Adaptionen und Modifikationen, aber nicht zu einer grundlegenden Systemänderung – denn andere Menschen scheinen ja auch diesem System zu folgen und darin problemlos zu leben. Solange also diese Einordnung funktioniert, solange ist das System gültig und hat Regel-, ja Gesetzeskraft, zumal als Naturgesetz (bspw. „schwarz-gelb ist gefährlich“ :-D ).

Den zweiten Ansatz nenne ich systemisch: die erworbenen Erfahrungen geben der Informationsaufnahme und –verarbeitung eine Richtung vor, um diese Informationen in das System einzuordnen und handhabbar zu machen, d.h. adäquat zu handeln. Zu einer Systemänderung kommt es erst, wenn zu viele neue Informationen mit der alten Regel nicht mehr handelbar sind und eine neue aufgestellt werden muss. Und dieser Ansatz nun ist es, der schon früher, aber jetzt explizit mit Blick auf das Flüchtlingschaos als falsch, ja ideologisch remotiviert als „populistisch“ bis „nazistisch“ diffamiert wird mit den Wortkeulen „Pauschalisierung“, „Generalisierung“, „Verallgemeinerung“ und dergleichen mehr.

Nehmen wir ein weiteres Beispiel aus dem Tierreich. Ich lerne als Kind den Löwen als fleischfressende, jagende Großkatze kennen und erfahre rasch, dass meine an der Hauskatze erlernten Bewältigungsstrategien (Zureden, Streicheln, Füttern…) bei einer eventuellen Begegnung falsch wären: durch Erzählungen, Filme, Bilder, Zoobesuche, Afrikareisen etc. werde ich mich als Systemiker zuerst für die Flucht oder, je nach Situation, sogar für die präventive Verteidigung mit einer Waffe entscheiden. Der Subjektivist wird diesen Ansatz sofort verdammen und mir vorhalten, dass der jeweils individuelle Löwe doch gezähmt, satt oder auch krank sein könnte, mithin immer erst die konkrete Gefahrensituation abzuwarten sei, bevor man reagiert. Und wenn sich ein satt geglaubter Löwe doch als hungrig entpuppen und mich vertilgen sollte, dann hätte ich halt Pech gehabt.

Diese hanebüchenen Mechanismen werden jetzt in Merkels gesinnungsethisches System des Moralimperativismus auf Flüchtlinge übertragen. So darf ein katholischer Philosoph uneingeordnet fabulieren, dass „eine feste Meinung zu haben ja in vielen Fällen eigentlich nur zeigt, dass man nicht ausreichend informiert ist.“ Selbstverständlich waren dann Galilei, Newton und Einstein auch nicht ausreichend informiert – komisch, dass dann ihre Postulate heute noch gelten.

Aber lassen wir Merkel doch selbst sprechen:„Wir sind alle der Überzeugung, dass wir alle, die wir nicht kennen, auch respektieren“ soll sie am Dienstag gesagt und dabei auf das Grundgesetz verwiesen haben, nach dem die Würde des Menschen unantastbar ist: „Das gilt nicht nur für die Deutschen, sondern das gilt für alle Menschen.“

Da ist es wieder, dieses unsägliche Changieren zwischen einem quasidemokratischen „Ich spreche für mein Volk“ und einem monarchischen Pluralis majestatis – Kohler schrieb in der FAZ von der Paarung von Naivität mit Allmachtsphantasien. Welchem Grundgesetz folgen denn die Ankömmlinge, haben sie ein eigenes und/oder kennen sie unseres? Diese unreife, nachgeradezu naive Übertragung des eigenen Menschenbilds auf das der Fremden, als säßen wir alle im selben Sandkasten, hat Safranski jüngst als „moralistische Infantilisierung“ gegeißelt. Zudem beklagt er, dass Merkel einfach nicht das demokratische Mandat habe, ein Land so zu verändern, wie das der Fall ist, wenn binnen kurzem Abermillionen islamische Einwanderer im Land sind. Immerhin habe sie sich beim Amtseid verpflichtet, Schaden vom deutschen Volk abzuwehren. Und weiter:

“Menschenwürde fällt nicht vom Himmel, sondern setzt einen funktionierenden Staat voraus, der sie in seinen Grenzen garantieren kann. Und dann muss man sich die Frage stellen: Wie kann man dieses Staatsgebilde erhalten? Das gelingt nur mit sehr strikten Regeln, sonst verliert der Staat seine integrierende, die Menschenrechte garantierende Kraft. Ich habe große Befürchtungen, dass unser Staat diese Kraft verliert, wenn wir in bestimmten Teilen der Gesellschaft eine islamische Mehrheit mit einer völlig anderen Wertvorstellung haben. Kurz: Man muss die gesellschaftliche Kohärenz stabil halten, damit der Staat die Menschenrechte garantieren kann. Wenn man sich das nicht klarmacht, so ist das verantwortungslos: Man will helfen und schwächt dabei die Institutionen, die überhaupt helfen können.”

Das weiß aber eben nicht nur Safranski, das wissen auch viele andere Menschen – und eben nicht nur Politiker – die über einen Bildungs-, Erfahrungs- und Kenntnishorizont verfügen, der unserer gegenwärtigen politmedialen Kaste in ihrer Berufslosigkeit und Berliner Scheinrealität offenbar völlig abgeht. Aber Merkel setzt noch eins drauf und beweist ihren kindlichen Subjektivismus mit Sätzen wie

„Das heißt, ich muss erst einmal offen sein, mir etwas Neues anzuschauen, einen Menschen, einen Gegenstand. Und wenn ich einen Menschen anschaue, dann muss ich bereit sein, dass ich mich überraschen lasse. Dass ich etwas entdecke, was ich bisher noch nicht gekannt habe.“

Entsprechend sekundiert Thomas de Maizière, der „schlechteste aller schlechten Innenminister“, dass auch die offensichtliche Beteiligung von Menschen mit Migrationshintergrund an den Taten nicht dazu führen dürfe, dass nun Flüchtlinge gleich welcher Herkunft, die bei uns Schutz vor Verfolgung suchen, unter einen Generalverdacht gestellt werden. Nikolaus Fest ärgert sich weiter:

„Natürlich, DAS ist die Hauptsorge. Denn hier läge die wahre Sprengkraft der Debatte: Ob nämlich ein Generalverdacht gegenüber Leuten aus einem Kulturkreis, in dem Frauen und ‚Ungläubige’ bestenfalls als zweitrangig gelten, nicht gerechtfertigt wäre – und was das für die ‚Flüchtlings’-Politik bedeutet. Kaum notwendig zu erwähnen: Auch bei dieser Debatte versagen bisher die Medien. Am meisten aber deprimiert, dass all diese Entwicklungen so vorhersehbar waren. Schon vor Monaten schrieb ich an dieser Stelle, dass sich hinter dem ‚Flüchtling’ auch ein Vergewaltiger als Aleppo, hinter dem ‚Schutzsuchenden’ ein Kinderschänder aus Lagos verbergen könne. Das scheint sich nun zu bestätigen.“

Es ist genau dieses systemische Denken, das bislang alles, was AfD, Pegida & Co. prophezeiten, eintreffen ließ – aufgrund eben jener Bildungs-, Erfahrungs- und Kenntnisstände, deren Existenz von den bildungsfernen Erfahrungslosen abgesprochen wird – die überdies mehrheitlich aus den alten Ländern kommen, was Bände über deren Bildungsstand spricht! Wenn bspw. von 10, bestenfalls 15 % Zuzüglern auszugehen ist, die uns im wahrsten Wortsinn bereichern können, interessiert – um in Safranskis Logik zu bleiben – die moralisch sicher hochstehende Minderheit, die im Einzelfall sogar Kant, Fichte oder Hegel kennen mag, für ein funktionierendes Gemeinwesen nicht im Geringsten. Es interessieren dagegen die mindestens 85 %, die uns eben nicht be-, sondern im wahrsten (finanziellen) Wortsinn entreichern und deren Bildungs- sowie Moralstandards mit unseren inkompatibel sind. In dieser Situation, da eine Regierung nicht mehr individuell gesinnungs-, sondern kollektiv verantwortungsethisch zu handeln hat, ist systemische Abstraktion, sind Generalisierung und Pauschalisierung nicht nur statthaft, sondern dringend nötig!!! Jedes Curriculum verallgemeinert Bildungsfähigkeiten, jede Krankenkasse Erkrankungen, jeder Versicherer Versicherungsfälle, das ist ein völlig normaler Vorgang! So hält selbst der Ex-Justizminister Niedersachsen, Christian Pfeiffer (SPD!), eine

„Gruppenbezeichnung für sinnvoll, dass es Männer sind, die stark von Machokultur geprägt sind, die Übergriffe für etwas völlig Normales und ihnen Zustehendes halten, gerade wenn sie angetrunken sind, wenn sie in der Gruppe agieren und dann die Hemmungen sich noch stärker abbauen. Und bisher war zu hören, dass es sich um Männer gehandelt hat, die wohl aus Nordafrika oder aus arabischen Ländern stammen von ihrem Aussehen her oder davon, wie sie sich miteinander verständigt haben“.

Deshalb muss ganz klar gesagt werden: Wer davor warnt, ist nicht ausländerfeindlich, sondern rechtsstaatsbewusst! Genau das hatte Björn Höcke umgetrieben, als er vor wenigen Wochen vor einer Zunahme von sexuellen Übergriffen gegen Frauen in Folge der laufenden Welle irregulärer Zuwanderung warnte. Die für die Zuwanderung Verantwortlichen reagierten

“…noch mit einer Mischung aus Leugnung und Denunziation des Warnenden. Allen voran versuchte Bundesjustizminister Heiko Maas, Höckes Warnungen als „widerlich“ und als „Beispiel für rhetorische Brandstiftung“ abzutun. Die ARD behauptete flankierend dazu, Berichte über sexuelle Gewalt von Migranten seien „einfach erfunden“.”

Und diese Warnungen entfalten ihr antizipatorisches Potential vor allem, wenn jetzt bspw. auf einer muslimischen Facebookseite solcherart „Statement“ zu den Vorgängen von Köln abgegeben wird:

„Generell trägt die Frau aufgrund ihrer Beschaffenheit eine Verantwortung, wenn sie sich aus dem Haus begibt. Man kann nicht vor einem Löwen eine nackte Antilope werfen und erwarten, dass bei dem Löwen sich nichts regt. Es ist erstaunlich, dass im Biologieunterricht so viel über das Paarungs- und Sexualverhalten der Lebewesen unterrichtet wird, aber diese Regeln im Alltag komplett missachtet werden.“

Abgesehen von der Ambivalenz sächlicher „Beschaffenheit“ und naturalistischer Antilopenmetapher sprechen hier das maskuline Löwenverständnis und die implizierte animalische Sexualität (die auch noch mit dem weiteren Primärbedürfnis “Hunger” in eins gesetzt wird – Stichwort “Einverleibung”, aber das führt hier zu weit) Bände – nicht unser Menschenbild ist es, dass das Handeln der Flüchtlinge bestimmt, sondern ihres, das mit unserem bestenfalls erklärbar, aber keinesfalls akzeptabel ist. Dieses Statement im Hinterkopf, muss man sich folgende Aussage eines Sascha Lobo im Großhirn zergehen lassen:

„Differenzierung ist Zivilisation. Zivilisiert zu sein bedeutet, nacheinander neun Schwarzhaarigen zu begegnen, die sich alle als Arschlöcher erweisen, und trotzdem dem zehnten Schwarzhaarigen nicht deshalb in die Fresse zu hauen.“

Aha. Wenn ich also neunmal von „schwarzhaarigen Löwen“ vergewaltigt wurde, kann ich ja immer noch darauf hoffen, dass der zehnte kein „Arschloch“ ist. Rechnet man die Relation auf die obige Verteilung von Be- und Entreicherern herunter, könnte das sogar stimmen. Vorausgesetzt, man hat zuvor die neun ohne bleibende Schäden überstanden, ja wenigstens überlebt.

“Durch Vernunft, nicht durch Gewalt soll man Menschen zur Wahrheit führen”, wusste schon Denis Diderot. Ein Land, das nur noch durch Schmerzen lernen kann, ist rettungslos verloren.

Edit 20.12 Uhr: laut MoPo 24 habe sich Merkel HEUTE (07.01.2015) positioniert und erklärt, dass sich aus den Geschehnissen einige sehr ernsthafte Fragen ergäben, die über Köln hinausgingen. Es stelle sich etwa die Frage nach Verbindungen, Verhaltensmustern und danach, ob es “in Teilen von Gruppen” Frauenverachtung gebe. Dem sei mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten. “Denn ich glaube nicht, dass es nur Einzelfälle sind.”
Soso.

Edit 08.01.2016, 07.50 Uhr: Nicolaus Fest hat angesichts der sowohl formal als auch inhaltlich fragwürdigen Berichterstattung der BZ nochmals nachgelegt und Pfeiffers “Gruppierungsthese” unterstützt:

“Wenn, wie überall zu lesen und von der Polizei bestätigt, die Täter aus dem arabischen und nordafrikanischen Raum stammen, handelt es sich in jedem Fall um Migranten. Und genau das ist das entscheidende Faktum. Ob sie hingegen irgendeinen Flüchtlings- oder Asylstatus hatten oder erst vor kurzem eingewandert sind, spielt keine Rolle. Sollten die Täter schon länger in Köln leben, wäre das eher ein Grund zu noch größerer Beunruhigung.”

Edit 09.01.2016, 09.50 Uhr: Hamed Abdel-Samad, gefragter ägyptischer Politikwissenschaftler, Historiker und Autor, hat jetzt auf den religiösen Zusammenhang der Kölner Taten hingewiesen:

Die junge Generation in der islamischen Welt ist in einer Dualität aufgewachsen. Zuhause und in der Moschee wird sie moralisch streng erzogen. Männer und Frauen haben kaum eine Chance, eine gesunde, symmetrische Beziehung zueinander aufzubauen. Im Internet dagegen erleben sie eine Welt, in der es keine Grenzen zwischen Mann und Frau, in der es keine festgeschriebene Moral gibt. Islamische Länder sind beim Konsum von Porno-Videos ganz oben auf der Liste. Diese Dualität schafft ein gestörtes Verhältnis der Männer zu Frauen. Von dieser Dualität sind auch viele junge Muslime betroffen, die in geschlossenen Communities in Europa leben und dennoch den Verführungen einer offenen Gesellschaft ausgesetzt sind.”

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