Feeds
Artikel
Kommentare

ASA-Editorial 1-2017

An dieser Stelle beginne ich auf vielfachen Wunsch mit dem Abdruck meiner Editorials für den AfD-Sachsen-Aktuell (kurz ASA), der wöchentliche Infobrief („Newsletter“) für alle Mitglieder, Förderer und Interessenten. Wer sich also das Warten oder den Download von unserer Landes-Internetseite ersparen will, wird künftig hier fündig. Das Editorial ist meine persönliche Meinung zu Ereignissen oder Personen, die ich in der Vorwoche für beachtenswert und daher kommentarwürdig halte.

Liebe Mitglieder, Förderer und Freunde der AfD Sachsen, liebe Leser;

wir müssen zum neuen Jahr über Innenminister Lothar de Maiziere nachdenken. Abgesehen davon, dass er sich traut, im Wahlkreis Meißen gegen Carsten Hütter anzutreten: er traute sich auch den Deutschen nahezulegen, sich an „Terror“ zu gewöhnen: absolute Sicherheit gäbe es nicht. Wir hätten uns an den Wohlstand gewöhnt, müssten uns nun aber auch für größere Krisen bereit machen, da wir als Staat „internationalen Bedrohungen ausgesetzt“ seien. Das muss man erstmal sacken lassen.

Welchen Bedrohungen? Der Nahe Osten galt bisher nicht als Referenzgröße für Deutschland, aus vielerlei Gründen. Einer der wichtigsten: die Kontrolle jener, die unsere Grenzen überschritten, unsere Gast-, unsere Asylrechte genießen wollten. Nationale Grenzen aber werden heute nicht mehr geschützt, lokale Weihnachtsmärkte und Silvesterpartys dagegen schon? Mit „Merkel-Lego“ aus Beton, Polizisten mit Sturmgewehren und, wie in Leipzig, mehrsprachigen Dolmetschern, die bei der Kommunikation mit Opfern und Tätern helfen sollen! Das kann man sich nicht ausdenken.

Ich vermag nicht zu sagen, wie viel an der deutschen Gelassenheit aus staatsbürgerlicher Abgeklärtheit und ziviler Aufgeklärtheit resultiert und wie viel davon Anzeichen beginnender Gewöhnung an den Schrecken, wenn nicht schleichender Resignation, ja Fatalismus ist. Mit jedem Anschlag schwindet ein Stück mehr Vertrauen darin, dass der demokratische Rechtsstaat das Leben seiner Bürger schützen kann. Inwieweit Fehler der Sicherheitsapparate oder mangelhafte gesetzliche Regelungen dafür verantwortlich sind, dass terroristische Täter ihre Untaten begehen können, spielt dabei eine untergeordnete Rolle – weshalb die Vorschläge de Maizieres für einen starken Staat, bspw. die Abschaffung der eigenständigen Landesämter für Verfassungsschutz und die Übertragung dieses Bereichs komplett an den Bund, nichts als Wahlkampfaktionismus sind. Der nach jedem Anschlag ausbrechende fast rituelle Streit darüber, ob Sicherheitsgesetze verschärft oder nur besser ausgeschöpft werden müssten, führt zu einem Expertentum, dem das Publikum nur schwer folgen kann. Was im Zeichen des Terrors indessen um sich greift, ist ein Gefühl des Ausgeliefertseins an dunkle, unkontrollierbare Kräfte, die jederzeit zuschlagen und einen selbst angreifen könnten.

Das Bewusstsein, sich bei der Abwehr des Terrorismus auf verantwortlich und effektiv handelnde Behörden verlassen zu müssen, schafft eine Atmosphäre der Ohnmacht, in der Wut und Verzweiflung keine konkrete Zielscheibe finden und sich Ventile suchen. Während die einen den Schrecken zur Bestätigung eigener ideologischer Raster nutzt, spielen ihn die anderen herunter und blenden ihn aus vorgeblich Pietätsgründen bis an die Grenze der Tatsachenverleugnung aus. Diese Tonlage der Beschwichtigung und emotionalen Ruhigstellung der Bevölkerung bestimmt auch das Auftreten der Spitzen von Politik und Staat – als ob sie eine mögliche Aufheizung der öffentlichen Stimmung mehr fürchteten als die Gewalt der Terroristen selbst, die politisch unkorrekte Benennung derselben mehr ihre Taten.

So sympathisch er klingt, der Aufruf, die terroristische Strategie dadurch zu durchkreuzen, dass man möglichst unbeschwert und fröhlich weiterlebt wie bisher, reicht als Einstimmung der Bürger auf die Dimension dieser Herausforderung nicht aus. Diese Haltung signalisiert vielmehr untergründig ein mangelndes Selbstbewusstsein der Repräsentanten der liberalen Demokratien und ihren fehlenden Mut, sich der ganzen Wahrheit zu stellen.

Diesen Mut zur Wahrheit bringt derzeit nur die AfD auf, meint

Mit freundlichen Grüßen, Ihr

Dr. Thomas Hartung
Stellv. Landesvorsitzender

Sänk ju, Karlheinz!

Die Duplizität der Ereignisse mit 24-Stunden-Frist ist ungewollt: einerseits bringt die AfD einen Antrag auf Verfassungsänderung in den Sächsischen Landtag ein, in dem die deutsche Sprache als Kulturgut verankert werden soll. Andererseits verleugnet VW seine Geschichte und Identität, in dem es ab 2021 Englisch als verbindliche Unternehmenssprache mit der Begründung einführen will, attraktiver für internationale Top-Manager zu werden. Warum ist das falsch und muss dringend überdacht werden?

Schlagzeilen vom 15.12.2016

Da Humor ist, wenn man trotzdem lacht, freue ich mich zunächst darüber, dass diese Ankündigung von Personalvorstand Karlheinz Blessing schon mal alle Integrationsbemühungen konterkariert, unseren vielen zugewanderten Fachkräften Deutsch beizubringen. Dann freue ich mich auf „Folk-Car“ oder „People-Wagon“. Und ich freue mich auch, dass amerikanische Ermittler dann die konzerninternen Emails nicht mal mehr übersetzen lassen müssen. Und was sagt eigentlich der Anteilseigner Niedersachsen dazu? Wird demnächst im niedersächsischen Landtag auch Englisch gesprochen?

Spass beiseite: Vorbei die Zeiten, da 2010 die Leser der Zeitschrift „Deutsche Sprachwelt“ eine Porsche AG noch zum „Sprachwahrer des Jahres“ wählten. Unternehmensberater und Angewandte Linguisten erklären ständig, dass der konsequente Einsatz des Deutschen als Unternehmenssprache aus vielen Gründen ein Erfolgsfaktor ist. Deutsch ist detailgenauer: unter ‚error‘ könnte sich Qualitätsmangel, Versehen oder Fehlplanung verbergen. Daneben benachteiligt Englisch automatisch alle, für die es nicht die Muttersprache ist. Gerade in den Entwicklungsabteilungen geht es um Vorstellungskraft, Denkschärfe und um reibungslose Verständigung: der Einfallsreichtum der Ingenieure ist in ihrer Muttersprache am größten. Der Trend zur englischen Sprache ist auch aus Imagegründen eher schädlich, denn ‚Made in Germany‘ ist nach wie vor ein Verkaufsgarant.

Quelle: http://www.absatzwirtschaft.de/wp-content/uploads/2015/10/VW-1-626x352.jpg

Quelle: http://www.absatzwirtschaft.de/wp-content/uploads/2015/10/VW-1-626x352.jpg

Und vor allem entwickelt sich in Firmen im Vergleich zum normalen Englisch meist ein sogenanntes Bad Simple English (BSE) – ein einfacheres, oft fehlerhaftes Englisch, dass die Gefahr von Missverständnissen mit fatalen Folgen birgt. Schneider warnte 2013, dass die Internationalisierung zur Infantilisierung werden könne. Für Kaehlbrandt 2015 ist die Ursache dieser Entwicklung ein Drang nach wirtschaftlicher Effizienz durch kulturelle Vereinheitlichung und Vereinfachung hin zu einer niedrigschwelligen Massengesellschaft. Und dieser Drang führt leider dazu, dass entscheidende gesellschaftliche Bereiche wie Wissenschaft, Politik und eben auch Wirtschaft aus eigener Initiative zunehmend ans Englische abgegeben werden. Die Forderung  von Alexander Graf Lambsdorff (FDP) nach Englisch als weiterer deutscher Amtssprache ist ebenso Indiz wie der Plan des Münchner TU-Präsidenten Wolfgang A. Herrmann, alle Masterstudiengänge auf Englisch umzustellen.

Hinzu tritt, dass viele deutsche Geschäftsleute und Betriebe den Internationalitätsgrad der deutschen Sprache als ausgesprochen gering veranschlagen (vgl. Ammon 2015:427). Als wesentliches Indiz sieht Ammon die – nicht nur wirtschaftskommunikativ beobachtbare – Anbiederung  an den internationalen Konsumenten als „Fremdsprachennachteil“ – eine Perspektive, die also vom prinzipiell „schwächeren“  Deutsch ausgeht, und das ist das eigentlich Tragische jener Sprache, die Goethe, Novalis oder Rilke sprachen…

„Warum in der modernen Warenwirtschaft Anbieter sich sprachlich eher an Abnehmer anpassen als umgekehrt, erklärt sich einerseits aus der Marktstruktur, aufgrund deren sich erstere um letztere mehr bemühen müssen, und andererseits aus den Mühen des Fremdsprachengebrauchs und -erlernens, die der schwächere Kommunikationspartner auf sich nehmen muss, um sie dem stärkeren zu ersparen“ (ebd.:425).

Insgesamt, bilanziert Ammon in seiner lesenswerten, faktenreichen Untersuchung, könnten Unternehmen aus 37 Staaten mit deutschen Unternehmen auf Deutsch korrespondieren (ebd.:433). Diese Zahl habe sich seit 1989 zwar um zehn erhöht, was allerdings ausschließlich auf die Entstehung neuer Staaten in Ost- und Südosteuropa zurückzuführen sei, die früher Teil der UdSSR, Jugoslawiens oder der Tschechoslowakei waren: „In Wirklichkeit ist der Anwendungsbereich von Deutsch eher geschrumpft, da Island, Israel und die Türkei weggefallen sind“ (ebd.). Allerdings rangiert Deutsch damit immer noch auf Platz drei hinter Englisch (137 Staaten) und Französisch (58 Staaten) noch vor Spanisch (28), Russisch (23) und Arabisch (17) (ebd.:438).

Quelle: https://media.holidaycheck.com/data/urlaubsbilder/images/41/1157260125.jpg

Quelle: https://media.holidaycheck.com/data/urlaubsbilder/images/41/1157260125.jpg

Und diesen Schrumpfungsprozess befeuert nach Daimler, Siemens oder BASF nun auch VW. Daneben fürchte ich, dass es zu einer Trennung zwischen den oberen und unteren Unternehmensebenen kommen wird: nach und nach werden die Motivation der eigenen Mitarbeiter und in der Folge dann auch die Kunden ausbleiben. Es ist zum Haareraufen.

„Kopulieren statt masturbieren – dann klappts auch mit der Demographie“. Mein Talk mit der Vibrator-Innovatorin Julia Ryssel – übrigens eine ledige Mama, die mir am Ende etwas kleinlaut schien – und zwei eher mäßig humorvollen Moderatoren ist ab Minute 41.10 hier (unter dem Button „18.11.“) nachzuhören.

PS: ich habe noch kein Angebot bekommen, wie mir resp. der AfD die kostenlose PR für „Laviu“ honoriert wird…

Link

Der Beitrag vom RTL-Nachtjournal ist hier zu finden…

Link

Ich erfuhr soeben, dass Lutz Bachmann öffentlich eine Klarstellung meiner PEGIDA-Aktivitäten forderte; die liefere ich doch gern.

1) Vom 20. Dezember 2014 bis zur Spaltung am 28. Januar 2015 habe ich für PEGIDA die schriftliche Pressearbeit geleistet. Genauer und besser: für (und mit) Katrin Oertel, die als Pressesprecherin des PEGIDA e.V. fungierte, sowie Achim Exner, damals ebenso wie ich Kreisvorstand der AfD Dresden. Dass ich die Pressemitteilungen in diesem Zeitraum verfasst habe, versichere ich gern an Eides Statt – schizophren, dafür jetzt angegriffen zu werden. Als Beispiel eine PM:

PM Bachmann

PM Bachmann

1a) Die ersten zehn PEGIDA-Forderungen waren zehn aus unserem AfD-Landtagswahlprogramm zusammengeschriebene Forderungen.

1b) Pressesprecher werden gewählt, um im Auftrag der sie gewählt Habenden (!) mit der Presse zu sprechen. Anbei drei STERN-Ausrisse, die nicht nur Zitate meiner obigen PM wiedergeben, sondern auch zeigen, dass Bachmann meine PM selbst auf Facebook geteilt hat.

2) Mir waren einige Journalisten auf der Spur, die mir anhand formaler und stilistischer Analysen unterstellten, diese Pressemitteilungen geschrieben zu haben, bzw. mich dazu drängen wollten, das zuzugeben. Ich habe diese Unterstellungen aus Gründen, die heute irrelevant sind, zurückgewiesen. Es folgt die obige PM im Vergleich zu einer meiner Landes-PM:

PM-Vergleich

2a) Ich hatte in meiner Rede am Sonntag Dieter Wonka (LVZ) zitiert, der sogar Siegmar Gabriel instrumentalisierte, um mich zu dieser Zugabe zu drängen.

2b) Wie u.a. dieser „Freie Presse“-Text zeigt, wurde die damalige Annäherung von AfD und Pegida sehr wohl wahrgenommen.

3) Der entscheidende Passus meiner gern auch nachzuhörenden Rede lautete: „Aber auch ein Herr Bachmann wird irgendwann sich klar und eindeutig zur AfD bekennen müssen, wenn er einen Platz in den sächsischen Geschichtsbüchern haben will. Das Leben bestraft nicht nur, wer zu spät kommt, sondern manchmal auch, wer zu spät geht.“

3a) Es gilt also: „Wenn ihr mich wählt, wird Pegida mit im Bundestag sitzen. Sicher nicht die Pegida, die Woche für Woche immer denselben, denselben viel zu langen und denselben redundanten Reden lauscht, dieselben Parolen skandiert und mit Spaziergängen meint, die Politik zu ändern. Nein, es sitzt dann die Pegida im Bundestag, die tatsächlich die Politik ändert, die unser Land ändert, die unser Land dieser poststalinistischen Psychopathin und ihrer durchgeknallten Pseudoelite entreißt und wieder zu unserem Land macht.“

3b) Danke allen Lesern und Followern.

Mein Auftritt auf der Aufstellungsversammlung zur Bundestagswahl des Wahlkreises DD II / BZ II ist hier nachzusehen: Bewerbungsrede als AfD-Direktkandidat zur BTW 2017

Mein Interview kann am Textende auch nachgehört werden: „Auf die Frage, wie geeint seiner Meinung nach Deutschland nach 26 Jahren nun ist, antwortete Thomas Hartung: „Das, was uns heute als Einheit verkauft wird, war ja letztendlich ein Beitritt, den die letzte DDR-Volkskammer nicht einstimmig beschlossen hat. Und genau diese Art der Aufarbeitung, die danach hätte stattfinden müssen, die von sehr vielen Intellektuellen auch angemahnt wurde, hat einfach noch nicht stattgefunden.“ Diese fehlende Aufarbeitung schlage nun zurück.“

Da war ich heute mal im Elbland stoppeln und habe gebackenen Blumenkohl gezaubert. Dem Minimalismus in Rezept und Aufwand steht ein Maximalismus an Genuß gegenüber. Den Kohl halbieren, den Strunk entfernen, die Hälften von allen Seiten sowie auch das Backblech mit Öl bepinseln, dann Salz, Pfeffer, Muskat und Zitronensaft darüber geben, je ein halbes Lorbeerblatt unter die Röschen stecken und schließlich 45 min bei 200 Grad im unteren Drittel des Ofens backen.

Blumenkohl vorher / nachher

Blumenkohl vorher / nachher

Grandioser Hauptgang, Beilagen finde ich nicht nötig. Ebenso kann man übrigens auch den Sellerie zubereiten.

Ausschnitt aus meinem Vortrag zur AfD-Bildungsprogrammatik nach dem Stuttgarter Parteitag am 18. August in Zwickau. Auch wenn über manche Beispiele gelacht werden konnte – eigentlich ist es nur noch zum Davonlaufen…

Da gerade etwas beim Server nicht funktioniert, hier nur als Link; die Einbettung folgt später!

Für alle Interessenten: das war mein Editorial aus dem ASA Nr. 20/2016 (Juni).

Wir müssen über unseren Umgang mit Pegida nachdenken. Auf einem Stammtisch in Dresden forderten jüngst 51 von 63 anwesenden Mitgliedern, dass der Kreisvorstand die Bundesvorstandsampfehlung dazu zurückweisen und den Bundesvorstand zum gemeinsamen Gespräch nach Dresden einladen soll, um sich ein Bild von Pegida und dem KV Dresden zu machen. Abgesehen von dem Fakt, dass zu unserem letzten Kreisparteitag die Anwesenden gerade mal an der „30“ kratzten: diese Zurückweisung halte ich aus folgenden Gründen für falsch.

1. Pegida starb langsam vor sich hin, HT. Tillschneider in Dresden (der damit unseren Landesvorstand und die Bundesvorsitzende gleichermaßen düpierte) und S. Däbritz in Erfurt wirkten wie ein Defibrillator. Diese Aufwertung eines heillos zerstrittenen und für mich politikunfähigen Haufens hatten wir gar nicht nötig. Selbst Werner Patzelt hat dem Orgateam in seinem jüngsten Buch fehlende politische Führungsfähigkeiten bescheinigt: die Bewegung sei „von politisch nicht sonderlich begabten Anführern in eine Sackgasse geführt worden“. Wir marschierten also von Anbeginn getrennt, aber in der Hauptsache vereint. Warum sollten wir das ohne Not anderthalb Jahre vor der Bundestagswahl ändern? Es sei denn, man lebt in einer Parallelwelt, in der als veritable Politik gilt, monatelang einmal wöchentlich mehr oder weniger gehaltvolle Reden zu halten und durch eine Stadt zu spazieren ‐ übrigens monatelang auch ich; die Beweggründe sind hier unter dem Datum „17. Dezember 2014“ nachzulesen.

2. Politik ist selten eindimensional. Im Falle von Pegida gehören die Ebenen von Sach‐, Personal‐ und Parteipolitik dazu. Laut BuVo‐Beschluss sollen AfD-Mitglieder weder als Redner noch mit Parteisymbolen bei PEGIDA‐Veranstaltungen auftreten. Wer in diesen Satz ein Demoverbot von AfD‐Mitgliedern, gar eine inhaltliche Distanzierung von den PEGIDA‐Forderungen hinein interpretiert, will das interpretieren – es steht aber nicht da! Zur Erinnerung: nicht nur aufgrund der Mitgliedschaft des Dresdner Kreisvorstands Achim Exner waren PEGIDA‐Forderungen immer und von Anbeginn AfD‐Forderungen. Die zuletzt 19 Pegida‐Forderungen, wie im „Offenen Brief“ der Dresdner beklagt, standen nie zur Debatte. Es geht also nicht um Sachpolitik, sondern um Personalpolitik, denn was teilweise Festerling oder gar „der Franzose“ in verschiedenen Reden äußerten, zumal gegen die AfD, war mehr als grenzwertig. Von der Gegenkandidatur zu Stefan Vogel sowie den Phantastereien einer eigenen Partei, die die AfD „kontrollieren“ (!) wollte und jetzt gegründet werden soll, schweige ich; und Bachmanns Ego nebst seiner Zerstrittenheit mit seinen Vereinsmitgliedern und seinem Umgang mit Spenden ist auch kein Grund, aktiv den Kontakt mit einer Trümmertruppe zu suchen. Es sei denn, man lebt in einer Parallelwelt, in der ein kurzzeitiger Besitzer eines Balles wichtiger ist als Mannschaft, Spiel und Stadion.

3. Zur Personalpolitik gehört andererseits klar zu machen: die AfD ist eine Partei, bestehend aus 16 Landesverbänden. Die haben alle partikulare Interessen, klar, erst recht die einzelnen Landesfürsten, aber die politische Richtung muss stimmen. Und unsere heißt jetzt vor allem: Bundestagseinzug vorbereiten; das sah übrigens auch der Landesvorstand diese Woche so. Die Wahlen nächstes Jahr werden aber weder in Dresden noch Sachsen noch Mitteldeutschland entschieden. Also muss A. Poggenburg (der übrigens vom Ausflug seines Abgeordneten und Landesvorstands gar nichts wusste) und B. Höcke klar gemacht werden: es gibt neben euch noch 14 andere Landesverbände, also lasst eure Alleingänge. Es sei denn, man lebt in einer Parallelwelt, in der Teile des KV Dresden gemeinsam mit den Landesverbänden TH und SA die AfD bilden.

4. An dieser Stelle der Personal‐ spielt auch erstmals die Parteipolitik hinein. Bundestagseinzug sichern heißt Nichtwähler gewinnen und Wähler anderer Parteien umstimmen. Und hier brauchen wir nicht die Ränder, die uns sowieso wählen (Pegida zähle ich dazu), sondern die viel größere Gruppe der Unentschlossenen, die aufgrund fehlender und/oder Desinformation Pegida skeptisch gegenüberstehen – und die sich vor allem in den alten Ländern finden. Um die nicht zu verprellen, gehört ein bestimmtes Maß an Symbolpolitik dazu – der Beschluss ist ebenda einzuordnen. Übrigens genauso wie Marcus Pretzells Ausruf „Wir sind Pegida‐Partei“ in Essen. Dass Symbolpolitik ein Instrument der Konsensparteien in der Mediengesellschaft ist: geschenkt, wir leben alle in derselben Gesellschaft. Dass man damit einer bestimmten Zahl an Dresdner/sächsischen Mitgliedern gelinde geschrieben „vor den Koffer scheißt“, halte ich für völlig normal: allen Menschen recht getan ist eine Kunst, die niemand kann. Diesen politischen Weitblick unterstelle ich unserem Dresdner Kreisverband, und ich hoffe nicht, einem Trugschluss zu unterliegen. Die Wahlen werden im Westen gewonnen! Allein in NRW gibt es mit 13,8 Mio. mehr Wahlberechtigte als in den fünf NBL zusammen (11 Mio.). Eine Wahlbeteiligung von 100% unterstellt: Geben uns in Sachsen 10 % ihre Stimme, haben wir 340 000; tun das ebenso viele in NRW, haben wir 1.380 000. Selbst wenn uns in allen NBL 10 % wählen, sind das immer noch weniger als allein in NRW! Es sei denn, man lebt in einer Parallelwelt, in der in Sachsen 13,8 Mio. Wahlberechtigte leben und in NRW 3,4 Mio.

5. Zur Parteipolitik gehört aber neben der politischen auch die strukturelle Geschlossenheit (siehe Landesverbände). Basisdemokratie hat für mich nichts mit Anarchie zu tun. Wenn jetzt aber ein Kreisverband aufgrund minderheitlich empfundener basisdemokratischer Defizite des Bundes im Umgang mit Pegida Sonderparteitage, Resolutionen und ähnliche Dinge gegen Berlin ins Spiel bringt, können wir einpacken. Das schwächt nicht nur unsere Landesvorsitzende, ja zerstört sie auf Bundesebene (wenn die Dresdner Basisdemokraten ein wie auch immer geartetes „Zeichen“ wofür oder wogegen auch immer setzen wollten: das war der „Offene Brief“ in jedem Fall), sondern sendet Spaltungssignale und erfreut die Medien. Und das kann nicht das Ziel des größten sächsischen Kreisverbandes sein. Es sei denn, man lebt in einer Parallelwelt, in der Höcke und Poggenburg die sächsischen bzw. Bundesvorsitzenden sind und HT. Tillschneider Fraktionsmitglied in Sachsen.

Aber vielleicht lebe ja ich in der Parallelwelt?

Mein Resümee zu meinem Kurztrip nach Breslau, das ich seit 12 Jahren mal wieder besuchte und wo ich das Angenehme sowohl mit dem Nützlichen als auch dem Politischen verband:

– es wird gefühlt doppelt so viel gebaut wie in Dresden. Dabei setzt die Stadt konsequent auf Tunnellösungen für Fußgänger/Radfahrer an großen Kreuzungen (was Dresden vor Jahrzehnten auch mal machte). Verkehrssicherheit und Verkehrsentlastung sind spürbar.

– die Anzugsordnung für Frauen bis 30 lautet: schwarze Strumpfhosen/Leggings, darüber einen schwarzen/pinken/roten/violetten Minirock. Diese Anzugsordnung gilt im öffentlichen Verkehr unabhängig von Alter und Beruf der Trägerin (als Staatsbahn-Angestellte ebenso wie als Studentin) und erst recht unabhängig vom Aussehen der Frau und/oder ihrer Beine, was ebenso ergötzliche wie schockierende Anblicke nach sich zieht.

– Polizei und Sicherheitskräfte sind präsent; in jeder Etage eines Einkaufszentrums („Galeria“) streift mindestens ein Wachmann. Andersfarbige Ausländer sind außer an den Hochschulen nicht wahrnehmbar. Es ist schizophren, dass ich mich in einem fremden Land sicherer fühle als im eignen.

– der gegrillte Karpaten-Quietschkäse schmeckt immer noch genial, ebenso wie Pirogen, Rote-Beete-Suppe und Krautwickel.

– An der Uni gibt es in jedem (!) Gebäude neben dem obligaten Pförtner eine kostenlose Garderobe mit Garderobenfrau! Die barocke Aula Leopoldina, erst recht die altehrwürdigen Seminarräume (teilw. 1638) lassen genau jenen Geist der „Sieben Freien Künste“ atmen, die viele heutige „Professoren“ gar nicht mehr kennen. Und die Germanistik hat dort mehr mit Linguistik zu tun als viele pseudolinguistischen Subjektivisten, die von ihrer Forschungsfacette zu keiner Gesamtschau mehr gelangen.

Aula Leopoldina

– Die „Galerianki“, die ich zu den Cottbusser „Tagen des Osteuropäischen Films“ in einem traurig-schockierenden Streifen vor Jahren kennen lernte, gibts es noch immer. Das sind teilweise minderjährige Mädchen, die sich von (älteren) Männern zum Shopping einladen lassen und dafür dann mit Sex bezahlen. Liebe als Ware, während die wahre Liebe verliert und selbstverschuldet stirbt – das Szenario ist nachvollziehbar. Dabei erscheinen sächsische Galerien wie der „Elbepark“ als Baby, die Breslauer „Galerie Dominikańska“ als KiTa-Kind und die Berliner „Alexa“ als Teenager gegenüber den Galerien bspw. in Dubai. Dabei schockierte mich anfangs und ärgerte mich später, dass diese Einkaufszentren bis auf den Namen der Supermärkte sich kaum bis gar nicht von deutschen unterscheiden: von Mister Minute über C&A bis Saturn  ist alles zu finden, was ich sowieso schon kenne. Das empfinde ich als beleidigend, gleichmacherisch, seelenlos. Welch ein Glück, daneben noch kleine Piekarnias oder Kioske zu finden, in denen man ohne Ärger sich individuell bedient und als Person und nicht als Kunde ernstgenommen fühlen kann.

– die Stadt ist nicht nur sehr sauber, sie ist auch jung, und die Menschen sind dabei werthaltiger.
+ Studenten kommen in den Zug, grüßen und fragen, ob sie sich setzen dürfen. Und dann holen sie tatsächlich Schnellhefter mit handschriftlichen Aufzeichnungen heraus und fragen sich ab.
+ Es gibt viel Grün und viele Spiel/Sportplätze. Viele Kinder darauf, die bolzen, sich balgen, Roller fahren, schaukeln, Basketball probieren… und nicht eins hat ein Handy in der Hand (es scheint mir eine internationale Regel zu sein, dass einsetzende Pubertät und Handynutzung hoch korrelieren, zumal bei Mädchen).

– der Bürokratieauswuchs ist in Polen immer noch spürbar: für die „grenzüberschreitende“ Fahrt zwischen Görlitz und Zgorzelec wird eine Null-Cent-Fahrkarte mit Kontrollabschnitt verteilt – als „Spezialangebot“.

Spezialangebot

– Das heutige Niederschlesische Woiwodschaftsamt befindet sich im von Feliks Bräuler entworfenen, 1945 provisorisch eingeweihten Gebäude von Gauleiter Karl Hanke – man stelle sich diese „Geschichtsvergessenheit“ sächsisch vor… Überhaupt: Geschichte – die ist sehr präsent, nicht nur die deutsche, auch die von Solidarnosc und dem bürgerlichen Widerstand. Der Gründer der Kukis-Partei (der sogar eine eigene Zeitung herausgibt) hält in seiner Kneipe (www.konspira.org/) dieses Andenken hoch.

– Neben Apotheken finden sich auffallend häufig Bestattungsinsitute… (überdies mit so klangvollen Namen wie „Gloria“).

– Sowohl das sächsich-schlesische Verbindungsbüro als auch die deutsche evangelische Gemeinde mit einem sehr royalistischen Pastor 😉 berichten von Wanderungsbewegungen privater UND unternehmerischer Art aus Sachsen hin nach Schlesien. Eine der Begründungen ist die Sicherheitslage.

– Der Bahnhofsgong vor den Ansagen bescherte mir ein Dejavu: es war der „Sanostol“-Dreiklang.

– die Polinnen sind wunderschöne Frauen, die ihre Augen oft und wetterunabhängig hinter pseudostylischen Sonnenbrillen verbergen.

– Polen lebt in wesentlichen Teilen analog. Zwar sieht es auf den Dörfern entlang der Bahnstrecke teilweise so aus wie in der DDR 1988. Aber man hat das Gefühl, wieder im ständigen Improvisationsmodus zu sein, der ebenso herausfordert wie Lust auf ein Ankommen in einer besseren Zukunft weckt. In Deutschland empfinde ich das Gegenteil: ein unperfektes Angekommensein, von dem aus es nur noch abwärts geht.

« Neuere Artikel - Ältere Artikel »