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Ich muss gestehen: derzeit lese ich keinen Roman; mein letzter (den ich gattungstheoretisch gar nicht als solchen angesehen hätte) war Christa WolfsStadt der Engel“. Aufgeschlagen liegt auf dem Nachttisch gerade Peter Hacks‘ „Die Maßgaben der Kunst“: seine gesammelten Ansichten zur Poetik, die Suhrkamp vor ein paar Wochen in einer zugegebenermaßen etwas unhandlichen Edition von 1200 Seiten (!) herausbrachte.

Hacks – der Erfolg seines Stücks „Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe“ ist auf den deutschen Bühnen des 20. Jahrhunderts beispiellos – war vor allem Dramatiker, außerdem auch Lyriker und Essayist. Die Meinungen über ihn gingen und gehen stark auseinander: vom „kunstsinnigen Aristokraten“ bis zum „Schlaukopf für Besserwisser“. Eins seiner – ästhetisch prägenden, aber seit meiner Studienzeit vergessenen – Bonmots fand ich nun wieder:

„Eingestandenermaßen ist die Kunst eine Waffe. Eingestandenermaßen ist ein Holzhammer eine Waffe. Nach Aristoteles folgt hieraus nicht, dass die Kunst ein Holzhammer sein müsse. Es folgt eher, dass die Kunst eine umso bessere Waffe sei, je bessere Kunst sie ist.“

Und an dieser Stelle wurde ich stutzig. Waffe… Roman… – da war doch was?

Grab von Peter Hacks, der vor wenigen Tagen Geburtstag gefeiert hätte und - welche Ironie - zu Goethes Geburtstag starb. Quelle: http://mymemorial24.de/memorial/Peter.Hacks.html

Die Assoziation kam schnell und wurde durch eine Facebook-Freundin befördert, die gerade jenen Text las (und ihre Befindlichkeit bei der Lektüre kundtat), der mir in den Sinn sprang: Elias Canetti schrieb mit „Die Blendung“ nicht nur seinen einzigen Roman (von dem er sich im Alter distanzierte), sondern damit zugleich auch den Nobelpreis herbei. Eine mehrhundertseitige Groteske um einen weltfremden Sonderling, der in seiner 25.000 Bände umfassenden Bibliothek haust und dessen Haushälterin sich aus Habgier die Ehe mit ihm erschleicht (ihm wäre dieser Gedanke nie gekommen, denn wer könnte schon Geld dem Wissen und den Büchern vorziehen – schließlich arbeitet er selbst täglich stundenlang an wissenschaftlichen Abhandlungen, ohne sie zu Geld zu machen). Mit der Gemeinheit des Lebens konfrontiert, verfällt er dem Irrsinn und verbrennt sich samt seinen Büchern in einer Art Autodafé.

Und in diesem Roman nun fabuliert Canetti über die allgemeine Rolle von Romanen, die „den besten Charakter zersetzen“ würden, in dem man sich in die Figuren auflöst, die einem gefallen. Die Kernsätze sind:

„Romane sind Keile, die ein schreibender Schauspieler in die geschlossene Person seiner Leser treibt. Je besser er Keil und Widerstand berechnet, umso gespaltener lässt er die Person zurück. Romane müssten von Staats wegen verboten sein.“

Holzhammer, Keil… welch martialische Metaphern Wortkünstler verwenden, um sich ihrer Wirkung zu versichern. Worte jedoch finde ich allemal besser als jedes andere Ding – spitz, scharf, schwer… – das auch Wirkungen zeitigen kann: aber eher körperliche, eher endgültige. Ich plädiere dafür, lieber solche von Staats wegen zu reglementieren. Romane kann es gar nicht genug geben.

Mit Sibylle Berg habe ich eins der skurrilsten Interviews meiner publizistischen Laufbahn geführt. Die gebürtige Thüringerin (das hatten wir formal gemeinsam) war auf Lesereise mit „Sex II“ – einem Text, von dem sie selbst behauptet, dass er geeignet sei als finales Geschenk für Menschen ab 50, die man nicht wirklich schätzt. Es war ein Abend irgendwann 1997, wir saßen im alten „Cafe Büchel“ auf der Dresdner Hauptstraße, die Lesung war vorbei, die Kamera lief, der Kameramann lauschte. Die Wahlschweizerin kettenrauchte eine Sorte, die stank und deren Aussehen dem von Mini-Joints verdächtig nahe kam; und sprach uns unter anderem Sätze ins Mikrofon wie „Ich würde gern mit Rammstein die neue deutsche Nationalhymne schreiben“. Wir verstanden uns.

Ich machte eine aktuelle Rezension und für unser Kulturmagazin ein Porträt. Ich las danach immer mal wieder von ihr, als Autorin, „Zeit“-Kolumnistin und Lebenstherapeutin („Fragen Sie Frau Sibylle“) bei „Spiegel Online“. Und just heute Morgen entdecke ich dort ihren jüngsten Sozialbefund – unter jener bemerkenswerten (rhetorischen) Frage, die ich als Überschrift dieses Artikels zitiere.

Die Frage finde ich gut. Aber mit Antworten tue ich mich mindestens ebenso schwer wie Berg und auch manche anderen (über 70 Kommentare). Ist die Zeit der großen Köpfe wirklich vorbei? Sind unsere Vordenker inzwischen wirklich Fernsehmoderatoren oder Comedians oder Personen, die sich dafür halten? Brauchen wir wirklich keine Erklärung, keine Metaphysik, keine Religion mehr, weil sich unser Leben von selbst erklärt?

Sibylle Bergs primäres Argument lautet verkürzt: Deutschland ist satt, mit keinem Drang nach mehr. Wir hätten genug zu tun mit dem Betrachten von Castingshows, dem Updaten von Facebook, dem downloaden von Filmen und dem shoppen, shoppen shoppen… Kann eine gier- und konsumkompensierte Orientierungslosigkeit sich selbst genügen?

Quelle: http://www.toonpool.com/cartoons/Schul-Casting_15783

Offenbar ja, denn Philosophie bedeutet „Liebe zur Weisheit“, sie untersucht Ortung und Deutung von Mensch und Welt, eben den Sinn. Darin ähnelt sie übrigens der Religion: „religare“ bedeutet Rückbesinnung auf den Urgrund, das Absolute. Die Mehrheit von uns scheint nun einfach vergessen zu haben, wie man denkt; verlernt zu haben, sich selber anzustrengen für etwas, dessen Gewinn man nicht sofort abschätzen kann. Mit zunehmend stagnierender Bildung aber werden Menschen lese- und denkfaul. Und weil sie die wenigen, die sich anstrengen, nicht mehr verstehen, werden sie ängstlich, misstrauisch und gehässig. Stagnation aber erzeugt eine Gleichgültigkeit, die einem geistigen Tod nahekommt und mit Arroganz und Ignoranz hässliche Geschwister hat.

Oder noch schlimmer: kann es sein, dass die Mehrheit von uns immer jenen falschen Propheten lauscht, jenen redegewandten Nichtssagern und lautstarken Nichtskönnern, die ihr erzählen, was sie hören will? Hören will, dass es früher besser war, um dann sehnsüchtig in die Vergangenheit zu schauen und jeden, der an diesem Weltbild rüttelt, kollektiv wegtoleriert oder stigmatisiert?

Stimmen die Befunde, müssten des Weisen Immanuel Kants Fragen heute so beantwortet werden:

  1. Was kann ich wissen? – was Medien behaupten
  2. Was soll ich tun? – das Alternativlose
  3. Was darf ich hoffen? – Superstar zu werden
  4. Was ist der Mensch? – eine Wählerstimme im Politzirkus

Kein Wunder, dass da jeder selbst potentielle Weise nur noch als einsamer Rufer in der Wüste gelten muss. Einer Wüste, deren Leere aber als konsumistische Idylle wahrgenommen werden kann. Unterwegs in ein neues Wohlstands-Biedermeier: „Vollglück in der Beschränkung“ lachte schon Jean Paul. Und Beschränkung schafft jenen Halt, der zugleich davon abhält, vor den Abgründen von Deutung zu erschrecken oder gar ohne Netz dem Urgrund entgegen zu fallen. Offenbar sind wir so.

Auf meinen Doktorvater lasse ich nichts kommen: er war schon immer anders als die anderen, und das wollte auch in der DDR was heißen. Ein ebenso geistreicher wie ruheloser Querdenker, dessen Mutter 105 Jahre alt wurde, dessen Töchter ungewöhnliche Beziehungen leben und dessen eigenwillige Handschrift die Unleserlichkeit der meinen entschieden beeinflusst hat. Vielleicht muss das so sein: er ist Wassermann. Aber jetzt hat er mich doch geschockt.

Er, der seine Briefe immer noch per Schreibmaschine verfertigt und Fehler dann handschriftlich korrigiert, eröffnete mir in seiner heutigen Post, dass er zum 85. Geburtstag – einen Laptop geschenkt bekam. Seine in der Welt verstreuten studierenden Enkelinnen könnten dann besser Kontakt halten: per Mail. Nach entsprechender familiärer Unterweisung könne er auch google, wikipedia usw. nutzen – aber er mache das kaum. Der Grund: er pflegt lieber seine aus einer Reha geflüchtete Frau.

Karikatur: Berndt A. Skott. Quelle: http://www.djv.de/Seminar-News-Juni-2010.3049.0.html

Soso. Die jüngere Generation technifiziert die ältere, um die globale Kommunikation zu bessern. Die ältere Generation wiederum lebt der jüngeren vor, dass lokale Interaktion unter technischem Verzicht auch bessernd sein kann. Und ich überlege schon eine ganze Weile, wie sich der integrative Sinn des einen Aspekts zum emotionalen des anderen verhält. Aber allein die Tatsache, dass ich beides aufeinander zu beziehen versuche, sollte mir vielleicht zu denken geben…

Diesen Satz postete Uwe Hassbecker im Nachgang der Echoverleihung auf seinem Facebook-Profil – als einer seiner „Freunde“ weiß ich davon.

Zunächst: Uwe Hassbecker ist einer der besten Gitarristen dieser Republik. Der uneheliche Sohn Herbert Kegels war „Gitarrero“ und prägendes „Silly“-Mitglied; ein halbes Jahr vor ihrem Tod (22. Juli 1996) heirateten Tamara (Danz) und er. Was mir diese Band bedeutete und bedeutet, tut dabei erstmal nichts zur Sache.

Ein Mann und Musiker seines Formats braucht eigentlich nicht weinerlich zu sein. Erst recht nicht, nach dem Platin-Erfolg von „Alles Rot“ nun in der Kategorie „Gruppe national Rock/Pop“ gegen „Ich + Ich“ verloren und im Gegenzug via Anna Loos den Echo als „Bester Künstler Rock/Pop National“ an Frauenschwarm David Garrett überreicht zu haben.

Was also ist passiert; oder besser: könnte passiert sein?

"Echo 2011": Silly mit Uwe Hassbecker (rechts). Quelle: http://www.morgenpost.de/wirtschaft/article1585816/Echo-in-Berlin-weit-mehr-als-ein-Musikpreis.html

Ich war live nicht dabei; vielleicht glücklicherweise. Der „Spiegel“ brachte unter der bezeichnenden Schlagzeile „Gier frißt Gehirn“ die vielen negativen Kommentare im deutschen Mediendickicht auf den Punkt:

„Die Echo-Verleihung erwies sich als plumper Kommerz-Mischmasch, bei dem sich niemand irgendetwas gedacht hatte – auch nicht Moderatorin Ina Müller, die sich mit Sex-Gags um ihre Karriere plapperte. Momente der Irritation durchziehen fortan den Abend, in fast jeder Kategorie gibt es einen Nominierten, bei dem man denkt: ‘Noch ganz frisch, liebe Echo-Veranstalter?’“

Ob hier aus des Gitarristen kleiner Wut am ahnungslosen Schein eine große ahndungsvolle Wut am Kommerz wurde? „Es gibt die Gewinner der Industrie und die der Fans!“ war Stunden danach in Foren zu lesen, und „ihr seid einfach zu gut, und zu ehrlich. Das ECHO der Fans ist mehr wert!!!“

Bei „Ich + Ich“ sucht man gute, ehrliche Botschaften vergebens; zu finden sind vor allem gewisse personalisierte Klischees: weichgespülte Selbstzweifel, schokoladig verpackt; mittelgroße Gefühle, monoton studiooptimiert; seichte Konsumkritik, uninspiriert zusammengereimt…

Mir scheint, als gäbe es bei sensiblen Sinnsuchern – zuvörderst bei Hassbecker – noch jenes Gefühl für Authentizität, das selbst den sexistischen Aperçus Ina Müllers fehlte. Und damit jenes Gefühl von Ausgeschlossensein ob dieser Authentizität, weil die ja nicht äußerlich zu erreichen ist, sondern jener inneren Sinnarbeit bedarf, die heute nur noch die wenigsten leisten wollen. Flake („Rammstein“) brachte es nach seinem hinberlinerten Satz „So watt kann passieren, wenn det Publikum den Preis vergibt“ auf den Punkt: „Dankeschön an … Vattenfall. Sonst wäre hier das Licht aus.” Der Kommerz-Kotau ist verpackt in gnadenlosen Zynismus, der auf eine Art überschauende Allgegenwart schließen lässt. Ein Zynismus, der außer Gnadenlosigkeit nichts mehr kennt.

Dieses Stadium hat Hassbecker – dem Publikum „mehr Wahrheit“ unterstellend – noch nicht (ganz?) erreicht. Zum Glück. Aber er ist kurz davor; wie viele andere auch: sie wollen Platz nehmen, aber dürfen es nicht. Sie wollen gut sein und brauchen es nicht. Sie wollen wirken und werden abgewürgt. Was für eine Metapher konstruiert dieser Satz im Jahre 21 der deutschen Einheit…

„Keiner hörte als ich sang – man sah das schöne Wetter“ war schon ein tragender Vers der DDR-Rockmusik, zu hören in Renfts “Als ich wie ein Vogel war“. Aber schönes Wetter ist so häufig schon lange nicht mehr. Und Japan war nicht der Anfang des Hässlichen.

Andreas Kopietz hat sich in der „Berliner Zeitung“ geoutet. Er hat zugegeben, das „Heiligtum der Weisheit beschmutzt, das Wissen der Vielen, die Schwarmintelligenz in die falsche Richtung gelenkt“ zu haben. Was das heißt? Andreas Kopietz hat einen Wikipedia-Eintrag gefälscht und sich dafür „entschuldigt“.

Das mag nun – angesichts der Prominenz anderer „Fälscher“ – bei einem Hauptstadt-Journalisten eine höchstens nette Story sein, die dankbar vom Muttermedium als „Web 2.0 im Selbstversuch“ geteast wird. Aber gerade die zeitliche Nähe zu jenem anderen, ministeriellen Outing sowie mancherlei Rezeptionsparallelen verführen mich dazu, ein paar Vergleiche anzustellen: Fälschung „von oben“ gegen Fälschung „von unten“ sozusagen.

  1. Kopietz hat keine wissenschaftliche Arbeit gefälscht, um sich akademische, reputative usw. Vorteile zu verschaffen. Er hat der Karl-Marx-Allee in Berlin-Friedrichshain einen neuen virtuellen Namen gegeben: „Wegen der charakteristischen Keramikfliesen wurde die Straße zu DDR-Zeiten im Volksmund auch ,Stalins Badezimmer‘ genannt.“ Aus unterhaltsamer Erregung darüber, dass „Berolinismen“ (wie „Telespargel“, „schwangere Auster“, „Bundeswaschmaschine“ oder „Eierwärmer“) wohl nur von Journalisten oder Tourismusagenten erfunden wurden. Was lag näher, selbst einmal Volksmund zu spielen – zudem publizistisch verwertbar.
  2. Kopietz hat aus seinem Text keine Melange werden lassen, deren Urheber (?) jeden Überblick verlor. Er hat fast minutiös dokumentiert, wer wann in welchen publizistischen, ja akademischen Zusammenhängen die architektonische Metapher nutzte.
  3. Kopietz hat sich (vielleicht?) nicht darauf verlassen, dass „Gutachter“ den Schwindel sowieso nicht bemerkten. Er hat auf den gesunden Menschenverstand der Netzgemeinde gesetzt – und damit aufs falsche Pferd. Fast ungläubig registriert er also, wie der Webdienst „wiki-watch“ (Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder), der dem Nutzer helfen will, die Zuverlässigkeit eines Wikipedia-Artikels einzuschätzen, seinem „Badezimmer“ immerhin vier von fünf Sternen sowie den Titel „Zuverlässige Quelle“ verlieh.
  4. Kopietz hat (vielleicht?) nicht damit gerechnet, dass andere Medien die Wikipedia-Quelle ungeprüft nutzen – und sich wiederum verrechnet. „Stern“, „MOZ“ und „SPON“ taten genau dies, was im Falle „SPON“ zu einer unbeabsichtigten Duplizität der Ereignisse führte. Wir erinnern uns: am Tag, als die Republik den neuen Wirtschaftsminister zu Guttenberg präsentiert bekam, manipulierte ein Jungjournalist dessen Wikipedia-Eintrag,  in dem er den ohnehin reichlichen Vornamen des Freiherrn noch einen hinzu fügte: Wilhelm. Ein paar Stunden später tauchte der dann überall im Internet auf,  eben auch bei SPIEGEL ONLINE (und nicht zuletzt auch auf der Titelseite der „Bild“).
  5. Anekdote am Rande: Kopietz hat am 16. Februar 2009 seinen Text ins Netz gestellt und am 17. März 2011 löschen wollen. Das ist ihm zunächst nicht gelungen; ehrenamtliche Wikipedianer verhinderten das. Nach der heutigen Veröffentlichung allerdings schon.

Und die Moral von der Geschicht? Da müsste ich jetzt Stunden schreiben. Ich mach‘s kurz und zitiere Fritz Reuter: „Wat den Eenen sin Uhl‘, ist den Annern sin Nachtigall“. Miau.

Manchmal bedarf es eines Bildes, einer Impression – und plötzlich gelangen Assoziationen an die kognitive Oberfläche, ein Bedeutungskosmos, der längst vergessen schien. Genau das passierte mir, als ich heute Nachmittag an der liebevoll restaurierten Gohliser Windmühle vorbeiradelte.

Als studierter Historiker wusste ich natürlich irgendwann, dass die Wind- (neben der Wassermühle) lange die einzige Arbeitsmaschine der Menschheit war: sie verrichtete mithilfe ihrer vom Wind in Drehung versetzten Flügel Arbeit, die ursprünglich – als Kornmühle – im Zerkleinern von Getreide bestand. Später wurde das Mahlen und Zerkleinern auf andere Stoffe ausgedehnt: es entstanden Öl-, Senf-, Gewürz-, Farb-, Steinschrot-, Pulver-, Gips-, Kreide- sowie Schnupftabakmühlen.

Heute gibt es deutschlandweit noch rund 1.400 Wind- und Wassermühlen (in Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland keine mehr), die jährlich zum Deutschen Mühlentag am Pfingstmontag ihre Mühlen für Besucher öffnen. Moderne Windkraftwerke müssen als legitime Nachfolger der Windmühlen gelten, da sie nach dem gleichem Prinzip funktionieren.

Die Gohliser Mühle also – obwohl verfrüht besucht, habe ich viel gelernt. Etwa, dass sie eine Galerie-Holländermühle mit Türenflügeln ist.

Und lernte ebenso, dass es auch noch gibt

  • Fluttermühlen
  • Bockwindmühlen
  • Kokerwindmühlen
  • Turmwindmühlen und
  • Paltrockwindmühlen.

Und lernte weiter, dass diese auch aufweisen können

  • Segelgatterflügel
  • Jalousieklappenflügel
  • Bilausche Ventikanten und
  • Segelstangenflügel.

Und lernte daneben, dass es eine Flügelsprache gibt:

Je nach Stellung (im gebremsten Zustand) kann man mit vier bis neun Flügelstellungen Signale übermitteln: wichtige Familienereignisse der Müllerfamilie (Geburt und Tod) etwa mithilfe der Freuden- oder Trauerschere.

Dass solcherart Geschichtsträchtigkeit auch literarische Trächtigkeit nach sich zieht, liegt auf der Hand. Was fiel mir da nicht alles wieder ein:

  • de Cervantes’ berühmte literarische Gestalt „Don Quijote“ hält Windmühlen für vielarmige Riesen und will diese zum Zweikampf stellen. Knappe Sancho Pansa kommentiert das Scheitern Quijotes folgendermaßen: … habe ich’s Euer Gnaden nicht gesagt, Ihr möchtet wohl bedenken, was Ihr tuet, es seien nur Windmühlen, und das könne nur der verkennen, der selbst Windmühlen im Kopf habe?“ Daher bezeichnet die Redensart „gegen Windmühlen kämpfen“ heute einen aussichtslosen Feldzug gegen einen unveränderbaren Zustand.
  • „Max und Moritz“ müssen nach dem Willen ihres literarischen Vaters Wilhelm Busch ihre Schelmenkarriere in einer Mühle beenden.
  • in George Orwells „Farm der Tiere“ spielt die Windmühle und die Erzeugung von elektrischer Energie als umkämpftes Symbol des Fortschritts eine Rolle.
  • das erfolgsverfilmte sorbischen Nationalepos “Krabat“ wäre ohne Mühle, Müller und Müllergehilfen gar nicht denkbar.
  • Johannes Bobrowski schreibt in seinem Roman „Levins Mühle“, der um 1870 spielt, über ein von Deutschen und Polen bewohntes Dorf an der Drewenz im damals preußischen Polen. Ein Mühlenbesitzer, der Großvater des Erzählers, öffnet ein Wehr und lässt die Bootsmühle eines Juden namens Levin wegschwemmen, damit er einen Konkurrenten weniger hat. Beim darauffolgenden Prozess konspiriert der Großvater mit den anderen Deutschen in den Behörden. Levin unterliegt und zieht mit seiner Lebensgefährtin, einer Zigeunerin, weiter in den Osten. Doch auch der Großvater wird in dem Ort nicht mehr glücklich.
  • Mit seinen Erzählungen „Briefe aus meiner Mühle“ hat Alphonse Daudet ein wunderbares Buch über das Landleben verfasst. In seinen Geschichten, die sich in der Nähe einer Mühle abspielen, tummeln sich originelle Personen, die etwa einen wirkungsvollen Kräuterlikör erfinden. Daudet hatte eine Mühle an der Straße nach Arles erworben, damit er dem hektischen Leben in Paris entfliehen konnte.
  • Viele Märchen kommen nicht ohne Mühle aus, etwa Ludwig Anzengrubers „Steinklopferhannes“, Ludwig Bechsteins „Der Müller und die Nixe“ oder Clemens Brentanos „Rheinmärchen“.

Und dann – Stichwort Verschüttungen – kam mir Emile Verhaeren (1855 – 1916) mit seinem Gedicht „Die Mühle“ in den Sinn. Ein französisch schreibender belgischer, durchaus sozialbewußter Symbolist von großer Musikalität. Ich erhielt von ihm in den 80er Jahren Kenntnis durch eine Interlinearübersetzung (anders will ichs nicht bezeichnen) von Stefan George. Und machte daraus meine eigene.

Und das war die eigentliche Erinnerung dieses Nachmittags, 25 Jahre danach:

Die Mühle dreht im tiefen Abend leise
Auf einem Himmel trauervoll und brach.
Sie dreht und dreht unendlich müde Kreise,
Ihr hefenfarbnes Segel trüb und schwach.

Seit früh hat ihre Arme sie wie klagend
Gehoben und gesenkt; und wieder fällt
Nun ihr Gebet in den geschwärzten Abend,
Im vollen Schweigen der erstorbnen Welt.

Ein weher Wintertag entschläft in Weiten,
Müd ist des düstern Zugs der Wolken Front,
Die Hecken bergen ihre Schattenseiten,
Die Gleise gehn nach totem Horizont.

Armselig stehn am Feldrand ein paar Hütten,
Im Kreise hingelagert ihr Gebälk,
Das Kupferlämpchen hängt vom Dach inmitten
Und wirft auf Wand und Fenster Feuer, welk.

Dort, wo die Ebnen leer und schlafend bleiben
Betrachten sie aus karg versteckter Not
Mit armen Augen aus zersplissnen Scheiben
Der alten Mühle Drehn und stillen Tod.

Schon 2007 beklagte der Bundesverband der Selbstständigen den stetigen Verfall der Zahlungsmoral. Inzwischen muss auch ich immer öfter meinen Honoraren hinterherlaufen, parallel dazu werden Schuldner in ihrem Verhalten immer dreister. Da werden Zahlungsziele (die in Deutschland üblichen 2 Wochen sind schon zunehmend auf 4 Wochen gedehnt) offenbar nur darum vertraglich vereinbart, um sie dann zu ignorieren. Da werden für feste Mitarbeiter Bier- und Bratwurstevents veranstaltet, aber die Rechnungen der Freien selbst nach 8 Wochen (Zahlungsziel PLUS Überschreitung) nicht bezahlt. Da werden ebenso inhaltslose wie feige Entschuldigungsmails geschrieben, wenn man ein persönliches Gespräch oder mindestens ein Telefonat erwartet, in dem gemeinsam Alternativen wie Ratenzahlung, Stundung usw. besprochen werden könnten. Und da wird sogar bestritten, dass man sich als Schuldner mit den einbehaltenen Honoraren einen stillen Kredit verschafft, und also berechtigte Zinsnachforderungen unbeachtet gelassen. Der Gang zum Anwalt als letztes Mittel, das ich auch schon nutzen musste, ist zwar kurzfristig hilfreich, um das selbstverständliche Honorar einzutreiben, aber langfristig schädlich, da solch unbequemen Dozenten natürlich keine Lehraufträge mehr erteilt werden.

Quelle: http://brandismission.de/wp-content/uploads/2009/01/tagcloud-ethik.jpg

Das allerdings waren bis ins letzte Jahr hinein vor allem privatwirtschaftliche Erfahrungen. Aktuell aber lassen sich die auch von staatlicher Seite bestätigen – obwohl die Ursachen hier andere scheinen. Ein Telefonat mit einer Mitarbeiterin der Dresdner TU ergab soeben, dass für die Abrechnung aller (!) Lehraufträge der Universität nebst anderen Rechnungsdingen ganze ZWEI Mitarbeiterinnen zuständig sind. Dass die derart Überlasteten auch ab und zu krank werden und dann keinerlei Bearbeitung mehr erfolgt, liegt auf der Hand. Das bedeutet: aufgrund des universitären Abrechnungsmodus per Semester statt per Monat habe ich für die TU Dresden seit der ersten Oktoberwoche 2010 gearbeitet, ohne bis heute dafür einen Cent auf dem Konto zu sehen. Wohlbemerkt: an einer Universität, die im Rahmen der Exzellenzinitiative noch im Rennen ist.

Nun – ob fehlende Moral oder fehlendes Personal: das Resultat ist identisch. Und lässt des Gläubigers Glauben, dass in diesem Land Einsatz, Qualität und Zuverlässigkeit honoriert werden, weiter sinken. Eine Beschwerdestelle dafür ist jedoch nirgends zu finden.

Aber wenn, wer freiwillig und zudem pünktlich zahlt, inzwischen eine Minderheit bildet, dann läuft grundsätzlich etwas falsch.

Dass die öffentlich-rechtlichen Sender inzwischen vor wenig zurückschrecken, davon kann man sich täglich überzeugen. Gepaart mit Pietätlosigkeit und – dezent formuliert – Innovationsunwilligkeit, führt der bewegtbildliche Mut beim NDR zu dem absurden Plan, nach einem Vierteljahrhundert (!) Hans Rosenthals kultige ZDF-Rateshow „Dalli-Dalli“ (1971 – 1986) zu reanimieren – mit Kai Pflaume!

Das ist ein geradezu klassisches Beispiel für eine Nachricht, die beim Journalisten entweder zu Wein- oder zu Lachkrämpfen führt und also nach einer Glosse schreit. Aber rasch bemerke ich, dass das Genre dem Format und den teils unfreiwillig beteiligten Personen irgendwie nicht gerecht wird. Die Nachricht irritiert (mich); aber warum?

Einerseits frage ich mich, wie phantasielos, ja verzweifelt ein Sender sein muss, um mit diesem (nomen est omen) Schongang-Showmaster (ohne Kochen und Schleudern bitte, aber mit Weichspülen) eine damals hervorragende und untrennbar mit dem Moderator verbundene Unterhaltungssendung erneut zu adaptieren: zwischen Oktober 1995 bis Juni 1996 scheiterte schon das ZDF gnadenlos mit einem Versuch, das Ratespiel mit Andreas Türck als Gastgeber neu aufzulegen. Übt Pflaume schon den legendären Sprung, oder trainiert er lieber einen Handstand? Dann erhielte das Format doch noch eine Innovation, sogar eine, die den Blutkreislauf des Moderators anregt…

Hans Rosenthal. Quelle: http://www.daserste.de/ legenden/ bildergalerie_dyn~galerie, legenden_70_ neu~id,4~back,p3iz99y3kklqfyrigw3dj1l6~cm.asp

Andererseits: die damals erspielten Gewinne wurden Bedürftigen oder in Not geratenen Menschen gespendet – insgesamt umgerechnet 1,4 Millionen Euro; und nach des Moderators Krebstod wird die Hilfsaktion von der Hans-Rosenthal-Stiftung fortgesetzt. Ein Konzept, das ich allemal besser finde als alle Dschungelcamps, Castingshows und Scripted Reality – Formate zusammen: „Dalli-Dalli“ war auch nach 153 Folgen unverändert ansehnlich – solide, ohne Effekthascherei, und man fühlte sich auch unterhalb der 50-Jahres-Grenze unterhalten.

Kann man beides gegeneinander aufwiegen? Ist das ein Format, das 2011 eine Gebührenzahlung rechtfertigt? Ich bin unschlüssig und warte auf das Ergebnis. Und wenn Hans Rosenthal dann im Grab rotieren sollte, verlange ich den „Blauen Bock“ zurück: mit Äppelwoi läßt sich vieles wegspülen. Statt der Bembel sollte Moderator Daniel Küblbockböck aber lieber „Zonks“ verteilen.

Bei oberflächlicher Strukturierung fallen mir diese Kategorien von Tieren in diesen Bereichen ein:

  • Kuschel- und Haustiere, die als Individuen mit und zwischen uns leben.
  • Schautiere, die, ebenfalls Individuum, im öffentlichen Interesse stehen.
  • Feld-, Wald-, Wiesen-, Luft- und Wassertiere, die als „Fauna“ unseren Lebensraum teilen.
  • Versuchs-, Pelz- und Speisetiere, die anonym in einer meist verborgenen Welt hausen.

Zwischen den einzelnen Tierkategorien sind, quasi als emotionales Preisschild, starke Gefühlsschranken errichtet:

  • Kuschel-, Haus- und Schautiere kennen wir mit Namen.
  • Versuchs- und Pelztiere bekommen wir nie zu Gesicht.
  • Speisetiere sehen wir, wenn wir sie sehen, eher nicht als Lebewesen, sondern nur als Essen.
  • Feld-, Wald-, Wiesen-, Luft- und Wassertieren stehen wir auf einer Skala zwischen positiv über indifferent bis negativ gegenüber.

Die größte emotionale Rolle spielen also unsere Kuschel-, Haus- und Schautiere, gerade ihr Glück nehmen wir wichtig. Aber eigentlich geht es den meisten von uns nicht um das Glück der Tiere, sondern darum, dass uns die Tiere glücklich machen. Vor allem Schautiere – einerlei ob real oder virtuell – sind kurios, bezaubernd, faszinierend, außergewöhnlich, witzig… die Liste der Attribute könnte beliebig verlängert werden; sie wurde gerade in den letzten Monaten mehr als ausgereizt. Leipzigs schielendes Opossum „Heidi“ brachte es auf die Titelseite der FAZ und bei Facebook zu doppelt so vielen Fans wie Angela Merkel. Das Oberhausener Okrakel Paul faszinierte und polarisierte gar ganze Nationen und hat nach seinem Ableben nicht nur eine Einäscherung erfahren, sondern auch ein überdimensionales Denkmal erhalten. Und wer denkt nicht an den störrischen Bundeswehresel namens Hermann, der in Kundus den Dienst verweigerte. Den blauen Storch von Biegen, der dem brandenburgischen Kaff zu einem touristischen Hype verhalf. Oder gar das virtuelle Krokodil Schnappi, dessen musikalisierter Lebenslauf mehrfach platinveredelt und als Klingelton auch noch im gut sechsstelligen Bereich abgesetzt wurde.

Für die einen bezeugt solcher Rummel einen Imagewechsel: Deutschland als freundliches, nicht (mehr) verbissenes Land. Für die anderen verrät er aber auch einiges über die Bedürfnisse und ergo Befindlichkeiten des Publikums. Promis vor allem zum Streicheln, Kraulen, ja Liebhaben sind gefragt. Es sind Bedürfnisse, mit deren Erfüllung sich Merkel, Westerwelle und Co. schwer tun. Heidi? Ihr Schielen signalisiert Hilfsbedürftigkeit, die ans Herz geht. Paul? Seine Kennerschaft in Fußballfragen nährte Bewunderung.

Und Knut? Der Eisbär-Junge aus Berlin bestach durch eine tragische Familiengeschichte und knuddelige Putzigkeit. Hier ist also die Liste von Attributen zu einem Gesamtpaket aus Niedlichkeitsbonus und berührender Story komplettiert. Warum aber bewegt sein Tod, der Tod eines Schautiers, diese Nation so, dass wegen bewusstloser Zoobesucherinnen der Notarzt gerufen werden muss; dass am Tag danach zig- rote Rosen mit schwarzem Trauerflor niedergelegt werden; von den Tränen der Menschen, den Plüschtieren und Kinderzeichnungen ganz abgesehen?

Quelle: http://www.ad-hoc-news.de/trauer-um-knut-tragisches-ende-eines-eisbaeren--/de/Fotostrecke/22006618/0

Solcherart parasoziale Interaktionen verweisen mir neben den emotionalen Fehlstellen bei Merkel, Westerwelle & Co. auf ein massives Sinndefizit. Deutschland: ein Land, das Tröstung braucht, weil es nahezu im Tagesrhythmus von üblen Nachrichten belästigt wird. Mal schafft es sich ab, mal wird es überfremdet, mal sinken die Renten, mal steigen die Preise, mal ist der Datenschutz in Gefahr, mal die Wiederwahl, mal kommt die bestreikte Bahn nicht, mal fällt der vulkanaschegestörte Flieger aus, mal ist der Atomwiedereinstieg das Problem, mal der Wiederausstieg… Nie war Leben schlimmer, nie war Gegenwart grausamer als heute. Wie ein Kind in seine Plüschtiere, so kuschelt sich die Nation in den schrecklichen Momenten, in denen „wir“ mit der Wirklichkeit konfrontiert werden, in den pädosexuell unverdächtigen Trost aus der Tierwelt. Stirbt dieser Trost, stirbt offenbar mehr als eine Hoffnung.

Vielleicht ist das weinerlich, vielleicht infantil. Vielleicht aber auch ein Indiz dafür, dass des Pudelnarren und frühgrünen Tierrechtlers Artur Schopenhauer vielzitiertes Bonmot heute noch so aktuell ist wie damals:

Seitdem ich die Menschen kenne, liebe ich die Tiere.

Aus den Gratulationen und Kommentaren bei Facebook ergab sich gestern die Frage, was denn ein „richtiger“ (also echt thüringischer) Kartoffelsalat sei und wie man/frau ihn am besten mache.

Daher – wie versprochen – an dieser Stelle das Rezept zum Ausprobieren.

Dazu muss ich allerdings noch sagen: Thüringen ist groß; es reicht von Nordhausen bis hinter Meiningen, von Eisenach bis fast zum Vogtland. Es finden sich also vielerlei lokale Varietäten; auch die Zutaten sind kaum zu standardisieren (das fängt bei der Kartoffelsorte an und hört bei der Machart der Gewürzgurken nicht auf). Dieses Rezept – wie alt es ist, weiß ich nicht – stammt aus der Thüringer Rhön (das ist „hinter Meiningen“) und wurde schon von meiner Großmutter so zubereitet.

Grundrezept

  • 1 kg                       Kartoffeln, festkochend
  • 1                             Zwiebel
  • 1                             Lauchzwiebel
  • 3 – 5                      Radieschen
  • ½ kleines Glas Gewürzgurken
  • 1                             Ei, hartgekocht
  • ½                          Apfel, geschält (höchstens süßsauer)
  • Gewürze             Pfeffer, Salz, Kümmel, roter (scharfer) Paprika
  • Kräuter               Dill, Schnittlauch, Petersilie

Marinade

  • 250 g                   saure Sahne
  • 1 EL                      (Thüringer) Senf
  • 4 TL                     Pflanzenöl (Sonnenblume oder Raps)
  • 1 TL                      Zitronensaft
  • 1 TL                      Essig (Apfel oder Wein)
  • 1 TL                      Zucker
  • 1 TL                      Kapern
  • ad. lib.                 Gewürzgurkenbrühe

Die ungeschälten Kartoffeln und das Ei (getrennt) kochen.

Zwiebeln schälen und ebenso wie Gurken, Radieschen und den Apfel fein würfeln; das kalte, gepellte Ei später desgleichen. Alles in eine Salatschüssel geben und mischen.

In einem zweiten Gefäß die saure Sahne geschmeidig schlagen, Öl, Zucker, Senf und Kapern dazu geben. Mit Zitronensaft, Essig und Gurkenbrühe schon mal abschmecken – die Konsistenz sollte nicht zu flüssig sein.

Wenn die Kartoffeln gekocht, gepellt und gekühlt sind, in mundgerechte Scheiben schneiden und zu den anderen Zutaten in die Schüssel geben. Jetzt kräutern und würzen: Salz und Pfeffer sowie Schnittlauch und Petersilie großzügig, Paprika und Kümmel sowie Dill dezent. Ebenfalls abschmecken.

Für mehr Kartoffeln die Menge der anderen Zutaten ausprobieren; eine lineare Vermehrung (bspw. bei 2 kg Kartoffeln durch simple Verdopplung) ist nicht unbedingt geeignet.

Und nun: die Marinade mit den Zutaten in der Schüssel verheiraten, abschmecken und gegebenenfalls noch einmal nachwürzen. Dann am besten 24 Stunden im Kühlschrank innig Liebe machen lassen, wieder abschmecken und schließlich vollenden.

Zuvörderst geeignet natürlich für Bratwurst und Brät’l, aber auch vieles andere schmeckt damit perfekt: Bulette, Schnitzel, Bockwurst, Kassler, Wiener… Beim Anrichten sind der farblichen und geschmacklichen Kreativität kaum Grenzen gesetzt: Eier, Gurken, Petersilie, Radieschen, Paprika…

Und wem der Salat nicht mundet, dem kann ich auch nicht mehr helfen…

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